Ach Kirche: Heute mal Mitleid mit dem katholischen Klerus

Ein Bischof, der Puff heißt, kann einem allein schon seines Namens wegen Leid tun: Er wird sich vermutlich über einen Mangel an Spötteleien und Kalauern nicht beklagen müssen. Schwaderlapp ist als Name auch nicht viel besser. Davon aber mal abgesehen: Beide, Ansgar Puff und Dominikus Schwaderlapp, haben beim Umgang mit sexualisierter Gewalt im Erzbistum Köln keine bella figura gemacht. Täter gedeckt, Opfer nicht ernstgenommen, Strafvereitelung – ach Kirche. Der Papst hat das als lässliche Sünde eingestuft und die beiden Kirchenfürsten nicht in die Verbannung geschickt. Ihr Chef, Rainer Maria Woelki, muss ein halbes Jahr in der Ecke stehen und darf dann wieder Gläubige zum Kirchenaustritt motivieren. Ein anderer, Marx (nicht der mit dem Rauschebart und dem Klassenkampf), Autor von „Das Kapital“ und Ex-CEO des deutschen Klerus, wollte die Klamotten hinschmeißen, aber auch bei ihm hat der Papst gesagt: Eso no viene en la bolsa para nada (= kommt überhaupt nicht in die Tüte, und damit ist nicht die Papptüte gemeint, die Bischöfe sich auf dem Kopf montieren, wenn es feierlich wird).

Foto: KNA

Ach Kirche. Meine allererste Begegnung mit einem Bischof beschränkte sich auf eine Ohrfeige durch denselben, eine als Firmung getarnte mittelschwere Körperverletzung. Sexuellen Missbrauch habe ich in meiner katholischen Sozialisation nicht erfahren, da gehöre ich wohl zu einer Minderheit. Ich hatte als Jugendlicher mit Priestern zu tun, die gar nicht so klerikal drauf waren, für mich eher prägende Vorbilder, wenn man mal vom Alkohol- und Zigarettenkonsum absieht.

Und dann, später in meiner Zeit in Südamerika, hatte ich das Glück, viele sozial engagierte Geistliche, vom einfachen Pfarrer bis zum Erzbischof, kennenzulernen. Auch solche, denen protziges Gehabe und luxuriöser Lebensstil zutiefst zuwider waren. Zum Beispiel José Clemente Maurer, Erzbischof von Sucre/Bolivien, der mir als neu ins Land gekommenen, unerfahrenen Entwicklungshelfer einschärfte, zum Pinkeln unbedingt vom Pferd abzusteigen und es nicht aus dem Sattel zu versuchen.* Er hatte als Pfarrer jahrelang die abgelegenen Weiler der Indios in den Anden mit dem Pferd besucht und wusste, wovon er sprach.

Warum ich das hier schreibe? Die katastrophalen Verfehlungen der Amtskirche mit dem Thema sexueller Missbrauch sind durch nichts zu rechtfertigen oder zu entschuldigen. Das erschreckende Ausmaß ist gerade erst wieder durch die Missbrauchsstudie in Frankreich deutlich geworden. Aber: Nicht alle kirchlichen Amtsträger waren geile Kinderschänder. Auch das gehört zur Wahrheit dazu.  

*Die ganze Geschichte dazu kann man hier nachlesen: „Der Kardinal hat niemand, der für ihn schreibt.“ In: Jürgen Lieser. Weltgeschichten. Freiburg 2014, S. 26 ff.


Hey Papst, mach dich mal locker!

Die katholische Kirche hat ein Problem. Na ja, eigentlich mehrere. Sexueller Missbrauch und dessen Vertuschung, dubiose Finanzgeschichten, interne Machtkämpfe, durchgeknallte Kirchenführer, die fast schon wieder vergessenen Protzallüren des Franz-Peter Tebartz-van Elst – man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Wir Älteren erinnern uns, dass es auch vor fünfzig Jahren schon ordentlich geknallt hat im deutschen Katholizismus. Beim Katholikentag 1970 in Trier (meine Heimatstadt!) protestierten kritische Katholiken vor der Basilika mit einem Transparent „Mitten in der Glaubenskrise bleibt Pope Paul der weiße Riese“. Sie wurden von papsttreuen Anhängern mit Regenschirmen vom Platz geprügelt. „Pope“ ist im englischen ja die offizielle Bezeichnung des Papstes, aber auf deutsch ist es schon sehr herabsetzend, was aber durchaus gewollt war.

Heute würde der gleiche Spruch alleine vom Versmaß her nicht mehr gehen („Franziskus“!), aber inhaltlich stimmt er noch immer. Jetzt hat der Papst das Rücktrittsgesuch von Kardinal Marx abgelehnt. Hallo Papst: Let my people go! Da schmeißt einer das Handtuch, hat die Faxen dicke, übernimmt Verantwortung für die verrottenen Strukturen, und der Papst sagt: Nö. Mach mal schön weiter. Marx war übrigens mal Bischof in Trier, wo auch Karl Marx geboren wurde, der mit dem Kommunistischen Manifest und dem Kapital. Der Bischof Reinhard Marx hat es Karl Marx nachgemacht und auch ein Buch geschrieben mit dem Titel „Das Kapital“. In dem hofft er aber, dass der von Karl Marx propagierte Niedergang des Kapitalismus nicht eintritt. Also dieser Bischof, der einige Zeit auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz DBK war und noch Erzbischof von München ist, hat dem Papst jetzt seinen Rücktritt angeboten. 

Anders im Erzbistum Köln: Da klammert sich einer ans Amt (Woelki), obwohl das Fußvolk ihm die rote Karte zeigt. Bevor so ein Bischof oder Kardinal seines Amtes enthoben wird, muss schon Einiges anbrennen. Da muss der Weihwasserkessel schon richtig glühen. Die Insignien der Macht von so einem Bischof sind die Papptüte als Kopfbedeckung (offizieller Name ist Mitra), der Bischofsstab, das Brustkreuz und der Bischofsring. Wie wäre es denn, ihr lieben Bischöfe, ihr würdet diesen ganzen Klimbim mal bei Ebay verticken und ganz einfach wie normale Menschen rumlaufen? Oder braucht ihr das für euer lächerliches Autoritäts- und Machtgehabe? Und du, lieber Papst Franziskus, hast zwar beim Amtsantritt einen auf „ich bin einer von Euch“ gemacht, aber dann war´s damit auch schon bald wieder vorbei. Wir würden dir nicht weniger vertrauen, wenn Du diese alberne weiße Soutane im Schrank hängen lassen würdest. Mach dich einfach mal locker, verzichte auf das ganze Brimborium mit „Heiliger Vater“, Ring küssen und niederknien. Und lass den Reinhard Marx ziehen. Dann wäre die Kirche zwar noch nicht reformiert, aber ein Anfang wäre immerhin gemacht.