Profitmaximierung mit Krankheit: Wie krank ist das denn?

Krankenhäuser gehören zur öffentlichen Daseinsvorsorge. Sie werden in der Regel von Kommunen und freigemeinnützigen Einrichtungen betrieben, zunehmend aber auch von kommerziellen Trägern. Die Privatisierung im Gesundheitswesen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Deutschland hat weltweit eine der höchsten Anteile an privatisierten Krankenhausbetten.

Mit dem Betrieb von Krankenhäusern kann man offenbar richtig fette Gewinne machen. Während kommunale und freigemeinnützige Krankenhäuser ums wirtschaftliche Überleben kämpfen, konnten private Krankenhausträger sogar in Coronazeiten Umsatz und Profit steigern. Die Krankenhausgesellschaft Helios, mit 89 Häusern der größte private Krankenhausbetreiber in Deutschland, ist über die Muttergesellschaft Fresenius als DAX-Unternehmen an der Börse notiert. Allein das Helios-Klinikum München hat im letzten Jahr 20 Mio. Euro Gewinn gemacht. Der Gewinn vor Steuern für alle 89 Kliniken der Gesellschaft betrug 2020 600 Mio. Euro (Quelle: Die Zeit vom 12.05.2021) . Bei der Hauptversammlung von Fresenius an 20.05.2021 konnten sich die Aktionäre über eine schöne Dividende freuen: 1,34 Euro pro Aktie für 2020. 2019 waren es noch 1,20 Euro.

Was daran schlecht sein soll? Das sollte man mal das medizinische Personal fragen, denn da wird kräftig gekürzt. Für die hohen Gewinne der privaten Klinikbetreiber gibt es vor allem zwei Gründe: Einsparungen beim Personal und Staatsknete für die Aufstockung der Intensivbetten wie bei der Helios-Gruppe von 900 auf 1.500. „Von verschiedenen Ärzten wird den Helios-Kliniken vorgeworfen, dass Personal auf Kosten von Menschenleben eingespart wird. Zum Teil müssten Notfälle abgelehnt werden, weil kein Personal vorhanden sei. Trotzdem ist geplant, bis zu zehn Prozent der Arztstellen im Konzern abzubauen. Obwohl der Gewinn von 2019 auf 2020 um 43 Prozent gesteigert werden konnte, wird durch die geplanten Kündigungen den Anteilseignern eine noch höhere Dividende in Aussicht gestellt.“ (zit. nach Wikipedia, abgerufen am 23.05.2021). Diese Aussage wird von Fresenius-Chef Stephan Sturm unverblümt bestätigt: „Es werde eine gezielte Verringerung von Arztkapazitäten geben. Das sei notwendig, um unsere Profitabilität zu sichern“ (Die Zeit vom 12.05.2021). Mehr muss man dazu eigentlich nicht erläutern. Dazu kommen die staatlichen Corona-Hilfen. Dank der von Gesundheitsminister Spahn erfundenen Freihalteprämie konnten die Helios-Kliniken durch die Aufstockung von Intensivbetten ordentlich staatliche Corona-Hilfen abgreifen, nämlich 740 Mio. Euro – trotz weniger Behandlungen im Jahr 2020.

Die taz kam schon im November 2018 zu folgender Schlussfolgerung: „In einfachen Worten kann man das so dechiffrieren: Nicht mehr der Kranke ist Gegenstand der Medizin, der Heilkunst, sondern die Krankheit ist Gegenstand eines Programms; um es genau zu sagen: eines profitablen Wirtschaftsprogramms. Das ist die Konkretion der Verwandlung des Gesundheitswesens in eine Gesundheitswirtschaft.“

Das war 2018 richtig und ist im Mai 2021 offenbar noch richtiger.