Nach Jogi kommt Hansi
Veröffentlicht: 25. Mai 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Boulevard, Gesellschaft | Tags: Bundestrainer, Franz Beckenbauer, Hansi Flick, Jogi Löw, Profifußball Ein KommentarNein, wir reden nicht von Wellensittichen. Es geht um den neuen Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft. Nach Bundeskanzler*in immerhin die zweitwichtigste Position in Deutschland. Jemand, der oder die Deutschland auf der ganzen Welt repräsentiert. Neue/r Bundestrainer*in und Nachfolger*in von Joachim (= Jogi) Löw wird Hans-Dieter (= Hansi) Flick (Anmerkung am Rande: Ich möchte vorschlagen, im weiteren Verlauf dieses Textes auf das Gendern zu verzichten. Oder mag sich jemand ernsthaft vorstellen, der Deutsche Fußballbund DFB könnte in Erwägung ziehen, eine Frau als Nachfolgerin von Jogi Löw zu berufen? Ne, oder?). Neben der Tatsache, männlichen Geschlechts zu sein, ist offenbar eine wichtige Voraussetzung für das Amt, dass er durch ein angehängtes „i“ an seinen Namen schon mal von vornherein Sympathieträger ist. Wer Hansi heißt, muss irgendwie ein lieber Kerl sein. Es gab auf dem Posten auch schon mal einen Rudi (Völler, der mit der Vokuhila-Frisur) und einen Berti (Vogts). „Die Realität ist anders als die Wirklichkeit“ – hat der Berti mal gesagt. Der, also der Berti, hat 1978 bei der WM in Argentinien, wo die Militärdiktatur gerade Tausende von Regimegegnern verhaften, foltern und töten ließ, gemeint: „Argentinien ist ein Land, in dem Ordnung herrscht. Ich habe keinen einzigen politischen Gefangenen gesehen.“ Diese Sehschwäche konnte auch bei einem anderen ehemaligen Bundestrainer beobachtet werden. Der „Kaiser“ Franz Beckenbauer, Träger des Bundesverdienstkreuzes, hat in Katar keine Sklavenarbeiter gesehen: „Ich habe noch keinen einzigen Sklaven in Katar gesehen. Ich weiß nicht, woher diese Berichte kommen. Ich war schon oft in Katar und habe deshalb ein anderes Bild, das glaube ich realistischer ist.“ Die Realität von Franz Beckenbauer ist demnach auch anders als die Wirklichkeit.
2022 findet die Fußballweltmeisterschaft in Katar statt. Ob Hansi Flick auch blinde Flecken hat, wenn es um das politische Umfeld geht, in dem Fußball nun mal stattfindet, wissen wir nicht. Das Jahresgehalt des Bundestrainers beträgt um die drei Mio. Euro, dazu kommen noch Werbeeinnahmen in etwa doppelter Höhe. Da kann einem schon mal schummrig vor Augen werden.
Entdecke mehr von Jürgen Lieser
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Welch wunderbarer Kommentar. Treffend auf den Punkt gebracht, danke! So dürfte das leider in kaum einer Tageszeitung stehen, weil die Abhängigkeiten von den Protagonisten viel zu groß sind (dabei bin ich ein sehr, sehr großer Freund unserer Tagespresse von taz bis FAZ). Die Guten im Print lassen immerhin zumindest mal zwischen den Zeilen was durchblicken. Sei’s drum, lassen wir den Zirkus einfach weiterziehen. Mir ist es durch Super League, Scheich-Clubs, Katar-WM, unabsehbare Bayern-Dominanz… nun endgültig vergällt – obwohl Arminia noch eine weitere Saison erstklassig bleibt. Der Spaß ist dahin… Trotzdem als Anlass zum Treff in der Kneipe (in besseren Zeiten) immer mal wieder gern. Bin selbst gespannt, wie oft ich noch auf den Bildschirm schauen werde. Immer öfter stattdessen sicherlich Samstagnachtmittags beim „birding“ in Taubergießen und der Elztalniederung. Ich bin sicher, das wird erfüllender!