Schenkstress vor Weihnachten? Geschenkideen für Kurzentschlossene

Wer kennt das nicht: Kurz vor Weihnachten kommt Hektik auf, weil noch Geschenke fehlen. Für die Patentante, die Klavierlehrerin, den netten Postboten. Dabei wurde man doch schon im September, als das erste Weihnachtsgebäck im Supermarktregal auftauchte, an das unmittelbar bevorstehende Fest erinnert.

Jetzt bleiben nur noch wenige Tage. Panikkäufe auf den letzten Drücker sind nicht zu empfehlen. Wer sich in der Not aus dem Non-food-Angebot von Tchibo oder ALDI bedient, entlarvt sich als phantasieloser „Irgendwas wird schon passen-Schenker“. Warum nicht mal etwas wirklich Originelles schenken? Zum Beispiel eine ausrangierte Straßenbahn? Die bietet die Stadt Freiburg sogar gratis an.

Nur um den Abtransport muss man sich selber kümmern. Das kann allerdings ins Geld gehen. Außerdem empfiehlt es sich, den Beschenkten vorher zu fragen, ob noch Platz im Wohnzimmer ist. Sonst doch lieber ein elektronisches Rollpiano von Tchibo. Oder doch eine Katzenhöhle mit Kissen? Und wenn der/die zu Beschenkende keine Katze hat, hier noch der ultimative Tipp für Military-Fetischisten: Bei eBay-Kleinanzeigen sind 18 Schützenpanzer Puma im Angebot, die von der Bundeswehr als untauglich eingestuft wurden. Vielleicht ein attraktives Angebot für Reichsbürger? War nur so ´ne Idee.


Fernsehen an Weihnachten: Für Flachbildschirme wie gemacht

„Den Fernseher, den ich eingetreten hab …“ singt Udo Lindenberg in seinem Song „Ich lieb dich überhaupt nicht mehr“. Gleiches würden wir heute auch gerne tun angesichts des weihnachtlichen Fernsehprogramms. Leider macht das Eintreten des unschuldigen Gerätes – Flachbildschirm! – nicht so viel Spaß wie bei den alten Röhrenkisten. Womit wir mal wieder bei früher wären und alles besser und so. Früher gab es nur Erstes und Zweites. Und am Nachmittag des Heiligabends „Wir warten aufs Christkind“ und abends „Sissi“. Zum Sendeschluss, das wissen noch die Älteren unter uns, um 24 Uhr zum Standbild die Nationalhymne.  

Vielleicht muss das Fernsehprogramm deshalb so flach sein, damit es auf den Flachbildschirm passt? (Mit diesem Kalauer bewerben wir uns nicht für den Grimme-Preis). Heuer gibt es die volle Weihnachtsdröhnung auf allen Kanälen. Die süß-klebrige Zuckergusssoße, mit der uns das öffentlich-rechtliche ebenso wie das kommerzielle Privatfernsehen über die Festtage betäubt, dehnt die mediale Verblödung, die wir sonst vom Samstagabendprogramm kennen, auf volle drei Tage aus.

Wie wär´s mal mit einem Alternativprogramm an den Festtagen? Statt „Das Traumschiff“ mit Florian Silbereisen, dem Dauergrinser und Ex von Helene Fischer, könnte man „Seawatch 3 – Die Seenotretter“ bringen. Für die nötige Spannung sorgen Liveaufnahmen von 16 Flüchtlinge, die am Heiligabend vor der griechischen Küste ertrinken. Apropos Helene Fischer: Unser Vorschlag an ARD und ZDF, ein Gratiskonzert für die Flüchtlinge im Niemandsland zwischen Belarus und Polen anzubieten mit dem Fischer-Hit „Atemlos durch die Nacht“, soll angeblich daran gescheitert sein, dass sie in der RTL-Sendung „Bild – Ein Herz für Kinder“ auftreten musste.

Der Weihnachtsklassiker „Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin“ könnte endlich mal abgelöst werden durch „Lukaschenko – Der Schlächter von Belarus“. Und statt „Die Zehn Gebote“ mit Charlton Heston böte sich an „Mit 99 Verordnungen durch die Krise“ mit Jens Spahn und Karl Lauterbach in den Hauptrollen.     

Als Ersatz für „Royale Ehefrauen – Von der Bürde, ein Windsor zu sein“ könnte ich mir gut vorstellen: „König Salman – Wie zerstückelt man einen Journalisten“ oder „Kremlchef Wladi: Leichen pflastern seinen Weg“.  Traditionell zum Weihnachtsprogramm gehören Carmen Nebel und Andy Borg mit einem strunzlangweiligen Programm, abgespielt vor einer Schar sedierter Senioren, die mit an Riesenpenise erinnernde Luftballons den Takt klatschen zu seichten Schlagern, geträllert von mäßig talentierten Schlagersternchen, die das Jahr über bei Möbelmarkteröffnungen singen dürfen. Warum nicht stattdessen mal die Arie „Im Bombenhagel von Aleppo“ aus der Oper „Syrien brennt“ aufführen? Oder den Chor der vertriebenen Rohingya mit dem Freddy-Quinn-Lied „Heimatlos sind viele auf der Welt“? Alternativen gäbe es also zuhauf. Doch die Programmmacher scheuen offenbar davor zurück, an Weihnachten den Deutschen ihre ohnehin miese Laune mit Geschichten aus dem richtigen Leben zu verderben. Ob die erhöhte Suizidrate über die Weihnachtstage möglicherweise auf das Fernsehprogramm zurückzuführen ist? Man will es nicht wirklich wissen.


Ja ist denn schon wieder Weihnachten?

Dass wir Weihnachten nicht vergessen, selbst in diesen schweren Zeiten, verdanken wir dem Lebensmitteleinzelhandel. Der nämlich erinnert uns schon ab Mitte September an das herannahende Fest durch die dezente Auslage von Lebkuchenherzen, Dominosteinen und Original Dresdner Christstollen. Jetzt, zwei Monate später und immer noch fast sechs Wochen vor dem eigentlichen Event (was war da noch mal genau?), wird der direkte Weg zum Gemüseregal versperrt und der Einkauf zum Hindernisparcours und Slalomlauf zwischen hochaufgetürmten Regalen mit Schokoladennikoläusen, garagentorgroßen Adventskalendern und allerlei unnützem Glitzerklimbim, Weihnachtsbier (für richtige Männer), Weihnachtskondome (gut behütet in der kalten Weihnachtsnacht), Weihnachtsklopapier.

A propos Klopapier: Unbedingt Vorrat anlegen!!! Nicht nur für den weihnachtlichen Stuhlgang.  

Der aufmerksame Leser und die ebensolche Leserin erwartet, dass an dieser Stelle eine Hasstirade auf das ganze Weihnachtstrallala dräut. Nein, das entspräche nicht dem Niveau dieses Blogs. Zudem gibt es dafür kompetentere Menschen. Der Pfarrer wird seine Mahnungen zum Konsumverzicht wie jedes Jahr im Advent vergeblich von der Kanzel rufen. Die Umweltschützer legen uns den Verzicht auf den Weihnachtsbaum nahe. Greta Thunbergs „how dare you“ klingelt uns noch im Ohr. Der Papst, die Grünen und Campino werden uns vor ungezügeltem Konsumrausch warnen. Nur der Handel bleibt sich treu und rät, das Weihnachtshopping frühzeitig in Angriff zu nehmen, um das große Fressen auf Saufen zum Fest nicht zu gefährden.

Kommen wir auf den Punkt: Im Grunde wissen wir nicht erst seit Corona, dass das ganze Drumherumdüdeldüdel um Weihnachten unnötig ist. Es nervt. Einfach mal weglassen den ganzen Mist. Am Heiligabend nach dem Weihnachtsgottesdienst eine Kerze anzünden und die Oma anrufen. Gut, ein Glas Wein und ein Kartoffelsalat mit Wienerle darf´s schon auch sein. Das würde doch reichen. Claudia Roth wäre da sicher ganz bei uns – allerdings ohne Wienerle.

Und wo wir schon mal beim Abschaffen und Verzichten sind: Hier noch ein paar weitere Vorschläge, auf was die Menschheit verzichten könnte: LED-Lichterketten, die FIFA, Porsche SUVs, beheizte Toilettensitze, Formel I, als „Glühwein“ getarnte Plörre auf Weihnachtsmärken, Weihnachtsmärkte sowieso, Hydro Power Hyaluron Gel, Halloween, Atombomben, Kinderschokolade …Weitere Vorschläge sind willkommen.