Wie wollen wir leben? Der alternative Wahl-O-Mat

2021 darf wieder viel gewählt werden. Außer der Bundestagswahl im September wird in sechs Bundesländern gewählt. Zwei haben das schon erledigt: Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die Bundeszentrale für Politische Bildung bietet wieder das interaktive Wahltool Wahl-O-Mat an. Gibt´s natürlich auch als App für´s Smartphone.

Der Nachteil dieses inzwischen von vielen Menschen genutzten Instruments: Die wirklich wichtigen und relevanten Fragen und Streitthemen werden gar nicht abgefragt. Nur so langweilige Sachen wie: Reduzierung des CO2-Ausstoßes, mehr Geld für Rüstung, Abschaffung des Euro, und so weiter.

Neben dem offiziellen Fragenkatalog bieten wir hier die Möglichkeit, sich zu weiteren schwer relevanten Zukunftsfragen eine Meinung zu bilden. Bitte die Tabelle ausschneiden, ausfüllen und an den Verfasser des Blogs zurückschicken (Wir werden Ihre Antworten selbstverständlich unter Missachtung des Datenschutzes an den Verfassungsschutz weiterleiten). Unter den ersten 1000 Teilnehmern verlosen wir drei attraktive Preise: Erster Preis: Das neue Buch von Michael Grandt über die Klimahysterie, erschienen im Kopp-Verlag (würg): Kommt die Klimadiktatur? Zweiter Preis: Eine gebrauchte Zahnspange von Greta Thunberg. Dritter Preis: Ein Besuch in der Redaktion dieses Blogs mit der Möglichkeit, den Blogger Jürgen Lieser persönlich kennenzulernen und zu beschimpfen.

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Wie stehen Sie, wie stehst Du zu:Stimme zuStimme nicht zuIst mir egal
Nebeneinkünfte von Bundestagsabgeordneten bis zur Höhe von 29,95 € sind offenzulegen. Bagatellbeträge über 100.000 Euro bleiben unberücksichtigt   
Einführung von „Warte warte nur ein Weilchen“ als verbindliche Warteschlangenmusik   
Betäubungslose Kastration von Autoposern   
Wiedereinführung der Todesstrafe für auf Radwegen falschparkende Lieferdienstfahrer*innen (Ausnahme: Ottoversand, da habe ich gerade was bestellt)   
Umwidmung der Nordstream-2-Pipeline zur längsten Röhrenrodelbahn der Welt   
Keine neuen Atomraketen, bevor die alten nicht verbraucht sind   
Flache Hierarchien   
Strategische Partnerschaft mit den Fidschi-Inseln   
6-wöchiges Umerziehungslager in Nordkorea für #allesdichtmachen- Schauspielerinnen und Schauspieler   
Ablösung von Regierungssprecher Seibert durch Bernd das Brot   
Absenkung des Meeresspiegels südlich des Äquators   
Friedensnobelpreis für Annegretkrampfkarrenbauer   
    
Hier Platz für weitere Vorschläge:   
    
    
    
    

Frühling lässt sein braunes Band …

Frühling lässt sein braunes Band wieder wabern durch die Lüfte.

Scharfe aggressive Düfte wehen penetrant durchs Land.

Mutter, hol die Wäsche rein! Schließet Fenster dicht und Türen!

Schluss ist jetzt mit Dorfidylle. 

Frühling, ja du bist´s! Alles stinkt nach Gülle.


Eilmeldung: Machtübernahme durch die Bayern ist entschieden

Der Machtkampf um die Kanzlerkandidatur in der Union und um die Nachfolge des Bundestrainers ist entschieden. Wie aus stets gut unterrichteten Kreisen durchgestochen wurde, steht nun fest: Söder wird als Nachfolger von Jogi Löw Bundestrainer der Fußballnationalmannschaft und Hansi Flick Kanzlerkandidat der Union. Wie sonst soll man seinen gestern angekündigten Rücktritt als Trainer von Bayern München verstehen? Damit streben die Bayern die höchsten Ämter an, die dieses Land zu vergeben hat. Auch international sind die Bayern machterprobt: Den Job als Papst hatte schon mal ein Bayer inne (Ratzinger), und UN-Generalsekretär wäre eigentlich der angemessene Posten für Uli Hoeneß. Dann fehlt nur noch, dass in Bayern wieder die Monarchie eingeführt wird. Einen Kaiser in Wartestellung gibt es ja schon (Franz Beckenbauer).  


Reichtum: Was Onkel Dagobert, Karl Marx, Sitting Bull und ich dazu meinen

Disclaimer: Für die im folgenden Text enthaltenen Diffamierungen noch lebender oder verstorbener Personen sowie für die Verwendung politisch nicht korrekter Identitätsbezeichnungen (Indianer), nicht diversitätssensibler Sprache und an den Grundfesten unserer liberalen Wirtschaftsordnung rüttelnde, sozialromantische Umverteilungsforderungen übernehme ich keine Haftung.

Wohin mit dem Geld? Von der Bürde des Reichseins

In diesem Beitrag geht es um Reichtum. Genauer: um großen Reichtum, exorbitanten Reichtum, obszönen Reichtum. Worauf das hinauslaufen wird, kann man sich denken. Bevor wir aber zur verbal-moralischen Exekution der Superreichen schreiten und die spitze Feder in das mit Neid getränkte Tintenfass tauchen, zunächst ein paar nicht-alternative Fakten. Damit nicht wieder Meinung und Fakten zu einem homogenen Brei püriert werden.

Ab wann ist der Mensch reich? Nehmen wir als Indikator das Vermögen oder das Einkommen oder beides? Die Statistiken unterscheiden zwischen Vermögensreichtum (> 77.000 €) und Einkommensreichtum (> 3.400 € im Monat). Das scheint mir zu niedrig angesetzt. Dann wäre ja jede Familie mit mittlerem Einkommen und Eigenheim reich. Wir nehmen hier mal an, dass jemand dann als reich gilt, wenn er oder sie mindestens MillionärIn (Vermögen) ist und/oder mehr als 100.000 € im Monat verdient. Für weniger wird heutzutage kein Konzernchef einen Finger krümmen – Boni noch gar nicht mitgerechnet. In Deutschland gibt es rund 1,35 Millionen Vermögensmillionäre, doppelt so viele wie noch vor zwanzig Jahren. 2.400 Deutsche besitzen mehr als 100 Millionen Dollar. 2014 hatten die 45 reichsten Haushalte in Deutschland 214 Milliarden Euro Vermögen, so viel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung. Oxfam hat berechnet, dass die 85 reichsten Menschen so viel besitzen wie 3,5 Milliarden Menschen, also fast die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Das Vermögen von Amazonchef Jeff Bezos wuchs allein im letzten Jahr von 110 auf 190 Milliarden Dollar. Das dürfte selbst bei den Anhängern des „Leistung muss sich wieder lohnen-Prinzips“ Schnappatmung auslösen. Für den Vermögenszuwachs von Bezos haben die Amazon-Beschäftigten einiges geleistet, oder ist das schon wieder Polemik?   

Reichtum versus Armut

Das Gegenteil von Reichtum ist Armut, und beide klaffen bekanntlich weit auseinander. Anders als beim Reichtum ist Armut – absolute und relative – recht klar definiert: Als absolut arm gilt eine Person, die weniger als 1,90 PPP-US-Dollar (= purchasing power parity / Kaufkraftparität) pro Tag zur Verfügung hat. Stillschweigend geht man wohl davon aus, dass Menschen mit einem so geringen Einkommen kein Vermögen haben, bis auf vielleicht eine armselige Lehmhütte, ein Kochgeschirr, eine Ziege, ein Fahrrad, ein Flüchtlingszelt oder ein klappriges Fischerboot. Es gibt einen erweiterten Armutsbegriff, der sich nicht allein am Einkommen orientiert, sondern weitere Kategorien wie durchschnittliche Lebenserwartung, Gesundheitsversorgung, Ernährung, Zugang zu Bildungseinrichtungen usw. einbezieht. Bei der relativen (Einkommens-) Armut wird das mittlere Einkommen eines Landes als Maßstab genommen, mit dem Ergebnis, dass z.B. in Deutschland rund 16 % der Bevölkerung als armutsgefährdet gelten, weil ihr Einkommen weniger als 60 % des mittleren Einkommens beträgt. D. h. eine Einzelperson mit 1.074 € netto monatlich gilt hier als armutsgefährdet.

Und was sagen Onkel Dagobert und Genosse Marx dazu?

Soweit mal zu den wichtigsten Fakten. Jetzt zur angekündigten Kritik. Gerne hätte ich an dieser Stelle mit Bibelzitaten und tiefschürfenden Erkenntnissen antiker, mittelalterlicher und neuzeitlicher Philosophen und Denker um mich geworfen: Platon, Aristoteles, Nietzsche, Kant, Hegel, Popper – die haben doch alle bestimmt zu diesem Thema etwas Kluges gesagt. Ich war zu faul, um dazu bei Wikipedia zu recherchieren. In meiner von bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen geprägten Kindheit begegnete mir Reichtum erstmals in der Gestalt von Dagobert Duck, ein fieser und übelgelaunter, superreicher skrupelloser Großkapitalist, der von sich behauptete, trotz seines Reichtums ein anständiger Kerl geblieben zu sein. Da ist die Bibel bekanntlich anderer Meinung – siehe Markus (Mk 10,17-25), Lukas (Lk 18,18-25) und Matthäus (Mt 19,16-24) – die Sache mit dem Kamel im Himmelreich oder so.

Unbedingt zitieren muss ich hier allerdings den guten alten Karl Marx, allein schon deshalb, weil wir beide in Trier geboren sind und meine Kopf- und Bartbehaarung sich pandemiebedingt der von Karl Marx immer mehr annähert. In seinem bahnbrechenden Werk „Lohn, Preis und Pommes frites“ (oder war es „Das Kapital“? – ist ja egal) hat Marx dargelegt, dass der Ärger mit dem privaten Eigentum angefangen hat, als die Menschen sesshaft wurden. Bis dahin gab es nur gemeinschaftlichen Bodenbesitz. Durch die Aneignung von privatem Eigentum (z.B. Produktionsmittel, Land, Geld) und die damit einhergehende Trennung von Bedürfnis und Mittel zu dessen Befriedigung entstanden die beiden Klassen Bourgeoisie und Proletariat. Die Proletarier malochen und vermehren das Eigentum der Bourgeoisie, bleiben aber selber arm. Die marxsche Terminologie ist nicht mehr ganz zeitgemäß: statt Bourgeoisie würde man heute eher von Großaktionären sprechen, wie z.B. Susanne Klatten, BMW-Erbin mit einem Vermögen von geschätzten 25 Mrd. Euro. Was aber Marx noch nicht wissen konnte: Nicht allein das Proletariat hat für das Vermögen der BMW-Erbin geschuftet, sondern auch Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge. So ganz unrecht hatte Karl Marx aber trotzdem nicht (übrigens nicht zu verwechseln mit Karl May, in dessen Schriften es mehr um Indianer und weniger um Proletarier geht): Das Gespenst des Kommunismus hat zwar irgendwann aufgehört, in Europa herumzugeistern, aber die Methode, exorbitanten Profit anzuhäufen, ohne dafür zu arbeiten, egal ob als Besitzer von Produktionsmitteln, Aktienpaketen oder Bitcoin, hat überlebt.

Apropos Indianer: Sitting Bull, Häuptling der Hunkpapa-Lakota-Sioux, sah die Sache ähnlich wie Marx: „Die Liebe zum Besitz ist bei ihnen (den Weißen) wie eine Krankheit. Diese Leute haben viele Gebote erlassen, welche von den Reichen gebrochen werden dürfen, von den Armen jedoch nicht. Sie erheben Abgaben von den Armen und Schwachen, um die Reichen und Herrschenden zu ernähren.“ – hugh, ich habe gesprochen. Vermutlich gibt es das Wort „Besitzstandswahrung“ in der Sprache der Hunkpapa nicht.

Lieber reich und gesund als arm und krank

Wer nun hier erwartet, dass von mir Reichtum prinzipiell verdammt und gleichgesetzt wird mit moralischer Verkommenheit, der irrt. Es gibt auch nette Reiche. Mehr noch: Es gibt Menschen, die sind außer reich auch noch schön, klug, sympathisch und erfolgreich – und das alles gleichzeitig. Eine solch einseitige Beanspruchung von positiven Charaktereigenschaften, Tugenden und Kompetenzen, gekoppelt mit materiellem Reichtum, finde ich schwer ungerecht. Wenn jemand reich ist und dumm wie ein Ziegelstein (Ivanka Trump?), dann finde ich das in Ordnung. Oder: Jemand ist reich, aber stinkt nach Maggi. Also stinkreich. Noch besser gefällt mir die Kombination: reich, dumm, ordinär und hässlich. Prototyp für diese Sorte von Reichen sind die Geißens, jene Familie, die ihren prolligen Lebensstil und ihren obszönen Luxuskonsum – shoppen bis die Kreditkarte glüht – beim Fernsehsender RTL exhibitioniert. Donald Trump könnte auch in diese Rubrik eingeordnet werden. Wie es mit der Intelligenz des Profifußballers Franck Ribéry bestellt ist, vermag ich nicht zu beurteilen, und sein Aussehen, nun ja. Soll er sich doch sein vergoldetes Steak für 1.200 Euro gönnen. Ob Jeff Bezos außer reich auch klug und sympathisch ist? Auf jeden Fall ist er clever und weiß, wie man sein Personal so geschickt ausbeutet, dass man in einem Jahr sein Vermögen um 80 Mrd. Dollar erhöht.

Was du ererbt von deinen Vätern hast

Worüber wir noch gar nicht geredet haben, ist das Thema erben. Wer kein Eigentum hat, schaut zunehmend in die Röhre. Grund und Boden, ein begrenztes Gut, wird immer teurer. Ein Eigenheim ist für eine Normalverdienerfamilie kaum mehr finanzierbar. „Der Eigentumserwerb scheitert daran, `dass die Ersparnisse und damit das Eigenkapital´ nicht mehr mit den explodierenden Preisen am Immobilienmarkt mithalten“ – so Elisabeth von Thadden in der Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 4.02.2021. Wer Glück hat und vermögende Vorfahren, der erbt Immobilien, Aktien und Geld und genießt als Erbe einen „unverdienten Wertzuwachs“, wie schon der Philosoph John Stuart Mill im 19. Jahrhundert gegen die Erben pestete.

Die Sozialpflichtigkeit des Eigentums im Grundgesetz

Grundgesetz Artikel 14.2: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

Das Grundgesetz gilt für Herrn Bezos nicht. Aber hallo, Frau Klatten, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes: Wie wäre es, wenn Sie sich mit einer Milliarde Euro zufriedengeben und den Rest Ihres Vermögens in gemeinschaftliches Eigentum überführen? Wie früher, als die Menschen noch nicht sesshaft waren! Damit könnten Sie Wiedergutmachung für die Ausbeutung von Zwangsarbeitern leisten, für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen und die Besitzlosen in die Lage versetzen, am wirtschaftlichen Wohlstand teilzuhaben.  Dann hätten Sie das Bundesverdienstkreuz wirklich verdient. War nur mal so ´ne Idee.


Impfen: Zur Sache, Schätzchen

Uschi Glas hat sich impfen lassen und wirbt für die Corona-Schutzimpfung: „Damit ich endlich wieder meinen Enkel drücken kann“. Mal abgesehen davon, dass der Enkel vielleicht gar nicht von der Oma gedrückt werden will: Mensch Uschi! Hast du nicht 1968 in dem Film „Zur Sache, Schätzchen“ die Polizei mit einem Striptease von ihrer Ermittlungsarbeit abgelenkt? Und jetzt willst du uns mit deinem entblößten Oberarm davon ablenken, dass es mit „Ärmelhoch für die Impfung“ nicht getan ist? Ich und viele meiner Mitmenschen sitzen seit Wochen mit aufgekrempeltem Ärmel in der Gegend rum, ohne dass eine Impfnadel am Horizont zu sehen ist.

Werner: Uschi, da macht der Onkel Doktor den Piekser! Uschi: Du willst doch nur wieder fummeln.

Dein Partner Werner Enke, der in dem Film einen auf coole Sau machte, hat dir erklärt, was „fummeln“ bedeutet, nämlich „sich unsachgemäß an einer Sache zu schaffen machen“. Die Sache warst natürlich du. Wir haben dich angehimmelt und wussten damals noch nicht, dass Du Helmut Kohl und Franz-Josef Strauß verehrst, gerne in Glitzerglimmer auftrittst und deine „Uschi Glas hautnah Face Cream“ von der Stiftung Warentest mit „mangelhaft“ bewertet wurde. Also bitte, bevor du deinen Enkel drückst, wenigstens die Uschi-Glas-Hautcreme abschminken.


Schiff verkeilt, der Käpten kichert: hoffentlich Allianz versichert

Die Versicherungswirtschaft, so haben wir bei der letzten ZDF-Heute Show gelernt, kann nahezu alle Schadensfälle des Lebens versichern. So gibt es angeblich eine Erektionsausfallversicherung. Wie der Eintritt des Versicherungsfalls ggfs. überprüft wird, wurde nicht mitgeteilt. Ob es eine „Im Suezkanal-verkeiltes Schiff-Versicherung“ gibt, konnten wir in der Kürze der Zeit nicht eruieren. Außerdem ist das Containerschiff seit heute wieder frei.

Die mehrtägige Havarie des Schiffes veranlasst jedoch zu grundsätzlichen Überlegungen über Lieferketten, Unterhosen und den Otto Versand. Was das miteinander zu tun hat? Sehr viel. „Everything hangs together“ stellte richtigerweise schon Günter Öttinger fest. Entwicklungsminister Müller will ein Lieferkettengesetz, die Wirtschaft hält das für keine gute Idee. Ich bin dafür, aber meine profunde Expertise dazu ist mal wieder nicht gefragt.

Meine wegen Corona beim Ottoversand bestellten Unterhosen (ohne Eingriff!) können nicht, wie mir Otto jetzt mitteilte, zum vereinbarten Zeitpunkt geliefert werden. Gründe für die Verzögerung wurden nicht genannt. Ich schätze, weil sie in einem der Container auf der „Ever Given“ im Suezkanal sind. Wenn das stimmt, dann sind die Unterhosen vermutlich von schlechtbezahlten und ohne gewerkschaftliche Vertretung beschäftigten Frauen in Bangladesch genäht. Also sollte ich doch besser Unterhosen bei Trigema bestellen? Eine Zeit lang kann ich noch ohne neue Unterhosen überbrücken. Deshalb unterstütze ich das Lieferkettengesetz. Weil Trigema nicht alles produziert, was mensch braucht, und weil ein Leben ohne Unterhosen möglich ist, aber nicht auf Dauer.


Über Geschlechtsidentitäten, Knacklaute und genderfluide Sprache

Über dieses Thema zu schreiben heißt, mit verbundenen Augen durch ein Minenfeld laufen. Das kann eigentlich nur schief gehen. Warum ich es dennoch wage? Weil ich keinen Shitstorm befürchten muss wie mancher Promi (Wolfgang Thierse!) und auch kein Opfer von cancel culture werden kann, da ich schon lange keine Uniseminare mehr halte und meine kulturellen Aktivitäten nur im engsten Familien- und Freundeskreis zum Ausbruch kommen.

Geschlechtsidentität, so lehrt uns der feministische Poststrukturalismus, ist ein soziales Konstrukt. Aber mal ehrlich: Blickt irgendjemand noch wirklich durch? Ich gebe mir redlich Mühe, die ganzen Begriffe der LSBTTIQ*-Community nicht nur zu lernen, sondern auch zu verstehen.  Inzwischen weiß ich, dass es außer lesbischen und schwulen auch noch bi+sexuelle, a_sexuelle, a_romantische, trans, nicht-binäre, inter*, polyamouröse und queere Menschen gibt – und das ist ja vermutlich noch längst nicht alles. Fast täglich kommen neue Identitäten hinzu. Die letzte Printausgabe des Brockhaus von 2006, einstmal Statussymbol des Bildungsbürgertums, ist diesbezüglich hoffnungslos veraltet. Aber es gibt ja zum Glück Wikipedia und das Queer-Lexikon oder das LSSBTIQ-Lexikon der Bundeszentrale für Politische Bildung. Da kann man sich schon mal fürs Erste informieren.

Ich bin ein cis-Mann und monoamurös. Ich bin weder trans* noch nonbinär oder genderqueer. Das schon mal als Entschuldigung vorweg. Und noch was: Falls Du, liebe/r Leser*in (alle trans* sind mitgemeint, aber vielleicht sollte ich sagen „liebe Person die liest“?) diesen Text jemand laut vorlesen solltest, bitte an den Stimmritzenverschlusslaut denken – Klaus Kleber muss das noch üben. Man hat mir bei meiner Geburt ein Geschlecht zugewiesen, etwas anderes wäre 1948 auch gar nicht vorstellbar gewesen. Meine Mutter war enttäuscht, weil sie unbedingt statt schon wieder einem Jungen ein Mädchen haben wollte. Ich habe ihr eine Zeitlang den Gefallen getan und Mädchenspielsachen bevorzugt, habe gehäkelt und gestickt, mich nicht mit Jungs geprügelt, und so weiter. Das war aber eine vorübergehende Phase. In der katholischen (!) Volksschule, die ich acht Jahre lang besuchte, wurden Mädchen und Buben strikt voneinander getrennt unterrichtet. Auch auf dem Schulhof wurden Begegnungen unterbunden, wahrscheinlich wegen der Sexualmoral. Man denkt ja als Zehnjähriger an nichts anderes.

„Lesbisch“ und „schwul“, das waren in meiner Kindheit und Jugend Schimpfwörter. Homosexualität war ein Straftatbestand (§ 175). In dem katholisch-konservativen Milieu, in dem ich sozialisiert wurde, war alles, was mit Sexualität zu tun hatte, irgendwie unmoralisch, und gleichgeschlechtliche Sexualität war ganz pfui.

Mein Rollenbild als Mann ist durch meine Erziehung und durch die gesellschaftlichen Verhältnisse der fünfziger und sechziger Jahre geprägt worden. Darüber habe ich früher nicht nachgedacht. Inzwischen hat sich das geändert. Eine Aussage wie „Ich helfe meiner Frau im Haushalt“ würde nicht mehr über meine Lippen kommen – zumal es auch gar nicht stimmt. Ich begegne Menschen mit einer diversen geschlechtlichen Identität aufgeschlossen. Allerdings, das muss ich gestehen, habe ich in meinem Alltag wenig bis gar keine Gelegenheit, das zu praktizieren. Offenbar treten in meiner Welt keine queeren Menschen auf. Zumindest nicht so, dass ich sie als queer erkennen kann.

Und was die Sprache anbetrifft: Ich bin mit dem generischen Maskulinum groß geworden und habe mir lange Zeit, um ehrlich zu sein, nichts dabei gedacht. Heute weiß ich, dass das ein sexistischer Sprachgebrauch ist und dass ich, wenn ich das benutze, ein chauvinistisches Schwein bin. Wäre ich eine Frau oder nonbinär, würde mir das herablassende „ihr seid ja mitgemeint“ vermutlich auch schon längst total auf den Sack gehen, bzw. auf die Eierstöcke. Inzwischen, das heißt eigentlich schon ziemlich lange, habe ich bei der Verwendung des generischen Maskulinums, egal ob geschrieben oder gesprochen, ein schlechtes Gewissen. Immerhin. Es passiert mir immer noch ständig, aber eher aus Faulheit und nicht aus Ignoranz. Beim Schreiben fällt mir das Gendern echt schwer, da bitte ich die feministische Sprachkritik schon mal um Generalabsolution.  

Selbst wenn man (uff, da isses schon wieder passiert) es schafft, gendergerecht zu schreiben und zu sprechen – letzteres ist ja noch viel schwieriger –, ist noch nicht geklärt, wie Menschen, die sich außerhalb der binären Geschlechterzuordnungen Mann und Frau verorten, sprachlich angemessen berücksichtigt werden. Wenn also Nachrichtensprecher*innen im Rundfunk und Fernsehen zunehmend den Stimmritzenverschlusslaut (oder auch Knacklaut oder Gottischlag) anwenden, wem ist damit denn wirklich gedient?

Ich werde jedenfalls nicht mehr lernen, den Stimmritzenverschlusslaut in meine Alltagssprache einzubauen. Das ist zwar gar nicht so schwer, aber irgendwie auch albern. Was sollte ich damit beweisen? Wenn ich insgeheim doch der Meinung wäre, dass Frauen blöder sind als Männer, was würde es dann ändern, wenn ich von Mitarbeiter (schluck)  Innen redete?

Kommentaren, auch Hassmails, sehe ich mit Interesse entgegen.


Impftermine buchen kann süchtig machen

Eine neue Sucht grassiert im Land: Wir buchen uns einen Impftermin. Online oder telefonisch, es ist ein bisschen wie Lotto spielen. Jemand aus meinem Bekanntenkreis hat nach neun Tagen und ungezählten Versuchen zu allen Tages- und Nachtzeiten einen Treffer erzielt. Andere, so hört man, haben sofort das große Los gezogen. Ich selbst bin erst seit zwei Tagen impfberechtigt, aber schon zeigen sich erste Anzeichen einer Sucht. Einen Impftermin buchen, das ist im Prinzip ganz einfach. Entweder die Telefonnummer 116117 anrufen oder über die Internetseite: www.impfterminservice.de. Beim Telefonanruf bekommt man, wenn es gelingt, die Ansage der Warteschleife zu durchbrechen und einen richtigen Menschen zu erreichen, die Auskunft, dass in den Impfzentren in 100 km Umkreis vom Wohnort aktuell keine freien Impftermine zur Verfügung stehen. Die online-Buchung kommt zum gleichen Ergebnis:

Wir probieren es also später erneut. Seit heute gibt es, und das ist offenbar neu, auf dem online-Portal einen „virtuellen Warteraum“:

„Wir bitten um etwas Geduld“ – wieviel aber ist „etwas“?, und „Sie müssen nichts weiter tun“. Jetzt mach das mal über mehrere Stunden, das Nichtstun, wenn Du nicht durch jahrelange Meditation darin geübt bist. Ich wurde auch erst beim dritten Versuch „automatisch weitergeleitet“. Im realen Wartezimmer beim Arzt könnte man wenigstens alle Zeitschriften lesen, die dort üblicherweise ausliegen. Du traust Dich auch nicht, für längere Zeit den Computer zu verlassen, denn es könnte ja sein, das just in dem Moment dein Impftermin angeboten wird, und wenn Du vom Klo zurück bist, ist er schon wieder vergeben.

Ich wurde dann aber tatsächlich irgendwann automatisch weitergeleitet und durfte angeben, ob ich auch wirklich zu den Impfberechtigten gehöre. Und dann diese hoffnungsvolle Meldung:

Ich habe dann meine Mailadresse und meine Mobilfunknummer eingegeben und schwuppdiwupp bekam ich eine 6-stellige PIN geschickt, die ich in die folgende Maske eingeben musste:

Leider erfolgte trotz korrekter Eingabe der PIN die Meldung „Technischer Fehler“. Gut, das kann ja mal passieren. Bei der Bahn heißt das „betriebsbedingte Störung“. Bevor ich das Programm bitten konnte, mir eine neue SMS mit neuer PIN zu schicken, war das Anfragelimit erreicht, was immer auch das bedeuten mag:

Ich probiere es weiter. Irgendwann, so sagt die Lebenserfahrung, wird es auch für mich einen Impftermin geben. Frau Merkel und Herr Spahn haben es versprochen.


Mein wunderbares Hörgerät. Ein Beitrag zum Welttag des Hörens

Ich habe ein Hörgerät (ja, nur eins, weil das rechte Ohr noch ohne auskommt). Ein Wunderwerk der Technik. Winzig klein, kaum drei Gramm schwer. Aber auch recht teuer. Würde man bei Hörgeräten wie bei Lebensmitteln den Kilopreis angeben, hätte bei mir eine knappe Million Euro stehen müssen. Aber das nur am Rande. So ein Hörgerät leistet Erstaunliches. In einem an den Gehörgang angepassten Stöpsel ist ein winziger Lautsprecher. Der ist mit einem dünnen Draht mit dem Computer verbunden, der hinter der Ohrmuschel getragen wird. Sieht man kaum. Und noch was: Es ist nicht nur ein Hörgerät, sondern auch ein Sprechgerät! Gut, der Wortschatz ist begrenzt und beschränkt sich auf Einwortsätze. Meines sagt zur Begrüßung, wenn ich es im linken Ohr befestige, immer „links“. Das hilft bei der Orientierung in der immer komplizierter werdenden Welt. Je nach äußeren Umständen kann ich das Hörgerät umschalten. Es sagt dann „Universal“, „Musik“ oder „Hörkomfort“. Der einzige Dreiwortsatz, den das Gerät fehlerfrei beherrscht, lautet „Batterie fast leer“ (Korrekt müsste es natürlich heißen: Die Batterie ist fast leer, stupid.) Der Satz wird dann mehrmals wiederholt – vermutlich, weil man Träger von Hörgeräten grundsätzlich für dement hält -, bis die Batterie tatsächlich leer ist und Schluss mit Hören und Sprechen. Nach dem Batteriewechsel sagt es wieder „links“. Leider habe ich die Frau, die in meinem Ohr spricht, noch nicht persönlich kennengelernt. Ich hätte ihr gerne meinen Dank ausgedrückt dafür, dass sie sich bei ihren Wortbeiträgen nur auf das absolut Notwendige beschränkt. Das macht so ein Hörgerät ausgesprochen sympathisch.

Aber es lauern auch Gefahren. Weil es so klein ist und die lockere Befestigung hinter dem Ohr nicht sehr verlässlich hält, kann es leicht verloren gehen. Zum Beispiel ins Klo fallen oder beim Abnehmen des Fahrradhelms oder Mundnasenschutzes irgendwie verheddern. Neulich fiel es in einem unachtsamen Moment auf den Boden. Der Hund fand Gefallen daran und konnte gerade noch rechtzeitig vom Verzehr abgehalten werden. Mein Hörakustiker kennt Kunden, die schon mehrmals Ersatzbeschaffungen für ihr Hörgerät brauchten, wegen dem Hund.

(An dieser Stelle würde jetzt Werbung für Hörgeräte kommen, aber dafür brauche ich noch ca. 5.000 Abonnenten auf meinem Blog. Ein Anfang ist gemacht …)


Leicht verderblich: Was Obst und Kleidung gemeinsam haben

Wenn es nach der Modebranche geht, dann sollten wir mindestens zweimal im Jahr unseren Kleiderschrank ausmisten und die neue Frühjahrs- oder Herbstkollektion kaufen. Würden wir diesem Konsumdiktat auch nur eingeschränkt folgen, dann würde das in einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren zu einem kompletten Austausch unserer Garderobe führen – je nachdem, wie modebewusst und ausgabenfreudig mensch ist. Wer als Wohnungslose/r unter der Stadtbahnbrücke logiert, hat naturgemäß geringere Ansprüche an eine adrette Garderobe als der Versicherungsdirektor, die Nachrichtensprecherin, die/der Bankangestellte/r oder die Kosmetikerin. Bei vielen meiner Hemden, Pullover, Hosen ist die Mindesthaltbarkeit längst abgelaufen, aber ich trage sie immer noch gerne. Neulich habe ich einen dreißig Jahre alten Jogginganzug schweren Herzens in die Altkleidersammlung gegeben. Eigentlich war er noch brauchbar.

Bei Modeartikeln gibt es auch in normalen Zeiten eine Überproduktion – von zehn bis dreißig Prozent ist die Rede. Nicht verkaufte Ware wird entweder verramscht oder landet in der Müllverbrennungsanlage. Corona hat das Problem unverkaufter Kleidungsstücke nun drastisch verschärft. Wie die ZEIT (Nr. 8 vom 18.02.2021) berichtet, könnte mindestens eine halbe Milliarde Kleidungsstücke diesen Winter in Deutschland unverkauft bleiben. Für die stationären Modehändler ist das dramatisch. Viele werden die vorübergehende Schließung ihrer Läden nicht überleben. Die Hersteller, so berichtet die ZEIT, haben die Produktion aufgrund der aktuellen Situation deutlich gedrosselt, mit der Folge, dass hundertausende Textilarbeiterinnen in den Zulieferbetrieben in Bangladesch, Indien oder Pakistan arbeitslos werden.

Angesichts dieser Situation traut man sich kaum noch, die Frage zu stellen, ob es nicht ohnehin an der Zeit wäre, die Produktions- und Konsumbedingungen in der Textilindustrie grundsätzlich zu hinterfragen. Wer beim Kauf eines T-Shirts wissen will, unter welchen Bedingungen es produziert wurde und wieviel die Näherin in Bangladesch dafür bekommt, kann sich informieren. Das von Entwicklungsminister Müller angestrebte, kürzlich verabschiedete Lieferkettengesetz wurde von der Wirtschaft und von seinem Ministerkollegen Altmeier bis auf den letzten Blutstropfen blockiert und verwässert. Aber wir Verbraucher sollten nicht nur mit dem Finger auf die Wirtschaft und die Politik zeigen. Es ist wohlfeil, von Industrie und Handel nachhaltiges und ressourcenschonendes Wirtschaften einzufordern, wenn wir wenig getragene Kleidung aussortieren und im Altkleidercontainer entsorgen, damit wieder Platz im Kleiderschrank für den neuesten Modeschrei ist.