Veteranentag: Wer denkt sich denn sowas aus?
Veröffentlicht: 16. Juni 2025 Abgelegt unter: Bundeswehr, Gesellschaft, Innenpolitik Hinterlasse einen Kommentar
Nun hat Deutschland also einen Nationalen Veteranentag. Der soll jedes Jahr am 15. Juni gefeiert werden. Mit Gulaschkanone, Hüpfburg, Dosenwerfen, feierlichen Reden und Verleihung von Veteranenabzeichen. Damit sollen aktive und ehemalige Soldatinnen und Soldaten für ihren Dienst gewürdigt werden. Zweifellos verdienen die Soldatinnen und Soldaten, die in riskanten Auslandseinsätzen ihren Kopf hinhalten müssen für manche haarsträubende politische Fehlentscheidung – siehe Afghanistan – mehr Anerkennung. Ob es dafür einen Veteranentag braucht?
Auf diesem Blog haben wir desöfteren über die Truppe gelästert: Der Korpsgeist, das Brimborium mit Zapfenstreich und „Ich hatt´ einen Kameraden“, das Getue um „Stillgestanden“, „Wegtreten“ und die euphemistische Bundeswehrwerbung als „Spielplatz für Abenteuerlustige, als Erlebnis in der Natur und als Ort für Technikbegeisterte“ (Taz), das unsägliche Video zum Bundeswehrsong „Ein Teil vom Wir“ (Textauszug: „Wo man hofft, dass ich nicht falle, da lasse ich mich fallen, weil Liebe stärker als die stärkste Waffe ist“):
Warum die Bundeswehr mit so einem Seich glaubt, ihr Image aufpolieren zu müssen, warum für die im Ausland eingesetzten Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan zum Beispiel eine Tagesration von zwei Büchsen Bier aus Deutschland eingeflogen werden musste, warum man ihnen vorgegaukelt hat, sie würden in Afghanistan gebraucht, um Brunnen zu bohren und Schulen zu bauen, warum man den Ortskräften nun den Schutz durch Aufnahme in Deutschland verweigert – diese Fragen werden am Veteranentag leider nicht diskutiert.
Statt eines Veteranentags hätte es dem Land besser angestanden, nicht nur den Bundeswehrangehörigen für ihren Dienst zu danken, sondern auch den vielen tausend humanitären Helfern, die ohne zusätzliche finanzielle Anreize ihren Dienst unter ähnlich schwierigen Bedingungen geleistet haben, sich ebenfalls in Gefahrensituationen begeben haben und in Ausübung ihres Dienstes getötet wurden. Ein Tag also für alle, die einen Dienst für ihr Land geleistet haben und dabei verletzt, verwundet oder getötet worden, und für alle, die wohlbehalten zurückgekehrt sind. Das wäre stimmig gewesen.
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