Brauchen die deutschen Autobauer Staatsknete?

Mit freundlicher Unterstützung von Bobby Car©, wirkaufendeinauto.de & Verband der deutschen Autoschieber

Die Autobauer fordern Kaufprämien für Neufahrzeuge, um die Nachfrage, die in der Coronakrise abgestürzt ist, anzukurbeln. NRW-Ministerpräsident Laschet (CDU) unterstützt diese Forderung und erklärt im Handelsblatt, dass die Autobranche mehr staatliche Unterstützung braucht. Hildegard Müller, die Präsidentin des Autoverbandes VDA, wird es gerne gehört haben. Vielleicht stammt der Sprechzettel für Laschet ja aus ihrem Büro?

Kann es wirklich sein, dass milliardenschwere Dax-Unternehmen wie Daimler, VW, BMW oder Porsche nicht einmal vier oder sechs Wochen Produktionsstillstand und Umsatzeinbußen verkraften können, ohne reflexartig staatliche Hilfen einzufordern? Kann man glauben, dass sie für solche Krisenzeiten keine Rücklagen gebildet haben (wie es jede/r kleine Selbstständige in der Regel tut)?

Nur mal zur Erinnerung: 2018 hat Porsche 3,1 Mrd. Euro Gewinn gemacht, 2019 konnten die Zahlen noch gesteigert werden. Auch die Daimler AG war in den letzten 15 Jahren nicht unbedingt notleidend (siehe Tabelle).

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Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/77968

Der Bund hat 156 Mrd. Euro für Rettungsschirme beschlossen, die Bundesländer nochmal weitere umfangreiche Sondermittel (z.B. Bayern 40 Mrd.). Mit dem Geld sollen große, mittelständische und kleine Unternehmen und Betriebe vor den wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise geschützt werden. Auch Soloselbstständige können Hilfen beantragen.

Keine Frage, viele Unternehmen, Betriebe und Selbstständige brauchen diese Hilfen, um die nächsten Wochen und Monate über die Runden zu kommen.

Zusätzlich zu diesen Sondermitteln kommt das Kurzarbeitergeld, eine staatliche Förderung, die aus der Rücklage der Bundesanstalt für Arbeit finanziert wird. Wie viel das am Ende sein wird, weiß man derzeit noch nicht. 725.000 Unternehmen haben aktuell Kurzarbeitergeld beantragt (Stand 22.04.2020). Auch die Autobauer und ihre Zulieferer profitieren von dieser Form der staatlichen Unterstützung. Das Geld bekommen zwar die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, aber es entlastet die Unternehmen, weil sie Lohnzahlungen sparen.

Nun fordert die Autobranche vom Bund Prämien für den Kauf von Neufahrzeugen (Abwrackprämie hieß das vor ein paar Jahren). Damit die Deutschen wieder ordentlich Autos kaufen, gerne große, fette PS-starke SUVs, und die noch brauchbaren PKWs auf die Müllkippe schmeißen. Und das alles, nachdem die Autokäufer von den Herstellern in den vergangenen Jahren skrupellos betrogen wurden. Ja, geht´s noch unverschämter? Was hätte wohl der Alte Sozi alias Georg Schramm dazu gesagt?

Wer rettet eigentlich die Menschen, die kein Unternehmen, kein sicheres Einkommen, keine feste Wohnung, haben? Menschen also, die unter prekären sozialen Verhältnissen leben und die ganz besonders unter Kontaktverboten und Ausgangsbeschränkungen leiden? Was ist mit den Kulturschaffenden, den Theatern, Kinos, Konzertsälen, die nicht nur die letzten sechs Wochen, sondern wohl noch Monate zur Untätigkeit verurteilt sind? Wer hilft den armen Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika, mit der Coronakrise fertig zu werden?

Die Welt geht nicht unter, wenn mal eine Zeit lang weniger Autos gebaut werden. Das Klima freut sich sogar. Die Straßen sind leerer, die Luft wird besser, es sterben weniger Menschen durch Unfälle. Natürlich brauchen die Beschäftigten in der Autoindustrie ihre Arbeit und ein gesichertes Einkommen. Niemand hindert die Autobauer daran, zukunftsfähige, umweltfreundliche, innovative Fortbewegungsmittel zu bauen und auf den Markt zu bringen:

Das geht auch ohne staatliche Subventionen.   


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One Comment on “Brauchen die deutschen Autobauer Staatsknete?”

  1. Avatar von Thomas Becker Thomas Becker sagt:

    Ich bin voll Deiner Meinung Jürgen, dass die Autobauer das stemmen können. Sie haben Rückstellungen für Unvorhergesehenes, das zeigt ja ihr Umgang mit dem Dieselskandal. Die Straf-Milliarden wurden scheinbar aus der Portokasse bezahlt. Wenn eine Unterstützung, dann nur, wenn damit umweltfreundlichere Autos oder neue Antriebe gepusht werden.


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