Ein Leben ohne Ostereier ist möglich. Anmerkungen zu einem nicht geschriebenen Text

Hier sollte eigentlich aus Anlass der bevorstehenden Ostertage ein qualitativ hochwertiger, brillant formulierter und inhaltlich herausragender, aufhorchen lassender Text stehen. Scharf beobachtet, mit neuen Aspekten, die so noch nicht gesagt oder geschrieben wurden. Ein Text mit analytischer Strahlkraft, geprägt von profunder historischer Kenntnis und überraschenden Schlussfolgerungen. Ein Text, der sich nicht scheut, klar Position zu beziehen, der aber doch achtsam bleibt gegenüber leicht erregbaren Botschaftern, freidenkenden PEN-Präsidenten, zögerlichen Kanzlern und um Fassung ringenden Ministerinnen.  Ein Text, sagen wir ein Essay, das dem Ernst der Lage Rechnung trägt, das anprangert, was anzuprangern gilt, ohne dabei in voreilige Schuldzuweisungen zu verfallen. Ein Text über die geopolitischen Hintergründe und die historischen Ursachen des Ukrainekrieges und über die Widersprüche zwischen friedensbewegten Ostermarschierern und mehr schwere Waffen fordernden Bündnisgrünen. Dabei hätten die durch den Krieg verursachten Preissteigerungen und die Folgen für Leute mit kleinem Einkommen – Arbeitslose, Alleinerziehende, Sozialhilfeempfänger und sonstige Low Performer – nicht unerwähnt bleiben dürfen. Natürlich hätte daran anknüpfend auch der gesamtgesellschaftliche Zusammenhang erörtert werden müssen, also die Frage, warum die grundsätzlich sinnvolle Forderung nach Reduzierung unseres Wohlstandsniveaus, nach Konsumverzicht usw. bei der vorgenannten Klientel auf gedämpften Jubel stößt. Woran sich eine grundlegende Kritik an der kapitalistischen Wirtschaftsweise und den Grenzen des Wachstums zwangsläufig hätte anschließen müssen. 

Dieser Text also wartet noch darauf geschrieben zu werden. Stattdessen ist das hier dabei herausgekommen:

Ein Leben ohne Ostereier ist möglich und keineswegs sinnlos. Auch ein Besuch der demnächst in Freiburg stattfindenden BBQ-Lifestyle-Messe „Rauch und Glut“ ist, wenn auch schweren Herzens für alle Freunde des Grillhobbys, verzichtbar – ebenso wie  bauchfreie Tops, die weibliche Teenager, egal wie dünn oder füllig sie sind, meinen, zu ihren schlabbrigen Hosen tragen zu müssen. Drei Dinge, bei denen ein Verzicht die Welt ein wenig erträglicher machen könnte.

In diesem Sinne: Sinnvolle Ostertage!