Germania, mir graut vor dir

Auf diesen Blogbeitrag wird, das ist die gute Nachricht, kein Zoll erhoben. Schließlich sind die Gedanken frei. Fragt man mich, warum mir vor Deutschland graut, dann frag ich keck zurück: Und ihr, was ist mit euch? Graut euch etwa nicht? Weiter steigende Zustimmungsraten für die AfD? Dem Land dräut ein Bundeskanzler Friedrich Merz? Aufnahmestop für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge? Abschaffung des Entwicklungsministeriums? Milliardenausgaben für die Rüstung? Rückkehr zur Atomkraft?

1871 schrieb der Dichter und Revolutionär Georg Herwegh angesichts des Deutsch-französischen Krieges sein „Germania, mir graut vor dir“, darin u.a. diese Strophe:

„Daß du, in argen Wahn versunken
Mit falscher Größe suchst zu prunken
Und daß du, gottesgnadentrunken
Das Menschenrecht vergessen hast“.

Nun warten wir dieser Tage untertänigst auf die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU, CSU und SPD, ahnend, dass kaum wirklich Gutes und Hoffnungsvolles für die Zukunft unseres Landes dabei rauskommt. Es wird ein kleinster gemeinsamer Nenner sein, ein Zweckbündnis, um Schlimmeres zu verhindern, aber kein Aufbruch in eine bessere Zukunft.

Morgen, so heißt es, wird es Ergebnisse geben. Würde mich sehr wundern, wenn wir dann sagen könnten: „Germania, wir sind stolz auf dich“.


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One Comment on “Germania, mir graut vor dir”

  1. Avatar von Walter B. Walter B. sagt:

    Was du beschreibst, lieber Jürgen, trifft in groben Zügen auch auf die Schweiz zu. Mir graut vor dir, Helvetia.

    Die SVP – so etwas wie die Blaupause der AfD – liegt bei 30 Prozent WählerInnenanteil und hat ihre Bundesräte in der Landesregierung, die tatkräftig ihre rechte Agenda durchzuboxen versuchen, teils an demokratischen Prozessen vorbei. Nicht alle in der SVP sind so grüselig wie die AfD. Aber ein guter Teil eben schon.

    Den Schutzsuchenden geht es in CH kaum besser als in D. Seit Jahrzehnten werden ihre Rechte beschnitten. Auch AKWs sind wieder ein Thema – und ein rigoroser Sparkurs bei hochgeschraubten Rüstungsausgaben, ohne dass man vernünftige Pläne hat, wie man die zusätzlichen Milliarden fürs Militär ausgeben will.

    Hinzu kommt die Anbiederung der Regierung an die Trump-Administration. Die Gegenwart ist kaum auszuhalten – und das wegen ein paar Testosterton-besoffenen Männern …

    Bloss Koalitionsverhandlung haben wir in der CH keine. Immmerhin! ;-))

    Und doch: Hoffnung und Mut nicht verlieren und sich für das Gegenteil dessen engagieren, was gerade im Trend ist! There is no alternative.


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