Hinrichtungen mit Drohnen: Bundesregierung und Grüne schweigen
Veröffentlicht: 13. August 2022 Abgelegt unter: Bundeswehr, Internationale Politik, Krieg, Pazifismus | Tags: Africa Command, Annalena Baerbock, Büchel, Drohnen, Grüne, Nukleare Teilhabe, Ramstein, Völkerrecht 2 KommentareHeute habe ich an Außenministerin Annalena Baerbock einen Brief geschrieben. Es geht um Politik, deshalb kann ich das hier öffentlich machen.
Wittnau, 13. August 2022
Liebe Annalena,
als Mitglied der Grünen darf ich „Du“ sagen. Kann aber sein, dass ich bald wieder „Sie“ sagen muss, weil ich vermutlich die Partei verlassen werde. Der Grund ist schnell erklärt: Bis vor kurzem waren wir uns noch einig, dass Hinrichtungen mit Drohnen völkerrechtswidrig sind und dass deshalb solche Hinrichtungen nicht von deutschen Boden ausgehen dürfen. Das haben die Grünen in der Opposition immer wieder klar und deutlich vertreten. Es widerspricht jedem Rechtsverständnis, Menschen ohne Gerichtsverfahren und nur auf Verdacht hin zu töten und dabei in Kauf zu nehmen, dass Zivilpersonen, die sich in der Nähe des mutmaßlichen (!) Terroristen aufhalten, ebenfalls getötet werden. Kollateralschäden heißt das dann.
Nun hat die Tagesschau am 11. August berichtet („Hinrichtungen aus der Luft – Deutschland und der US-Drohnenkrieg“, in der ARD-Mediathek abrufbar), dass sich offenbar bei den Grünen die Meinung dazu geändert hat. Um die Amerikaner gerade jetzt im Zuge des Ukrainekrieges nicht zu verärgern, verzichtet die Bundesregierung und das von Dir geführte Auswärtige Amt darauf, Aufklärung über die gezielten Tötungen und die dabei zu Tode kommenden unbeteiligten Zivilisten zu verlangen. Dabei hat das US-Militär bereits mehrfach eingestehen müssen, dass statt mutmaßlicher Terroristen unschuldige Menschen bei Drohnenangriffen getötet wurden. Die Bundesregierung versteckt sich hinter der Aussage der US-Militärs, man halte sich an bundesdeutsches Recht. Eine Überprüfung findet nicht statt; Auskünfte über Drohnenangriffe werden von den Amerikaner grundsätzlich verweigert.
Wichtige Schaltzentrale für die Drohnenangriffe ist der US-Militärstützpunkt Ramstein in der Pfalz. Dort hat auch das Africa Commando seinen Sitz, von wo aus Drohnenangriffe in Afrika koordiniert werden (*Korrektur: Das Africom sitzt in Stuttgart, nicht in Ramstein!). Das alles geschieht also mit Wissen und stillschweigender Duldung der Bundesregierung. Jürgen Trittin hat, damals noch in der Opposition, die Bundesregierung bezichtigt, mitverantwortlich für die illegalen Tötungen zu sein. Liebe Annalena: Gilt das jetzt nicht mehr?
Über die „nukleare Teilhabe“ (ein wahrlich widerlicher Euphemismus) muss ich mich mit Deiner Kabinettskollegin Christine Lambrecht streiten. Auch hierzu finde ich die Haltung der Bundesregierung schwer erträglich. Wir Deutschen haben zwar keine eigenen Atomwaffen (hurra!), aber wenn die Amerikaner ihre Bomben, die auf dem Stützpunkt Büchel lagern (was die Bundesregierung offiziell nicht zugibt), ins Ziel bringen wollen, brauchen sie dafür deutsche Piloten und Trägerflugzeuge. Die Befehle und die Ziele kommen von den Amerikanern. Unser Beitrag zur „nuklearen Teilhabe“ wäre also, das Transportmittel zu stellen, während Ziel und militärischer Zweck für den Einsatz der Vernichtungsmittel von den Amerikanern definiert werden. Soll das wirklich unsere Position sein?
Liebe Annalena, ich will Dich nicht erpressen. Aber wenn ich bei den Grünen bleiben soll und dieser Partei weiterhin meine Stimme geben soll, brauche ich eine klare Ansage.
Mit (gerade noch solidarischen) Grüßen
Jürgen
Sondierungsgespräche: Noch blinkt die Ampel ziemlich gelb
Veröffentlicht: 16. Oktober 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Gesellschaft, Innenpolitik, Wahlen | Tags: FDP, Grüne, Koalition, Sondierungsgespräche Hinterlasse einen KommentarSeit gestern liegt das Ergebnis der Sondierungsgespräche zwischen SPD, Grünen und FDP vor. In einem zwölfseitigen Sondierungspapier kann man nachlesen, was sich die drei beteiligten Parteien für ihre Koalitionsverhandlungen vorgenommen haben. Es ist wohl der unvermeidbaren politischen Prosa geschuldet, dass der Text auch solche hochtrabenden Worthülsen und inhaltsleeren Sprechblasen enthält wie: „Wir fühlen uns gemeinsam dem Fortschritt verpflichtet“, „wie wir unser Land nachhaltig modernisieren können“, „niemand wird ins Bergfreie fallen“ oder „Deutschland stellt sich seiner globalen Verantwortung“.
Aber schauen wir mal auf einige konkrete Aussagen:
- „Ein generelles Tempolimit wird es nicht geben“
- „Die gesetzliche und die private Kranken- und Pflegeversicherung bleiben erhalten“
- „Wir werden im Rahmen der grundgesetzlichen Schuldenbremse die nötigen Zukunftsinvestitionen gewährleisten, insbesondere in Klimaschutz, Digitalisierung, Bildung und Forschung sowie die Infrastruktur“
- „Wir werden keine neuen Substanzsteuern einführen und Steuern wie zum Beispiel die Einkommen-, Unternehmens- oder Mehrwertsteuer nicht erhöhen“
Das liest sich ja wie das Wahlprogramm der FDP, oder täuscht der Eindruck? Da muss die grüne Verhandlungsdelegation doch ständig in die Tischplatte gebissen haben? Klar, es gibt in dem Sondierungspapier auch Absichtserklärungen, die eine grüne oder sozialdemokratische Handschrift tragen – etwa zu Klimaschutz, Mindestlohn oder Bürgergeld statt Hartz IV. Insofern darf man gespannt sein, wie das konkret in einem – hoffentlich zustande kommenden – Koalitionsvertrag aussehen wird. Zu befürchten ist allerdings, dass der gemeinsame Nenner am Ende recht klein ausfallen könnte.
Stark unterbelichtet oder ganz abwesend, wie schon im Wahlkampf, sind mal wieder wichtige globalen Themen wie Armutsbekämpfung, internationale Krisenbewältigung und Friedenspolitik und atomare Abrüstung. Die zivilgesellschaftliche Friedensorganisation forumZFD mit Sitz in Köln hat unter der Überschrift „Entschieden für Frieden“ fünf Forderungen an die neue Bundesregierung formuliert, darunter der Beitritt Deutschlands zum Vertrag zur Ächtung von Atomwaffen und der Abzug der in Deutschland stationierten Atomwaffen. Das ganze Papier des forumZFD kann man hier nachlesen.
Hans-Georg Maaßen deckt auf: Was uns mit Annalena Baerbock wirklich droht
Veröffentlicht: 6. Juni 2021 Abgelegt unter: Gesellschaft, Innenpolitik, Neue Rechte, Wahlen | Tags: Annalena Baerbock, CDU, Grüne, Hans-Georg Maaßen, Verschwörungstheorien 2 KommentareWährend die CDU heute ihren Wahlsieg in Sachsen-Anhalt feiert, erklärt uns Hans-Georg Maaßen, für den Bundestag nominierter CDU-Rechtsaußen und unverhohlener Antisemit, die Welt. Er warnt vor einer Koalition mit den Grünen und einer „ökosozialistischen Bundesregierung“. Die Grünen „stottern unverständliches Genderdeutsch“ und wollen den Menschen Autos, Fleisch und Einfamilienhäuser verbieten. „Das totalitäre Denken liegt den Grünen in den Genen“ so Maaßen in der rechten Wochenzeitschrift „Junge Freiheit“.
Und dann legt Maaßen in einem Tweet noch ein Brikett drauf: Annalena Baerbock heißt ja mit vollen Namen – Achtung! – Annalena Charlotte Alma Baerbock! Na, klingelts endlich? ACAB? Das ist doch die Abkürzung für „All Cops Are Bastards“! Zufall oder Chiffre? fragt Maaßen allen Ernstes. Reaktionen auf seinen Tweet lösen die Frage auf: „Ist nicht auszuschließen. Sowohl zeitlich (ACAB entstand Ende 70er), als auch Hintergrund Eltern (Anti-Atombewegung) … könnte passen.“ Ins gleiche Horn stößt ein anderer Nutzer: „Wenn man ein bisschen weiß, wie Namensgebung der Kinder in linkshedonistischen Kreisen der 70/80 ablief, kann man Zufall ausschließen.“
Hans-Georg Maaßen wird im September für die CDU in den Bundestag einziehen. Hallo CDU: Seid Ihr eigentlich noch bei Trost?
