Politischer Aschermittwoch: Achtung, Achtung, hier ist die CSU!

So die Begrüßung durch Markus Söder beim heutigen politischen Aschermittwoch der CSU. Muss er vielleicht sagen, damit die bierseligen Gäste wissen, wo sie sind, nämlich in Bayern, in der „ampel- und wokenessfreien Zone“, wie Söder verkündet. Das ist zwar strunzdummer bullshit, aber Söder ist nicht blöd und weiß, dass beim politischen Aschermittwoch („der geilste Termin des Jahres“) die niederen Instinkte und Gefühle der Parteibasis bedient werden müssen. Dazu gehören auch Forderungen wie „Die Ampel muss weg“ oder „Wir wollen keine Grünen in der nächsten Bundesregierung“. Da gibt es schon mal eine gehörige Schnittmenge mit der AfD, gell Herr Söder? Aber die AfD, das sei der Fairness halber gesagt,  kriegt bei seiner Rede im Bierzelt auch ihr Fett weg – wenn auch viel weniger als die Grünen.

Die AfD zelebriert ihren politischen Aschermittwoch in Greding und meint: „Wer Deutschland nicht liebt, der kann jetzt schon Deutschland verlassen!“ Oder sowas hier: „Die Grünen schreiben uns vor, Käfer und Ungeziefer zu essen fürs Klima“ (Stephan Brandner, Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion). Das hat übrigens Söder auch schon bei anderen Gelegenheiten behauptet. Oder war es der Aiwanger Hubert? Herbert Wehner hätte dazu gesagt: Das war schon früher Quatsch und ist heute noch Quätscher. Für die FDP sprach Marie-Agnes Strack-Zimmermann in Dingolfing, bei jedem Applaus von einem karnevalesken Tusch begleitet. Die permanenten Wortmeldungen von Strack-Zimmermann zu jedem beliebigen Thema können einen auch aus Deutschland hinaustreiben.

Und was hört man von den Grünen? Sie mussten ihre Veranstaltung zum politischen Aschermittwoch in Biberach wegen der Blockierung von Zufahrtswegen, aggressiven Aktionen gegen die Polizei und Sicherheitsproblemen bei Demonstrationen im Umfeld absagen. Von einer demokratischen Streit- und Protestkultur scheint sich dieses Land mehr und mehr zu entfernen.

Der Aschermittwoch bedeutet in der christlichen Tradition den Beginn der 40tägigen Fastenzeit. Meine Empfehlung an alle Parteien: Verzichtet auf die politischen Aschermittwochsveranstaltungen mit überflüssigen Stammtischparolen und verordnet Euch selbst eine 40tägige Abstinenz von dummdreisten Sprüchen wie: „Schweinsbraten und Leberkäs haben in Bayern Verfassungsrang“ (Originalton Söder). Hört auf damit, das politische und soziale Klima zu vergiften. Der demokratische Zusammenhalt ist in diesen Tagen gefragt, nicht die grobe Holzerei bei politischen Stammtischen.

Das war übrigens mein Redebeitrag zum politischen Aschermittwoch am heimischen Familientisch. Aber wahrscheinlich hört mal wieder niemand zu.


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One Comment on “Politischer Aschermittwoch: Achtung, Achtung, hier ist die CSU!”

  1. Doch, ich hab zugehört und bin ganz deiner Meinung. Das ist normalerweise kein Anreiz für einen Kommentar, aber der letzte Satz hat’s dann doch gebracht! 🙂


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