Gewerbsmäßiger Bandenbetrug bei Wirecard: So what?

Dass nun nach dem Ex-Vorstand Marsalek von Wirecard öffentlich gefahndet wird, wegen „gewerbsmäßigem Bandenbetrug, des besonders schweren Falls der Untreue sowie weiterer Vermögens- und Wirtschaftsdelikte“, wie es heißt, sorgt für Aufregung und Empörung. Aber wieso eigentlich? Ist gewerbsmäßiger Bandenbetrug nicht ein verbreitetes und bewährtes, ja sogar als rechtmäßig geduldetes Geschäftsmodell der freien Markwirtschaft – siehe manipulierte Abgaswerte bei VW und Daimler, Zockergeschäfte bei Banken, Flowtex-Skandal, CUM-Ex-Geschäfte und jetzt eben Wirecard?

Immer dann, wenn einzelne, besonders krasse Fälle von Wirtschaftskriminalität ans Tageslicht gelangen, schwappt die Welle der Empörung durch Medien, Politik und Gesellschaft. Bald aber beruhigen sich die Gemüter wieder und es gilt business as usual = Gewinnmaximierung um jeden Preis. Ok, das ist jetzt unsachlich, zu allgemein, einfach nur polemisch und in den Worten von Rezo ein „kackmove“. Oder?

Beim Schlachtbetrieb Tönnies läuft die Produktion wieder. Hat da irgendwas geschrien? War wohl nur ´ne Sau beim Abstechen. Noch´n Beispiel gefällig? Mit irreführender Werbung a la „Ausgabeinformation für alle Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland“ dreht die Fa. MDM Deutsche Münze gutgläubigen Menschen Gold zu überhöhten Preisen an (nachzulesen in DIE ZEIT vom 13. August 2020, S. 26). Das kann man getrost nennen, was es ist: gewerbsmäßiger Bandenbetrug. Die Staatsanwaltschaft sieht darin allerdings kein strafrechtlich relevantes Verhalten, nur weil „im Rahmen des Marketings alle stilistischen Mittel ausgeschöpft werden, um auf die Goldbarren aufmerksam zu machen“.