Ach Kirche: Heute mal Mitleid mit dem katholischen Klerus
Veröffentlicht: 10. Oktober 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Boulevard, Gesellschaft, Kirche | Tags: Bischöfe, Katholische Kirche, Klerus 4 KommentareEin Bischof, der Puff heißt, kann einem allein schon seines Namens wegen Leid tun: Er wird sich vermutlich über einen Mangel an Spötteleien und Kalauern nicht beklagen müssen. Schwaderlapp ist als Name auch nicht viel besser. Davon aber mal abgesehen: Beide, Ansgar Puff und Dominikus Schwaderlapp, haben beim Umgang mit sexualisierter Gewalt im Erzbistum Köln keine bella figura gemacht. Täter gedeckt, Opfer nicht ernstgenommen, Strafvereitelung – ach Kirche. Der Papst hat das als lässliche Sünde eingestuft und die beiden Kirchenfürsten nicht in die Verbannung geschickt. Ihr Chef, Rainer Maria Woelki, muss ein halbes Jahr in der Ecke stehen und darf dann wieder Gläubige zum Kirchenaustritt motivieren. Ein anderer, Marx (nicht der mit dem Rauschebart und dem Klassenkampf), Autor von „Das Kapital“ und Ex-CEO des deutschen Klerus, wollte die Klamotten hinschmeißen, aber auch bei ihm hat der Papst gesagt: Eso no viene en la bolsa para nada (= kommt überhaupt nicht in die Tüte, und damit ist nicht die Papptüte gemeint, die Bischöfe sich auf dem Kopf montieren, wenn es feierlich wird).

Ach Kirche. Meine allererste Begegnung mit einem Bischof beschränkte sich auf eine Ohrfeige durch denselben, eine als Firmung getarnte mittelschwere Körperverletzung. Sexuellen Missbrauch habe ich in meiner katholischen Sozialisation nicht erfahren, da gehöre ich wohl zu einer Minderheit. Ich hatte als Jugendlicher mit Priestern zu tun, die gar nicht so klerikal drauf waren, für mich eher prägende Vorbilder, wenn man mal vom Alkohol- und Zigarettenkonsum absieht.
Und dann, später in meiner Zeit in Südamerika, hatte ich das Glück, viele sozial engagierte Geistliche, vom einfachen Pfarrer bis zum Erzbischof, kennenzulernen. Auch solche, denen protziges Gehabe und luxuriöser Lebensstil zutiefst zuwider waren. Zum Beispiel José Clemente Maurer, Erzbischof von Sucre/Bolivien, der mir als neu ins Land gekommenen, unerfahrenen Entwicklungshelfer einschärfte, zum Pinkeln unbedingt vom Pferd abzusteigen und es nicht aus dem Sattel zu versuchen.* Er hatte als Pfarrer jahrelang die abgelegenen Weiler der Indios in den Anden mit dem Pferd besucht und wusste, wovon er sprach.
Warum ich das hier schreibe? Die katastrophalen Verfehlungen der Amtskirche mit dem Thema sexueller Missbrauch sind durch nichts zu rechtfertigen oder zu entschuldigen. Das erschreckende Ausmaß ist gerade erst wieder durch die Missbrauchsstudie in Frankreich deutlich geworden. Aber: Nicht alle kirchlichen Amtsträger waren geile Kinderschänder. Auch das gehört zur Wahrheit dazu.
*Die ganze Geschichte dazu kann man hier nachlesen: „Der Kardinal hat niemand, der für ihn schreibt.“ In: Jürgen Lieser. Weltgeschichten. Freiburg 2014, S. 26 ff.
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Na ja, das mit der Minderheit war auch nicht wirklich ernst gemeint. Ich glaube auch, dass die meisten Kinder und Jugendlichen keinen sexuellen Missbrauch durch Kirchenleute erfahren haben. Das Ausmaß ist aber auch so schlimm genug.
Lieber Jürgen,
ich habe auch in einer etwa fünfjährigen Zeit als Messdiener und den drei Jahren im „Bund Neudeutschland“, wie er damals noch hieß, nichts von sexuellem Missbrauch mitbekommen. Die Oratorianer, die unsere Pfarrei in Aachen betrieben, waren sozial stark engagiert, Jugendzentrum, Altenheim, wenn ich mich richtig erinnere, auch ambulante Pflege. Ich glaube noch nicht mal, dass es eine Minderheit war, die keinen sexuellen Missbrauch erfahren hat, sonst hätte man dies gar nicht so perfide unter der Decke halten können. Aber es waren eben viele und die Kirche hat sie nicht geschützt. In der Tat, was Du schreibst, gehört eben auch zu einem vollständigen Bild.
Herzliche Grüße
Georg
Prof. Dr. Georg Cremer
Friedhofweg 27
79249 Merzhausen
Tel. 0761 4002027
Mobil 0170 333 22 64
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http://www.georg-cremer.de
Ja wenn ich den Beitrag vom Hader Josef schon vorher gekannt hätte, dann hätte ich bei dem Bekenntnis, dass ich nicht missbraucht wurde, wohl noch ergänzen müssen, dass ich mich deswegen schuldig fühle …
Wie schön, dass auch jemand über positive Erfahrungen mit der katholischen Kirche berichten kann. Als Protestant habe ich persönlich da leider wenig beizutragen. Josef Hader hatte aber offenbar ähnliches Glück, wie ich – in Vorbereitung auf seinen Auftritt im November in Stuttgart – bei „Willkommen Österreich“ gestern auf Youtube gesehen habe. Welcher Prominente traut sich noch?