Mein wunderbares Hörgerät. Ein Beitrag zum Welttag des Hörens

Ich habe ein Hörgerät (ja, nur eins, weil das rechte Ohr noch ohne auskommt). Ein Wunderwerk der Technik. Winzig klein, kaum drei Gramm schwer. Aber auch recht teuer. Würde man bei Hörgeräten wie bei Lebensmitteln den Kilopreis angeben, hätte bei mir eine knappe Million Euro stehen müssen. Aber das nur am Rande. So ein Hörgerät leistet Erstaunliches. In einem an den Gehörgang angepassten Stöpsel ist ein winziger Lautsprecher. Der ist mit einem dünnen Draht mit dem Computer verbunden, der hinter der Ohrmuschel getragen wird. Sieht man kaum. Und noch was: Es ist nicht nur ein Hörgerät, sondern auch ein Sprechgerät! Gut, der Wortschatz ist begrenzt und beschränkt sich auf Einwortsätze. Meines sagt zur Begrüßung, wenn ich es im linken Ohr befestige, immer „links“. Das hilft bei der Orientierung in der immer komplizierter werdenden Welt. Je nach äußeren Umständen kann ich das Hörgerät umschalten. Es sagt dann „Universal“, „Musik“ oder „Hörkomfort“. Der einzige Dreiwortsatz, den das Gerät fehlerfrei beherrscht, lautet „Batterie fast leer“ (Korrekt müsste es natürlich heißen: Die Batterie ist fast leer, stupid.) Der Satz wird dann mehrmals wiederholt – vermutlich, weil man Träger von Hörgeräten grundsätzlich für dement hält -, bis die Batterie tatsächlich leer ist und Schluss mit Hören und Sprechen. Nach dem Batteriewechsel sagt es wieder „links“. Leider habe ich die Frau, die in meinem Ohr spricht, noch nicht persönlich kennengelernt. Ich hätte ihr gerne meinen Dank ausgedrückt dafür, dass sie sich bei ihren Wortbeiträgen nur auf das absolut Notwendige beschränkt. Das macht so ein Hörgerät ausgesprochen sympathisch.

Aber es lauern auch Gefahren. Weil es so klein ist und die lockere Befestigung hinter dem Ohr nicht sehr verlässlich hält, kann es leicht verloren gehen. Zum Beispiel ins Klo fallen oder beim Abnehmen des Fahrradhelms oder Mundnasenschutzes irgendwie verheddern. Neulich fiel es in einem unachtsamen Moment auf den Boden. Der Hund fand Gefallen daran und konnte gerade noch rechtzeitig vom Verzehr abgehalten werden. Mein Hörakustiker kennt Kunden, die schon mehrmals Ersatzbeschaffungen für ihr Hörgerät brauchten, wegen dem Hund.

(An dieser Stelle würde jetzt Werbung für Hörgeräte kommen, aber dafür brauche ich noch ca. 5.000 Abonnenten auf meinem Blog. Ein Anfang ist gemacht …)


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4 Comments on “Mein wunderbares Hörgerät. Ein Beitrag zum Welttag des Hörens”

  1. Tja, mit dem Ausblenden alleine ist es ja nicht getan. Das dient zwar dem Schutz der eigenen Psyche, aber der nervige Zeitgenosse oder das rechte Gedankengut sind dann immer noch da. Das Hörgerät, das nicht nur besseres Hören ermöglicht, sondern auch gegen Dummheit (eigene oder fremde) hilft, wäre noch zu entwickeln …

  2. Avatar von Manfred Steinke Manfred Steinke sagt:

    beneidenswert an Deiner Situation mit dem Hörgerät ist ja, dass Du nunmehr lästige oder unsympatische Gesprächspartner einfach stummschalten kannst – zumindest wenn die Ansprache von links kommt. Dabei wäre das Ausblenden von Ansprachen aus der rechten Ecke vielleicht wünschenswerter?!?

  3. Avatar von Peter Raab Peter Raab sagt:

    Ich habe gerade meine Morgenmeditation geendet. Mein Impuls für Dich, Jürgen: Höre auf die Stille. – Ganz ohne Hörgerät!

  4. Avatar von birgit zober birgit zober sagt:

    ….und wieder konnte ich bei deinen Formulierungen herzlich lachen, Jürgen. Wie Du dasmit dem „Schnuten-Pulli“ hinbekommst ohne deine Lieblingsfrau jedes mal zu verlieren ist mir noch unklar. Ich habe ja schon mit meiner Brille jedes mal Huddel….


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