Kriegstüchtig werden! Mein persönlicher Beitrag zu einer patriotischen Pflicht

Der Verteidigungsminister Boris Pistorius hat es ausgesprochen: „Wir müssen kriegstüchtig werden. Wir müssen wehrtauglich sein“. Und Roderich Kiesewetter, CDU-Verteidigungsexperte, hat erklärt: „Wir müssen Krieg können“. Den Einwand, dass wir Krieg können, hätten wir bei zwei Weltkriegen bewiesen, lassen wir hier mal nicht gelten. Jetzt ist es unser aller patriotische Pflicht, dem Aufruf von Boris und Roderich (wer hat dem armen Kind bloß diesen Namen gegeben?) zu folgen und unseren Beitrag dazu zu leisten, dass unser Land wieder Krieg kann. Und das gilt zuförderst für uns Männer, wie Björn Höcke von der AfD in großer Weisheit schon vor fast zehn Jahren bei einer Kundgebung in Erfurt sagte: „Wir müssen unsere Männlichkeit wieder entdecken. Denn nur wenn wir unsere Männlichkeit wiederentdecken, werden wir mannhaft. Und nur wenn wir mannhaft werden, werden wir wehrhaft, und wir müssen wehrhaft werden, liebe Freunde!“

1972 in Bolivien (links Pferd, rechts der Autor)

Auf der Suche nach der Männlichkeit

Der Empfehlung von Höcke folgend habe ich mich unverzüglich auf die Suche nach meiner Männlichkeit begeben, bisher allerdings noch ohne überzeugendes Ergebnis. Das heißt, nicht ganz: In meiner vorpubertären Entwicklung gab es eine auf die Faschingszeit begrenzte „Ich bin Winnetou-Phase“. Später, bei der Ableistung meines Zivildienstes in Bolivien, war mir eine maskulin-erotische Ausstrahlung a lá John Wayne nicht abzusprechen (siehe Photo auf der rechten Seite)

Zivildienst war gestern. Wehrpflicht heißt das Gebot der Stunde

Apropos Zivildienst: Dieser war Folge meiner Kriegsdienstverweigerung Ende der 1960er Jahre. Eine Jugendsünde, für die ich mich heute schämen muss und für die ich Boris Pistorius um Verzeihung bitte. Auch meine unbedachte Beteiligung an Antikriegsdemonstrationen wie 1981 im Bonner Hofgarten gegen den NATO-Doppelbeschluss oder 1983 an der Menschenkette Stuttgart-Ulm kann ich im Lichte der heutigen militärischen Bedrohung des NATO-Bündnisgebietes nur als naive pazifistische Verirrung geißeln. Ich harre nun sehnsüchtig der Wiedereinführung der Wehrpflicht und hoffe sehr, dass die Altersgrenze nach oben auf 80 Jahre angesetzt wird, damit ich mein Drückbergertum von vor fast 60 Jahren wiedergutmachen kann.

Und nicht immer von Hitler anfangen …

Bis auf weiteres muss ich meinen persönlichen Beitrag zur Kriegstüchtigkeit unseres Land auf banalere Dinge konzentrieren. Wehrkraftzersetzende Äußerungen („die Bundeswehr ist dazu da, den Feind solange aufzuhalten, bis richtige Soldaten kommen“) werde ich künftig unterlassen. Meine „Nie wieder Krieg-CD“ von Tocotronic habe ich in die „Zu verschenken-Kiste“ vor der Haustür getan. Verdächtiges Liedgut, das mich in die Nähe von Kriegsgegnern rücken könnte, habe ich klammheimlich im Reißwolf entsorgt (u.a. „Es ist an der Zeit“ von Hannes Wader, „Ein bisschen Frieden“ von Nicole, „Blowin´ in the Wind“ von Bob Dylan …). Die Säuberung meines Bücherschranks von pazifistisch verseuchter Literatur ist weitgehend abgeschlossen; zwei ganze Umzugskartons habe ich demonstrativ öffentlich verbrannt und währenddessen „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ aus „Kameraden singt“ (Liederbuch der Bundeswehr) gesungen (Wie? Haben die Nazis gerne gegrölt?).

Auch der Hund muss ran

Mit dem Hund habe ich ein spezielles Kriegstüchtigkeitstraining begonnen. Und das geht so: Ich zeige ihm diese Putin-Puppe:

Reagiert er mit Schwanzwedeln, erfolgt über ein spezielles Halsband ein Stromstoß. Die richtige Reaktion, nämlich knurren und bellen, hat er inzwischen voll drauf. Dafür darf er als Belohnung die Puppe als Spielzeug malträtieren. 

Wir basteln uns einen Schutzraum

Das alles reicht natürlich nicht. Experten der Bundesregierung haben kürzlich für den Fall, dass Ziele in Deutschland militärisch angegriffen würden, ein „bundesweites Schutzraum-Konzept“ empfohlen. Der alte Freiburger Schutzbunker im Schlossberg, der in den 1960er Jahren für ca. 10 Millionen DM ausgebaut wurde und der im Ernstfall für 5000 Menschen ausgelegt war, ist wegen Schimmelbefall derzeit nicht nutzbar. Ich erwäge nun, eine Crowdfunding-Aktion zur Nutzbarmachung dieses Bunkers ins Leben zu rufen. Die Idee dahinter ist, dass, je nach Höhe des Sponsorings,  entsprechend gestaffelte Zugangsvoraussetzungen zum Schutzbunker gewährt werden. Spender/innen ab 5.000 Euro und mehr würden einen garantierten Sitzplatz erwerben. Ab 25.000 Euro gäbe es Anspruch auf ein reserviertes Bett mit angeschlossener Nasszelle. Für Mitglieder des Stadtrats, des Domkapitels und aktive Spieler des SC Freiburg wäre ein VIP-Bereich eingerichtet mit persönlicher Betreuung am Platz. Das Konzept ist noch nicht ganz ausgereift; Wohnungslose und Bürgergeldempfänger müssten jedenfalls draußen bleiben.

Das Schutzraum-Konzept der Bundesregierung beinhaltet auch die Aufforderung an die Zivilbevölkerung, im eigenen Keller oder unter der Erdoberfläche einen Hausschutzraum herzurichten. Ich habe bereits mit dem Graben im Garten begonnen.

Herr Pistorius: Kriegstüchtig werden – ich bin dabei! Für weitere Anregungen bin ich dankbar.


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