Die Heilige Julia der Schlachthöfe

Ein Blogbeitrag zum Internationalen Tag des Hamburgers

Am 28. Mai, passend zum Start in die Grillsaison, begeht die Welt den Internationalen Tag des Hamburgers. Kein Scherz. Der Hamburger, ein Hackfleischbrötchen, Flaggschiff und Bestseller von McDonalds, bestehend aus einer plattgewalzten Boulette aus Rinderhack, eingepackt zwischen zwei geschmacksneutrale, brötchenähnliche Weißbrotlappen und mit einem Salatblatt sowie mit diversen Soßen geschmacklich aufgemotzt, hat es ob seiner großen Beliebtheit bei allen Freunden des Fast-Foods verdient, dass man ihm einen Internationalen Tag widmet. Er ist ernährungspolitisch gesehen systemrelevant, der Hamburger, mehr jedenfalls als andere Banalitäten, die man Ende Mai ebenfalls mit einem Internationalen Tag feiern möchte, wie etwa den „Iss-eine-Kiwi-Tag“, den Tag des Papierfliegers, den Tag der Schnitzeljagd, den Tag der Büroklammer oder den „Leg-Dein-Kopfkissen-auf-den Kühlschrank-Tag“. „Schnitzeljagd“ hier bitte nicht in Verbindung bringen mit dem laut FDP von links-grüner Seite drohenden Schnitzelverbot. Wir lassen uns das Schnitzel nicht verbieten!

Leider sind da unlängst ein paar unappetitliche Dinge ans Licht gekommen: mangelnde Hygiene in Schlachthöfen, nicht artgerechte Haltung des Personals, usw. Ganz zu schweigen  von anderen bedauerlichen Missständen: unmenschliche Tiertransporte, geschredderte Kücken, Massentierhaltung, zu viel Gülle auf den Wiesen und in manchen Hirnen – da macht das Grillen echt keinen Spaß mehr.

Dass es in der Fleischindustrie beinhart zugeht, weiß man allerdings nicht erst seit gestern. Die „Heilige Johanna der Schlachthöfe“ wurde von Brecht vor 90 Jahren, während der Weltwirtschaftskrise, verfasst. Unsere Agrar- und Verbraucherschutz-Ministerin Julia Klöckner, ehrenamtliche Pressesprecherin der Fa. Nestlé, Befürworterin des Pestizideinsatzes in der ökologischen Landwirtschaft und Trägerin des Aachener Ordens wider den tierischen Ernst (sic!) hat nun Gelegenheit, sich um eine Neuauflage des Brecht-Stückes und um den Titel „Die Heilige Julia der Schlachthöfe“ zu bewerben und damit das angeschlagene Image der Schlachtbetriebe wieder geradezurücken. Für die Veröffentlichung des neugefassten Brecht-Stückes bietet sich die Zeitschrift „Beef!“ an.

Als Schirmherr können wir empfehlen: Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V. Zum von der Bundesregierung beschlossenen Verbot von Werkverträgen in den Schlachthöfen meint er: Wir sind entsetzt über diese falsche und unverhältnismäßige Entscheidung, die verheerende Konsequenzen für den Standort Deutschland haben wird. Die Politik nimmt die Schließung von Schlachtereien in Deutschland und damit den Verlust von tausenden Arbeitsplätzen sehenden Auges in Kauf. Die heutige Entscheidung gefährdet eine ganze Branche in ihrer Existenz – unsere hochmodernen Schlachtereien mit ihren weltweit führenden Standards bei Hygiene und Lebensmittelsicherheit ebenso wie die tierwohlorientiert arbeitenden landwirtschaftlichen Familienbetriebe. Wenn die Schlachtereien abwandern, wird den deutschen Tierhaltern ihre Existenzgrundlage entzogen – und dem Tierwohl und dem erklärten Wunsch des Verbrauchers nach Fleisch aus kontrollierter deutscher Erzeugung ist ein Bärendienst erwiesen.

Liebe Verbraucher: Bei Rewe gibt es heute Schweine-Stielkotelett im Angebot für 5,90 Euro das Kilo, natürlich aus kontrollierter deutscher Erzeugung. Also nix wie hin. Oder was wollt Ihr an Pfingsten grillen?


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