Bauknecht weiß, was Frauen wünschen. Über Werbesprech
Veröffentlicht: 1. Februar 2022 Abgelegt unter: Allgemein, Boulevard, Gesellschaft, Wirtschaft Ein KommentarWerbung für Produkte aus der Welt des Warenkonsums galt im real vegetierenden Sozialismus als pfui. Trotzdem gab es auch im Arbeiter- und Bauernstaat Werbung. Sie war nur anders, nicht so lustig und gerne mit politischer Agitation und Propaganda verknüpft. Wer das genauer wissen will, dem sei die Lektüre von „Sabine Randhage: Werbung im Sozialismus. Eine vergleichende Analyse ostdeutscher Werbesprache“ empfohlen (Hallo Frau Randhage: Für diese Werbung bitte ich um ein Honorar von 500 Euro auf mein Konto!). Wir, die wir in der kapitalistischen Konsumgesellschaft leben, können der Werbeflut nicht entkommen. Vielleicht sollte man nicht zu viel über die Werbesprüche nachdenken. Es gibt geniale, dümmliche, sinnfreie, sexistische und zweideutige Werbeslogans. Manche lassen einen ratlos zurück, andere bieten sich für eine ironische oder obszöne Umdeutung an.
Schauen wir uns ein paar Beispiele an. „Gilette – Für das beste im Mann“ – müsste das nicht heißen „am Mann“? Seit wann rasiert sich der Mann innen? Andererseits: „Für das beste am Mann“ könnte Anlass für nicht ganz jugendfreie Interpretationen bieten. Douglas, die Drogeriekette für chemische Kampfstoffe, warb mit dem Slogan „Come in and find out“ – was von nicht ganz sprachsicheren Kundinnen verstanden wurde als „Komm rein und find wieder raus“. Der klebrige Schokoriegel Mars ist Schuld daran, dass immer noch kein Endlager für abgebrannte Atombrennstäbe gefunden werden konnte und dass die Idee, das ganze Zeug auf dem Mars zu deponieren, verworfen werden musste, denn „Mars bringt verbrauchte Energie sofort zurück“.
An Dämlichkeit kaum zu übertreffen sind Werbesprüche für Autos. Audi: „Driven by instinct“ – also triebgesteuert, oder wie? Daimler-Chrysler, die jetzt wieder Mercedes heißen: „Answers for questions to come“ – das ist so richtig wie nichtssagend. Renault: „Créateur d´automobiles“ – der Autobauer wirbt damit, dass er Autos baut. „Erst Haha, dann Aha“ – vom Autobauer Opel wohl der Versuch, das Spießerimage zu entkräften („Jeder Popel fährt ´nen Opel“).
Leid tun kann einem dagegen die Zigarettenindustrie, die gegen die weitgehende Verbannung der Raucher und Raucherinnen auf Balkone, zugige Bahnsteige (nur in den gekennzeichneten Flächen!) oder in die Außengastronomie anstinken muss: „Come to where the flavor is“. Der Marlboro-Cowboy wurde im zarten Alter von 51 Jahren beim Zigarettenholen vom Pferd geschossen. Oder hatte er etwa zu viel vom „Duft der großen weiten Welt“ (Peter Stuyvesant) eingeatmet? Tatsächlich starb er an Lungenkrebs. Jedenfalls musste er nicht mehr „meilenweit für eine Camel-Filter“ gehen. Nicht durchgesetzt hat sich der Slogan: „Wer Reval raucht, der frisst auch kleine Kinder“ (Autor unbekannt).
„Hoffentlich ist es Beton“ – als der BNS (Betonverbund NordSchwarzwald GmbH) diesen Werbespruch in die Welt setzte, hat er wohl nicht damit gerechnet, dass dies der letzte Wunsch Lebensmüder vor dem Sprung aus dem achten Stock werden würde.
Jetzt haben wir noch gar nicht über das unerschöpfliche Feld der Lebensmittel-, Alkohol-, Kosmetika- und Süßwarenwerbung („Mann, sind die dick, Mann“) gesprochen. Vielleicht beim nächsten Mal. Heute wollen wir es dabei belassen und mit einem Lob enden, nämlich mit dem Hinweis auf die grundsolide, biedere, patriotische und ganz und gar nicht affige Werbung des Unterwäschefabrikanten Wolfgang Grupp aus Burladingen: „Nur beste deutsche Qualität“. Das reicht doch.
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Andererseits: kann man die Slogan-Erfinder für ihre Kreativität nicht auch bewundern (das ist vielleicht ein bißchen viel?)? Die Slogans der Berliner Stadtreinigung („We kehr for you“) sind ziemlich lustig. Zugegeben, es handelt sich nicht um Waren für die geworben wird.