Königreich Deutschland? Warum wir die Monarchie brauchen
Veröffentlicht: 6. Juni 2022 Abgelegt unter: Allgemein, Boulevard, Gesellschaft, Innenpolitik | Tags: Eckart von Hirschhausen, Monarchie, Queen Elizabeth II 4 KommentareDeutschland – ein Königreich? Ja warum denn nicht. Was die Briten, die Spanier, die Luxemburger, die Dänen, die Belgier, die Niederländer, die Schweden, die Liechtensteiner können – warum nicht auch wir? Mit einem gewissen Neid schauen wir in diesen Tagen auf die britische Monarchie. 70 Jahre ist Queen Elizabeth II. im Amt, und das Volk jubelt ihr zu. Sie hat zwar nichts zu sagen bzw. muss das, was ihr der britische Struwwelpremier auf den Zettel geschrieben hat, korrekt ablesen. Ihre Nachkommenschaft macht nicht nur bella figura. Sie und ihr Hofstaat kosten den britischen Steuerzahler einen Haufen Geld, so what? Zum siebzigsten Thronjubiläum fährt die goldene Kutsche mit ihrem Hologramm durch London, begleitet von lustig verkleideten Reitern, und das Volk ist außer Rand und Band. Der designierte Thronfolger, Prinz Charles, ist selbst schon im fortgeschrittenen Alter. Wie sich das anfühlt, weiß ich, denn wir sind der gleiche Geburtsjahrgang, mit dem Unterschied, dass ich wohl nicht mehr König von Deutschland werde. Und wenn Charles den Sprung nach oben auf der royalen Karriereleiter noch schafft, dann vielleicht auch nur mithilfe eines Throntreppenlifts.
Leider haben wir in Deutschland 1918 den letzten deutschen Kaiser, Wilhelm II., aus dem Amt getrieben. Seitdem findet das Leben des deutschen Hochadels nur noch im Goldenen Blatt und bei gelegentlichen Traumhochzeiten statt. 2011 ergab eine Umfrage, dass immerhin neun Prozent der Deutschen sich einen König oder eine Königin wünschen. Mich hat keiner gefragt, aber ich bekenne: Ein König, noch besser eine Königin, das würde unserem Ansehen in der Welt nützen und den politikverdrossenen Bürgerinnen und Bürgern den Stecker ziehen.
Aber wer soll den Job machen? Es kämen ja nur Menschen mit adeligem Hintergrund in Frage. Damit scheiden Günter Jauch, Jogi Löw, Helene Fischer, Dieter Bohlen, Alice Schwarzer oder Robert Habeck aus. Leute mit blauem Blut hätten wir ja durchaus, wie etwa Otto Graf Lambsdorff, Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis, August Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Aber kann man sich die auf dem deutschen Königsthron vorstellen?
Topfavorit (nicht zu verwechseln mit Topflappen) für den Posten wäre zweifellos Eckart von Hirschhausen. Der Mann ist beliebt, klug, charmant, sozial engagiert, nie schlecht gelaunt, und ein bisschen adelig ist er auch. Er weiß praktisch über alles schwer Bescheid, ist in allen deutschen Fernsehsendungen präsent, hat eigene Shows, produziert Bücher am laufenden Band. Damit nicht genug: Er wurde 2021 als die fahrradfreundlichste Persönlichkeit ausgezeichnet. Wow! Mehr Königsformat geht nicht. Sein einziger Fehler scheint eine Aufmerksamkeitsstörung zu sein, und dass er keine Frau ist. Gegen den Mann kann man wirklich nichts haben.
Warum also nicht mit ihm, jetzt, wo sowieso alle von der Zeitenwende reden, in ein neues Zeitalter der deutschen parlamentarischen Monarchie einsteigen? Mit Seiner Durchlaucht König Eckart dem Ersten an der Spitze? Dem drögen politischen Alltag in Berlin neuen royalen Glanz verleihen? Die Menschen brauchen jemand, dem sie zujubeln können. Bei Olaf Scholz fällt das irgendwie schwer.
Und die Kosten? Ein König braucht ein Schloss, einen Thron, eine Krone, teure Kleider, Personal, viel Geschirr für die Gäste, eine Kutsche als Dienstfahrzeug, einen Balkon zum Winken und noch allerlei Brimborium. Das kostet einen Haufen Geld. Wenn man aber gleichzeitig das Amt des Bundespräsidenten abschafft und die Privilegien für die Ex-Staats- und Regierungschefs streicht – für Wulff, Köhler, Gauck, Schröder und Merkel kommen da schon einige Milliönchen zusammen – dann könnte auch der Bund der Steuerzahler nicht mehr gegen die Wiedereinführung der Monarchie in Deutschland sein.
Ich würde mich freuen, wenn meine Petition bei Change.org zur „Wiedereinführung der Monarchie in Deutschland“ viele Unterstützer*innen findet. Hier der Link: https://chng.it/7NbWzMxZHh
2021: Alles wird gut?
Veröffentlicht: 28. Dezember 2020 Abgelegt unter: Allgemein, Corona, Gesellschaft | Tags: Andreas Scheuer, Björn Höcke, Corona, Donald Trump, Eckart von Hirschhausen, Helene Fischer Hinterlasse einen Kommentar
„Alles wird gut“ – eine gewagte, eine naive, eine utopische Prognose? Natürlich wird nicht alles gut. Man stelle sich nur vor, wenn es doch so käme: Meine Gliederschmerzen – wie weg. Der Bürgerkrieg in Syrien – alle Kriegsparteien legen die Waffen nieder und schließen Frieden. Nie mehr Kindesmissbrauch hier und anderswo. Die Erderwärmung kommt zum Stillstand. Auch die armen Länder bekommen genügend Impfstoff. Helene Fischer bekommt öffentliches Singverbot. Die Todesstrafe wird weltweit abgeschafft. Die Deutsche Bank macht keine kriminellen Geldwäschegeschäfte mehr. Ferkel werden nur noch mit Betäubung kastriert oder am besten gar nicht mehr. Israel und Palästina schließen Frieden und einigen sich auf eine Zwei-Staaten-Lösung. Die LSBTTIQ-Community bekommt ein eigenes Ministerium. US-Polizisten erschießen keine Schwarzen mehr. Der Hund kotzt nicht mehr auf den Teppich. AFD und Bündnis 90/Die Grünen fusionieren zur neuen FUP (Friedens- und Umweltpartei). Eckart von Hirschhausen wird Bundeskanzler. COVID-19 mutiert zu einem harmlosen Grippevirus. Meine Enkeltochter bekommt den heißbegehrten Studienplatz in Wien, ich selbst den Friedensnobelpreis, optional auch den alternativen Friedensnobelpreis. Donald Trump kommt zu Verstand.
Diese Aufzählung ist nur eine persönliche, unvollständige Auswahl. Sie darf von den Leser*innen dieses Blogs gerne im Herzen oder per Kommentar ergänzt werden. Wünschen kann man sich alles. Auch, dass alles gut wird. Aber: Wie bitte soll das gehen? Wer soll am großen Rad drehen und alles gut werden lassen? Wie wär´s mit etwas mehr Realismus und Bescheidenheit und einem „Manches wird gut“? Schließlich könnte es ja auch noch schlimmer kommen – „Alles wird schlechter“. Zum Beispiel: Der Friedensnobelpreis 2021 geht an Donald Trump. Der Hund wird inkontinent. Die AFD gewinnt die Bundestagswahlen, Björn Höcke wird Bundeskanzler. Es wird eine allgemeine Aluhelmpflicht eingeführt. Meine Gliederschmerzen werden schlimmer. Die deutsche Fußballnationalmannschaft verliert gegen die Färöer-Inseln 10:0. Helene Fischer moderiert die Tagesthemen. Klopapier wird rationiert. Daimler, VW, BMW und Porsche fusionieren zu einem Megakonzern unter der Führung von Andreas Scheuer. Es werden noch mehr Porsche Cayenne verkauft. Strom, Benzin, Fleisch und Flugreisen werden teurer. Aber egal. Wir essen mehr Fleisch, fliegen wieder in den Urlaub auf die Malediven und die Aktienkurse steigen. COVID-19 wird vom Menschen auf Microsoft übertragen. Alles wird schlechter.
Also jetzt mal im Ernst: Nicht alles wird plötzlich gut werden. Ob manches gut wird, oder zumindest ein bisschen besser, das liegt nicht nur, aber auch in unserer Hand. Jede/r von uns kann dazu beitragen, dass manches etwas besser wird. Daher schließt dieser Blogbeitrag mit einem optimistischen Blick in das vor uns liegende Jahr. Alles wird gut – dahinter verbirgt sich wohl vor allem der Wunsch, die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Gefährdungen und Einschränkungen unseres Lebens mögen bald vorbei sein. Darauf darf man hoffen, auch wenn es keine Gewissheit gibt. Dann wäre alles andere, was in dieser Welt nicht gut ist, aber weiterhin nicht gut. „Nichts ist gut in Afghanistan“ – mit dieser Feststellung hatte Margot Käsmann in ihrer Neujahrspredigt 2010 einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. „Nichts ist gut“ und „Alles wird gut“ sind in ihrer Absolutheit Zuspitzungen, die weder die Gegenwart noch die Zukunft zutreffend beschreiben.
Dennoch: Eine utopische Haltung im Sinne von „Alles wird gut“ kann ja nicht schaden. Dafür hat auch Adorno plädiert: „Empfindsam bleiben ist eine gleichsam utopische Haltung, die Sinne für ein Glück geschärft zu halten, das nicht kommen wird, jedoch uns in Bereitschaft für es vor den ärgsten Verrohungen schützt“. Gerade in den düstersten Zeiten auf das „Alles wird gut“ zu hoffen ist also nicht naiv. Worauf sonst soll man denn hoffen?
Am 19.12.1944 schrieb Dietrich Bonhoeffer aus der Haft in der Prinz-Albert-Straße in Berlin, wenige Monate vor seiner Hinrichtung durch das NS-Regime, an seine Braut Maria von Wedemeyer „ein paar Verse, die mir in den letzten Abenden einfielen“. Und dann folgen diese tröstlichen Zeilen von den guten Mächten, von denen wir wunderbar geborgen sind und wir getrost erwarten dürfen, was kommen mag.
Erwarten wir also für 2021 getrost, was kommen mag – auch wenn nicht alles gut werden wird.
