Nach Jogi kommt Hansi

Nein, wir reden nicht von Wellensittichen. Es geht um den neuen Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft. Nach Bundeskanzler*in immerhin die zweitwichtigste Position in Deutschland. Jemand, der oder die Deutschland auf der ganzen Welt repräsentiert. Neue/r Bundestrainer*in und Nachfolger*in von Joachim (= Jogi) Löw wird Hans-Dieter (= Hansi) Flick (Anmerkung am Rande: Ich möchte vorschlagen, im weiteren Verlauf dieses Textes auf das Gendern zu verzichten. Oder mag sich jemand ernsthaft vorstellen, der Deutsche Fußballbund DFB könnte in Erwägung ziehen, eine Frau als Nachfolgerin von Jogi Löw zu berufen? Ne, oder?). Neben der Tatsache, männlichen Geschlechts zu sein, ist offenbar eine wichtige Voraussetzung für das Amt, dass er durch ein angehängtes „i“ an seinen Namen schon mal von vornherein Sympathieträger ist. Wer Hansi heißt, muss irgendwie ein lieber Kerl sein. Es gab auf dem Posten auch schon mal einen Rudi (Völler, der mit der Vokuhila-Frisur) und einen Berti (Vogts). „Die Realität ist anders als die Wirklichkeit“ – hat der Berti mal gesagt. Der, also der Berti, hat 1978 bei der WM in Argentinien, wo die Militärdiktatur gerade Tausende von Regimegegnern verhaften, foltern und töten ließ, gemeint: „Argentinien ist ein Land, in dem Ordnung herrscht. Ich habe keinen einzigen politischen Gefangenen gesehen.“ Diese Sehschwäche konnte auch bei einem anderen ehemaligen Bundestrainer beobachtet werden. Der „Kaiser“ Franz Beckenbauer, Träger des Bundesverdienstkreuzes, hat in Katar keine Sklavenarbeiter gesehen: „Ich habe noch keinen einzigen Sklaven in Katar gesehen. Ich weiß nicht, woher diese Berichte kommen. Ich war schon oft in Katar und habe deshalb ein anderes Bild, das glaube ich realistischer ist.“ Die Realität von Franz Beckenbauer ist demnach auch anders als die Wirklichkeit.

2022 findet die Fußballweltmeisterschaft in Katar statt. Ob Hansi Flick auch blinde Flecken hat, wenn es um das politische Umfeld geht, in dem Fußball nun mal stattfindet, wissen wir nicht. Das Jahresgehalt des Bundestrainers beträgt um die drei Mio. Euro, dazu kommen noch Werbeeinnahmen in etwa doppelter Höhe. Da kann einem schon mal schummrig vor Augen werden.


DFB reagiert auf Kritik aus Wittnau

Nur einen Tag, nachdem ein Beitrag auf diesem Blog das Gebaren des Profifußballs – zugegebenermaßen polemisch überspitzt – kritisiert hat („Der Ball rollt wieder…“), hat der Deutsche Fußballbund (DFB) reagiert und weitreichende Veränderungen angekündigt. DFB-Päsident Fritz Keller will mit einem 5-Punkte-Plan für mehr Nachhaltigkeit im Fußball sorgen und den Profifußball wieder näher zu den Menschen zu bringen. „Gesellschaftliche Diskussionen um zunehmende Kommerzialisierung, Gehälter und Ablösesummen, aber auch manche Vorgänge in den Fußball-Verbänden rund um die Vergabe von Fußball-Weltmeisterschaften hätten zu einer teilweisen Entfremdung vom Fußball beigetragen“, so Keller. Man müsse auch über Gehaltsobergrenzen nachdenken.

Man darf nun gespannt sein, ob der noch relativ neue DFB-Präsident es schafft, sich gegen die zu erwartenden Widerstände der Fußballzunft und der mächtigen Vereine durchzusetzen. Auch die Millionen-Schiebereien rund um die WM-Vergabe 2006 müssen endlich aufgeklärt werden. Der DFB hat nun angekündigt, eine Berliner Detektei mit der Aufklärung der Merkwürdigkeiten rund um die WM 2006 zu beauftragen. Auch das ist wohl eine unmittelbare Reaktion auf unserem Blogbeitrag vom 18. Mai. Wir bleiben dran.