G7, drei G, 5G: Wie die „Gs“ unser Leben bestimmen
Veröffentlicht: 13. Juni 2021 Abgelegt unter: Corona, Internationale Politik, Wirtschaft | Tags: G7, G8, Klimaschutz Ein KommentarMan kann schon durcheinander kommen mit den ganzen „G“-Abkürzungen. „GG“ steht für das Grundgesetz, das muss man uns nicht erklären. Aber was ist die „G-10-Kommission“? Das könnte die Einemillioneurofrage bei Günter Jauch sein. Hat auch irgendwie etwas mit dem Grundgesetz zu tun, genauer mit Art. 10, der ein bisschen ausgehebelt werden soll, damit die Bundesnachrichtendienste in unserem Privatleben rumschnüffeln können.
In aller Munde sind derzeit die drei G – geimpft, genesen, getestet. Für Freunde der großen Verschwörung gehören dazu auch die Gechipten, also eigentlich vier G. Bei „5G“ wiederum denken die einen an autonomes Fahren, die anderen an gefährlichen Elektrosmog und lückenlose Überwachung unserer täglichen Toilettengänge, womit wir wieder beim Artikel 10 des Grundgesetzes wären. Vom Telefonieren auf dem Abort wird dringend abgeraten, auch weil schon manches Handy im Abfluss verschwand.
Und was war nochmal „G7“? Schon wieder vergessen? Heiligendamm 2007? Massiver Polizei- und Bundeswehreinsatz gegen Protestierer? Traurige Berühmtheit erlangte der G8-Gipfel 2001 in Genua wegen der brutalen Polizeiübergriffe gegen Demonstranten. Übrigens hieß die G7 damals noch G8, weil die Russen noch dabei waren. Und ganz zu Beginn, bei der Gründung dieses elitären Zirkels im Jahr 1975, umfasste die Gruppe nur sechs Staaten. Aber jetzt mal der Reihe nach. Die G7-Staaten, das sind die sieben derzeit wichtigsten Industrienationen der Welt: USA, Deutschland, Frankreich, Italien, Vereinigtes Königreich, Kanada, Japan. Angefangen hat das Ganze 1973 als informelle Gruppe der fünf Staaten USA, Frankreich, Deutschland, United Kingdom, Japan. Mit Italien und Kanada wuchs die Gruppe 1976 zur G7. 1998 kam Russland dazu, ab da also G8. Die bösen Russen wurden 2014 wegen der Intervention in der Ukraine wieder ausgeschlossen. In Anlehnung an das Lied von den zehn kleinen people of color heißt es also seit 2014: da waren´s nur noch sieben.
Es gibt noch weitere Zusammenschlüsse: G10, G15, G20, G77 und natürlich die Vereinten Nationen, die als einzige globale Organisation Völkerrechtssubjekt sind. Bei der G7-Gruppe gibt es eine vergleichbare Legitimation nicht. Egal ob sechs, acht oder sieben: Das Attribut, wichtig zu sein, haben sich die Mitglieder dieses elitären Clubs selbst verliehen. Es gibt kein demokratisches Mandat und keine irgendwie geartete Repräsentativität. Themensetzung und Entscheidungen finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Proteste der Zivilgesellschaft und von Globalisierungskritikern werden mit einem riesigen Kosten- und Sicherheitsaufwand ferngehalten und niedergeknüppelt. Beim Gipfel in Heiligendamm wurden auch erhebliche Behinderungen der Presse beklagt.

Wohin mit den Händen? Und wer hat die Länge der Hosenbeine kontrolliert?
Die Chefs der G7 kommen derzeit zu ihrem Gipfeltreffen in Cornwell in Großbritannien zusammen – genauer: Die Chefs und Chefinnen – dabei sind nämlich auch zwei Frauen: Angela Merkel für Deutschland und Ursula von der Leyen für die EU (die Gaststatus hat). Zum Abschluss des Treffens am heutigen 13. Juni 2021 wird eine Erklärung zum Klimaschutz erwartet. 100 Milliarden Dollar, so hört man, wollen die reichen Länder jährlich in den armen Ländern für den Klimaschutz investieren. Das klingt nach viel Geld, allerdings nicht, wenn man dieser Zahl die weltweiten Rüstungsausgaben gegenüberstellt (2020 = 1.981 Milliarden Dollar; Quelle: CIPRI). Außerdem wurden ähnliche Zusagen in der Vergangenheit nur zum Teil eingelöst. Skepsis ist also geboten.
Ähnlich kritisch muss man die Erklärungen der G7 zur globalen Verteilung der Corona-Impfstoffe bewerten: Eine Milliarde Impfstoffdosen wolle man an die ärmeren Länder spenden. Das ist eher peinlich Angesichts der Tatsache, dass die reichen Länder das Gros der auf dem Markt verfügbaren Impfstoffe für sich reserviert haben und die armen Länder deshalb das Nachsehen haben. In Südafrika zum Beispiel konnten bisher lediglich zwei Prozent der Bevölkerung mangels genügend Impfstoff geimpft werden. Die G7 sind sich zudem nicht einig in der Frage der Aussetzung der Patente auf die Impfstoffe. Deutschland ist dagegen.
Die Abschlusserklärung des G7-Gipfels steht zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Blogbeitrags noch aus. Große Überraschungen sind jedenfalls nicht zu erwarten.
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Das G3-Maschinengewehr der deutschen Bundeswehr sollte in dieser „G-Sammlung“ nicht unerwähnt bleiben. https://de.wikipedia.org/wiki/HK_G3