Hey Papst, mach dich mal locker!
Veröffentlicht: 10. Juni 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Gesellschaft, Kirche | Tags: Katholische Kirche, Papst Franziskus, Reinhard Marx 3 KommentareDie katholische Kirche hat ein Problem. Na ja, eigentlich mehrere. Sexueller Missbrauch und dessen Vertuschung, dubiose Finanzgeschichten, interne Machtkämpfe, durchgeknallte Kirchenführer, die fast schon wieder vergessenen Protzallüren des Franz-Peter Tebartz-van Elst – man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Wir Älteren erinnern uns, dass es auch vor fünfzig Jahren schon ordentlich geknallt hat im deutschen Katholizismus. Beim Katholikentag 1970 in Trier (meine Heimatstadt!) protestierten kritische Katholiken vor der Basilika mit einem Transparent „Mitten in der Glaubenskrise bleibt Pope Paul der weiße Riese“. Sie wurden von papsttreuen Anhängern mit Regenschirmen vom Platz geprügelt. „Pope“ ist im englischen ja die offizielle Bezeichnung des Papstes, aber auf deutsch ist es schon sehr herabsetzend, was aber durchaus gewollt war.
Heute würde der gleiche Spruch alleine vom Versmaß her nicht mehr gehen („Franziskus“!), aber inhaltlich stimmt er noch immer. Jetzt hat der Papst das Rücktrittsgesuch von Kardinal Marx abgelehnt. Hallo Papst: Let my people go! Da schmeißt einer das Handtuch, hat die Faxen dicke, übernimmt Verantwortung für die verrottenen Strukturen, und der Papst sagt: Nö. Mach mal schön weiter. Marx war übrigens mal Bischof in Trier, wo auch Karl Marx geboren wurde, der mit dem Kommunistischen Manifest und dem Kapital. Der Bischof Reinhard Marx hat es Karl Marx nachgemacht und auch ein Buch geschrieben mit dem Titel „Das Kapital“. In dem hofft er aber, dass der von Karl Marx propagierte Niedergang des Kapitalismus nicht eintritt. Also dieser Bischof, der einige Zeit auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz DBK war und noch Erzbischof von München ist, hat dem Papst jetzt seinen Rücktritt angeboten.
Anders im Erzbistum Köln: Da klammert sich einer ans Amt (Woelki), obwohl das Fußvolk ihm die rote Karte zeigt. Bevor so ein Bischof oder Kardinal seines Amtes enthoben wird, muss schon Einiges anbrennen. Da muss der Weihwasserkessel schon richtig glühen. Die Insignien der Macht von so einem Bischof sind die Papptüte als Kopfbedeckung (offizieller Name ist Mitra), der Bischofsstab, das Brustkreuz und der Bischofsring. Wie wäre es denn, ihr lieben Bischöfe, ihr würdet diesen ganzen Klimbim mal bei Ebay verticken und ganz einfach wie normale Menschen rumlaufen? Oder braucht ihr das für euer lächerliches Autoritäts- und Machtgehabe? Und du, lieber Papst Franziskus, hast zwar beim Amtsantritt einen auf „ich bin einer von Euch“ gemacht, aber dann war´s damit auch schon bald wieder vorbei. Wir würden dir nicht weniger vertrauen, wenn Du diese alberne weiße Soutane im Schrank hängen lassen würdest. Mach dich einfach mal locker, verzichte auf das ganze Brimborium mit „Heiliger Vater“, Ring küssen und niederknien. Und lass den Reinhard Marx ziehen. Dann wäre die Kirche zwar noch nicht reformiert, aber ein Anfang wäre immerhin gemacht.
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Das finde ich nicht.
Lieber Fred Lang: das stimmt, die Anrede ist despektierlich. In meinem Blogbeitrag „Schreib mal wieder“ vom 3.12.2020 habe ich zum Thema korrekte Grußformeln folgendes geschrieben: Beim Oberhaupt der Katholiken geht „Hallo Papst“ und „Liebe Grüße“ natürlich nicht. Mit „Heiliger Vater“ ist man auf der sicheren Seite. Einen Kardinal redet man mit „Euer Eminenz“ oder „Herr Kardinal“ an, Bischöfe mit „Euer Exzellenz“.
Aber mal ehrlich: „Heiliger Vater, machen Sie sich mal locker“ hätte auch irgendwie blöd geklungen, oder?
Das Einzige, was mich an dem Beitrag stört, ist die vertrauliche Anrede. Wozu haben wir in der deutschen Sprache das distanzierende „Sie“? Ansonsten unterschreibe ich jedes Wort.