Mein Hund, der Zeitgeist und ich (3)
Veröffentlicht: 4. Juli 2024 Abgelegt unter: Allgemein, Boulevard, Gesellschaft Hinterlasse einen KommentarUrlaub auf der Insel. Drei Wochen keine Gefahr, dem Zeitgeist und seinem Hund über den Weg zu laufen. Ich hatte am 26.02.2024 und am 29.04.2024 von den anstrengenden Begegnungen mit ihm, dem Zeitgeist, berichtet. Er wird ja wohl nicht zur gleichen Zeit hier Urlaub machen. Aber heißt es nicht in der Bibel, Joh 3,8: „Der Zeitgeist weht, wo er will“? Man muss also auf der Hut sein. Die hiesigen Urlaubsgäste, viele davon bestückt mit Hunden, Kindern und Fahrrädern, sehen nicht so aus, als habe der Zeitgeist keine Spuren bei ihnen hinterlassen. Eher gut situiert, teure Sportklamotten, Auto aus dem oberen Preissegment. Nichts zu spüren vom allseits beklagten deutschen Niedergang.
Im Restaurant stehen die Tische eng. Reservierungen werden nur für ein begrenztes Zeitfenster entgegengenommen. Der Hund darf unter dem Tisch liegen. Unterhaltungen, ohne dass der Nebentisch mithört, sind kaum möglich. Dankbare Themen: Chaos bei der Bahn, die Fußball-EM, die Visagistin von Außenministerin Baerbock. Überhaupt die Regierung, alles Versager.: „Der Scholz müsste endlich mal ein Machtwort sprechen!“

Der das sagt, ein Mann mit offenbar klaren politischen Vorstellungen, lenkt derweil den Blick auf den Hund. Der wiederum wedelt mit dem Schwanz – das tut er bei jedem Idioten, der ihn freundlich anschaut. „Der ist ja süß – ein Australian Shephard?“ Ich habe dem Hund verboten, Leute mit freundlichem Schwanzwedeln zu begrüßen, die sich heimlich nach einer starken politischen Führung sehnen und einen dann um Zustimmung anwanzen. Aber auf mich hört ja keiner. Der Hund teilt meine politischen Ansichten nicht; er ist für meinen Geschmack zu tolerant, um nicht zu sagen, absolut gleichgültig gegenüber linkem wie rechtem Gedankengut. Hauptsache Wurst.
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