Mein Hund, der Zeitgeist und ich
Veröffentlicht: 26. Februar 2024 Abgelegt unter: Allgemein, Boulevard, Gesellschaft, Neue Rechte 4 KommentareUnsere Bordercollie-Hündin Lou ist nicht sehr anspruchsvoll: Viel streicheln, „Bring das Bällchen spielen“, Gassi gehen. Fressen natürlich, das ist ihr wichtig. Sie hat ein freundliches, zugewandtes Wesen und begegnet allen Menschen, die uns besuchen, mit Wohlwollen. Nur Igel kann sie nicht leiden. Die meiste Zeit am Tag liegt sie faul rum und döst vor sich hin. Wenn ich mit ihr spazieren gehe, bin ich lieber allein. Dann kann ich auch vor mich hindösen und meinen Gedanken nachhängen. Doch manchmal lassen sich Begegnungen mit anderen Hundebesitzern nicht vermeiden – Frauen sind mitgemeint –, darunter nette, langweilige und nervige. Bei manchen sage ich „Hallo“, mit anderen wechsle ich ein paar Worte. Man redet dann so dies und das, meist Belangloses.
Leider hat der Zeitgeist auch einen Hund, und weil unsere Hunde gerne und ausgiebig miteinander spielen, kann ich längeren Gesprächen mit ihm, dem Zeitgeist, nicht immer aus dem Weg gehen. So neulich wieder.
Zeitgeist (aufgekratzt): Hallöchen!
Ich (eher brummig): Hallo.
(kurze Pause)
Zeitgeist: Auch wieder unterwegs?
Ich (statt „Sieht man ja“ zu antworten): Ja, muss sein. Bei dem Wetter geht ja niemand freiwillig vor die Tür … (und weiter, was sich alsbald als Fehler herausstellt) …der Klimawandel könnte sich wenigstens mal von seiner wärmeren Seite zeigen.
Zeitgeist: Das mit dem Klimawandel ist doch reine Panikmache. Die wollen nur, dass wir uns alle eine neue Heizung einbauen und ein Elektroauto kaufen …
Ich: Äh, die? Wer ist „die“?
Zeitgeist: Na die Grünen. Also der Habeck. Die ganze Ampel. Die ist sowieso an allem schuld. Wir haben die dümmste Regierung aller Zeiten. Diese Leute sind sowas von unfähig. Die ganze politische Klasse ist am Ende.
Ich: Das scheint mir aber etwas unterkomplex. Ich finde auch nicht alles gut, was unsere Regierung derzeit auf die Reihe kriegt und wie sie sich gegenseitig zerlegen, aber …
Zeitgeist (fällt mir ins Wort): In Peru werden Radwege mit deutschen Steuergeldern gebaut, während hier Brücken und Straßen marode sind. Deutschland wird doch systematisch kaputt gemacht. Findest Du (seit wann duzen wir uns?) das etwa in Ordnung? (Ohne meine Antwort abzuwarten) … und Annalena Baerbock gibt im Monat 20.000 Euro für Ihre Klamotten und den Friseur aus – von unseren Steuergeldern natürlich.
Ich: Das kann ich mir nicht vorstellen – wo haben Sie das denn her?
Zeitgeist: Hab´ ich aus dem Internet. Darüber wird halt in den Mainstreammedien nicht berichtet.
Ich (versuche das Thema zu wechseln): Was mir an unserer Politik nicht gefällt, das sind die hohen Rüstungsausgaben, immer mehr für Panzer und Munition, und gleichzeitig soll an den Sozialausgaben gespart werden …
Zeitgeist: Wenn die Asylanten nicht so viel Geld bekämen, würden sie gar nicht erst zu uns kommen. Es muss endlich in großem Stil abgeschoben werden. Und davon mal abgesehen: Deutschland muss kriegstauglich werden.
Ich: Und wann wäre das?
Zeitgeist: Das geht natürlich nicht von jetzt auf gleich. Ein paar Jahre wird es wohl dauern, bis wir so weit sind, dass wir uns gegen die Russen verteidigen können. Die Amerikaner wollen uns nicht mehr schützen, deshalb brauchen wir eigene Atomwaffen. Natürlich nur zur Abschreckung …
Ich: Sorry, ich muss mich um den Hund kümmern (Lou hat während der letzten Zeitgeist-Äußerungen auf die Wiese gekotzt … (zum Hund gewandt) Mensch Lou, hast du wieder Scheiße gefressen, sollst du doch nicht … (und zum Zeitgeist) man sieht sich …
Entdecke mehr von Jürgen Lieser
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

[…] Drei Wochen keine Gefahr, dem Zeitgeist und seinem Hund über den Weg zu laufen. Ich hatte am 26.02.2024 und am 29.04.2024 von den anstrengenden Begegnungen mit ihm, dem Zeitgeist, berichtet. Er wird ja […]
[…] dieser Zeit nicht zur Kenntnis nehmen will. Er hat auch einen Hund, der Zeitgeist, ich hatte am 26.02.2024 schon davon […]
Ohje, das mit dem Hund lasse ich dann wohl erst mal. Andererseits: So kommt „man“ vermutlich am einfachsten aus seiner sozialen Blase raus. Und nur so entstehen so gern gelesene Geschichten wie diese hier. Vielen Dank, Jürgen!
Zum Schreien witzig, wenn’s nicht so ernst wär..