Krieg in Gaza: Wer stoppt den Massenmord an der Zivilbevölkerung?

Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 führt Israel einen brutalen Vernichtungskrieg im Gazastreifen. Die bisherige Bilanz der unterschiedslosen Bombardierung von Städten, Wohnhäusern, Krankenhäusern und anderen zivilen Einrichtungen: 39.000 Tote, darunter 14.500 Kinder. 90.000 Verletzte – davon übrigens auch viele Christen. Weitere zahlreiche Tote und Verletzte gibt es im Westjordanland.

1,7 Millionen Menschen in Gaza sind auf der Flucht; das ist nahezu die gesamte Bevölkerung. Eine Rückkehr der vertriebenen Bevölkerung scheint auf absehbare Zeit unmöglich. Der Gazastreifen gleicht einem flächendeckenden Trümmerfeld. Die Versorgungsinfrastruktur, Krankenhäuser, Strom- und Wasserversorgung sind weitgehend zerstört. UN-Experten und Vertreter von humanitäre NGOs, die in Gaza tätig sind, bezeichneten Anfang Juli die durch den Krieg verursachte Hungersnot als „vorsätzliche und gezielte Hungerkampagne gegen das palästinensische Volk durch Israel“.

Diese Fakten sind bekannt und werden, trotz schwieriger Quellenlage, nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Die Welt ist Zeuge einer humanitären Tragödie schlimmsten Ausmaßes. Die schrecklichen Bilder, die trotz eingeschränkter Berichterstattung aus Gaza in die Medien gelangen, sind nur schwer zu ertragen. Eindrücklicher als durch Fakten und Zahlen wird das Grauen des Krieges in den Berichten von zivilen Hilfsorganisationen deutlich, die in Gaza unter schwierigsten Bedingungen versuchen, humanitäre Hilfe zu leisten. Ein Beispiel dafür ist dieser Bericht eines amerikanischen Arztes über seinen Einsatz in Gaza: Wir haben als Freiwillige in einem Krankenhaus in Gaza gearbeitet. Was wir sahen, war unaussprechlich – uncut-news.ch (uncutnews.ch)

 Internationale Gremien und Institutionen wie die Vereinten Nationen oder der Internationale Gerichtshof haben das Vorgehen Israels verurteilt. Israel begründet das Vorgehen mit dem Recht auf Selbstverteidigung und dem Kampf gegen die Hamas. Eine Sprachregelung, die von westlichen Regierungen geteilt wird. Israels Premier Benjamin Netanjahu wird im US-amerikanischen Kongress mit standing ovations gefeiert, während in Israel selbst der Protest der Bevölkerung gegen die Politik der rechtsradikalen Regierung zunimmt.

Und wie steht es mit der „wertegeleiteten Außenpolitik“ der Bundesregierung und ihrer Haltung zum Gazakrieg? Sie steht nach eigenen Worten „eng an der Seite Israels“ und unterstützt Israel mit militärischer und medizinischer Ausrüstung. Zwar bedauert man, dass die palästinensische Zivilbevölkerung „unter dem Terror der Hamas“ (!) leidet und die „humanitäre Lage im Gazastreifen katastrophal ist“. Israel habe das Recht, sich gegen die Angriffe der Hamas zu verteidigen. Die militärische Reaktion darauf müsse jedoch angemessen sein und das humanitären Völkerrecht respektieren. Genau das aber ist nicht der Fall, wie die Realität zeigt und wie es internationale Beobachter seit Monaten kritisieren.

Solange westliche Regierungen Israel bei seinem völkerrechtswidrigen Vorgehen in Gaza und im Westjordanland weiterhin militärisch und diplomatisch unterstützen, wird das Morden weitergehen. Wer meint, dass diese Begrifflichkeit nicht angemessen ist, der möge sich die Lehre vom Gerechten Krieg in Erinnerung rufen. Die besagt nämlich, dass die folgenden Kriterien erfüllt sein müssen: Internationales Recht muss eingehalten werden. Es dürfen keine Zivilisten getötet werden. Die Kriegsgründe sind für die ethische Beurteilung relevant. Die Verhältnismäßigkeit eines militärischen Gegenschlags muss gewahrt werden. So weit war man schon im 5. Jahrhundert vor Christus. Und heute?


Ferien mal anders: Originelle Ideen für die Urlaubsgestaltung

Endlich sind sie da, die Ferien. Aber dann, kaum wabert die Vorfreude auf entspanntes Urlaubsvergnügen durch die ganze Family, die bange Frage bei den Eltern: Wie schaffen wir es dieses Mal, die Kids bei Laune zu halten? Wie die PCD, die „Post-Konzert-Depression“ nach dem Taylor-Swift-Konzert bekämpfen? Wie vom ständigen Daddeln auf dem Smartphone ablenken und auf sportliche Aktivitäten umlenken? Jonglieren üben? Mal ein gutes Buch lesen?? Laaaangweilig!

Unser Freizeitcoach und Lebensberater Dr. Brettschneider hat ein paar Anregungen für sinnvolles Zeittotschlagen während der Ferien.

Stau mal wieder: Fahr Gotthardtunnel

Vor dem Gotthardtunnel am 24. Juli 2024 …

Wer den Urlaubsort richtig wählt, der kann bei der Anfahrt mit dem PKW oder Wohnmobil bereits einen erheblichen Teil der Ferienzeit im Stau verbringen. Zum Beispiel Richtung Süden vor dem Gotthardtunnel oder Richtung Norden vor dem Elbtunnel in Hamburg. Die dabei eingeatmeten Abgase haben bekanntlich betäubende Wirkung und schaffen für Stunden Ruhe auf der Rückbank mit tendenziell nöligen Kindern.

Bankautomaten sprengen für Anfänger

Für die älteren Kinder, die nicht mehr mit Federball am Strand, Eis am Stiel oder einem Anfängerkurs in Stand Up Paddling zufriedenzustellen sind: Wie wär´s mit einer Bankautomatensprengung am Urlaubsort? Ihr wisst nicht, wie das geht? Dann schaut Euch einfach dieses Youtube-Tutorial beim öffentlich-rechtlichen SWR dazu an (Bildungsauftrag!):

Wir basteln uns ein Abschiebelager

Liebe Kinder: Falls Ihr am Mittelmeer Urlaub macht (Italien, Spanien, Griechenland): Wundert Euch nicht, wenn am Strand ertrunkene Flüchtlinge angeschwemmt werden. Bitte nicht damit spielen. Allenfalls könnt Ihr die Taschen nach Handys oder Geld durchsuchen, bevor Eure Eltern sich bei der Badeaufsicht beschweren wegen verschmutzter Strände.

Für die Flüchtlinge, die nicht bei der Überfahrt übers Mittelmeer ertrunken sind – seit 2015 mehr als 20.000 – könnt Ihr direkt im Hotel beim Servicepersonal nachfragen, wie die das geschafft haben. Und wo es in der Nähe vielleicht eine dieser Ferienresidenzen speziell für Flüchtlinge gibt – böse Menschen nennen das „Abschiebelager“. Dazu könnt Ihr Euch beim deutschen Innenministerium kostenlos den Bogen „Wir basteln uns ein Abschiebelager“ kommen lassen.

Festkleben an der Hotelbar

Liebe Kinder und Jugendliche, vielleicht wollt Ihr im Urlaub nicht nur chillen, sondern mal so richtig politisch aktiv sein – wegen Klimaschutz oder weil ihr es goofy findet, dass Eure Eltern die Grünen wählen? Dann empfehlen wir: In den Hotelpool pinkeln, aber nicht so klammheimlich, sondern vom Dreimeterbrett, das macht richtig Laune und wäre unfassbar wyld. Und wenn die Softdrinks im Hotel bodenlos teuer sind: Wir wär´s mit Festkleben an der Hotelbar?   

Liebe Eltern, liebe Kinder: Hoffentlich konnten wir Euch ein paar coole Anregungen für sinnvolle Feriengestaltung geben. Vielleicht habt Ihr ja noch weitere Ideen? Und seid nicht so depri, das nächste Taylor-Swift-Konzert kommt bestimmt.

Euer Freizeitcoach und Lebensberater Dr. Erasmus Brettschneider


Bundeshaushalt 2025: Kürzungen bei Entwicklungshilfe und humanitärer Hilfe

Heute berät das Bundeskabinett den Haushalt 2025. Geplant sind drastische Kürzungen der Gelder für die Entwicklungszusammenarbeit (knapp eine Milliarde Euro weniger als 2024) und für die humanitäre Hilfe, die beim Auswärtigen Amt verwaltet wird und die jetzt um mehr als 50 Prozent gekürzt werden soll. Bereits 2024 waren die Mittel für beide Ressorts deutlich gekürzt worden (siehe meinen Blogbeitrag vom 28.03.2024: Armutszeugnis für ein reiches Land: Bundesregierung kürzt Entwicklungshilfe und humanitäre Hilfe).

Hilfsorganisationen schlagen Alarm: Die Kürzungen des Bundes bei der humanitären Hilfe sind dramatisch“ – so der Leiter von Caritas international in der Badischen Zeitung vom 11. Juli 2024.

Die Ampel-Regierung scheint darauf zu setzen, dass Entwicklungshilfe unpopulär ist und dass Kürzungen bei der Bevölkerung auf wenig Widerstand stoßen. „Germany first“ als handlungsleitendes Motiv kommt offenbar nicht mehr nur bei rechten und konservativen Kreisen gut an. Auch die Medien beteiligen sich an der populistischen Stimmungsmache gegen die Entwicklungshilfe. Da werden die geplanten Kürzungen beim Agrardiesel gegen die Finanzierung von Radwegen in Peru ausgespielt – so zum Beispiel in einem Interview des ARD-Morgenmagazins mit Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze am 17.01.2024.

Das viel zitierte Beispiel „Bau von Radwegen in Peru“ muss seit Monaten dafür herhalten, den Sinn von Entwicklungshilfe in Frage zu stellen.

Es ist ein Armutszeugnis, wenn ein reiches Land wie Deutschland meint, sparen zu müssen bei der Hilfe für arme Länder und für die Opfer humanitärer Katastrophen wie derzeit in Syrien oder in Gaza. Der Haushaltsentwurf muss im Herbst noch den Bundestag passieren. Bis dahin ist noch Zeit, den Koalitionspartnern SPD und Grüne ins soziale Gewissen zu reden. Vom Koalitionspartner FDP dürfte ein Meinungsumschwung nicht zu erwarten sein. Diese 5-Prozent-Partei hat keine Skrupel, gegen alles zu sein, was vernünftig und moralisch geboten ist, wie zum Beispiel die Zuckersteuer, ein Tempolimit, das Lieferkettengesetz, die staatliche Förderung von Erneuerbaren Energien, das Verbrenner-Aus in der EU, und eben auch die weltweite Armutsbekämpfung und die humanitäre Hilfe, die in der Werteskala der FDP weit hinter der Steuerentlastung für Besserverdienende rangieren. So viel Polemik muss an dieser Stelle sein.  


Biden, Trump, Putin, Netanjahu: Mehr Respekt vor dem Alter, Leute!

Heute muss ich mal eine Lanze für Joe Biden brechen. Hat wahrscheinlich damit zu tun, dass ich mich ihm altersmäßig sehr verbunden fühle – auch wenn mir noch ein paar Jahre bis 81 fehlen. Alle Welt trampelt jetzt genüßlich auf dem armen Joe herum. Man zweifelt an seiner geistigen Fitness und an seiner Fähigkeit zur Wahrnehmung des Präsidentenamtes. Und das alles, weil er sich ein paar läppische verbale Ausrutscher geleistet hat. Hej Leute, der Mann ist 81 und bewegt sich noch regelmäßig im Laufschritt zum Rednerpult! Gewiss, es sieht ziemlich albern aus, dieses „schaut mal, wie fit ich noch bin“-Getue. Andererseits: Andere in seinem Alter sind schon seit zehn Jahren tot oder Pflegestufe 4. Und was bitte ist mit den übrigen Gerontokraten? Putin (71), Netanjahu (74), Kretschmann (76), Trump (78), Papst Franziskus (87), Lula (78), Modi (73), Khamenei (85)? Sind die alle fit genug, um an der Macht zu bleiben und ihr Land zu führen? Adenauer war 73, als er Bundeskanzler wurde, und blieb bis 87 im Amt. (Liebe Feministinnen: Dass hier keine Frau in der Liste auftaucht, könnt ihr als Punkt für Eure Fraktion verbuchen!)

Was ich damit sagen will: Man ist kein besserer Staatslenker, bloß weil man jünger ist. Um nicht schon wieder von Hitler anzufangen: Der Basti Kurz war 31, als er Kanzler von Österreich wurde. Man weiß, wie das endete. Macron wurde mit 39 zum französischen Staatsoberhaupt gewählt, und es sieht nicht danach aus, als würde er Adenauer nachfolgen. Kim Jong-un kam ebenfalls mit Anfang 30 in Nordkorea an die Macht, wobei man bei dem nicht genau weiß, wie alt er wirklich ist und wie lange er noch lebt, so fett wie er zu essen scheint.

Der griechische Philosoph Plutarch war übrigens der Meinung, die Älteren sollten an der Macht sein. Sie allein hätten die Weisheit, die das Alter verleiht, und die Gelassenheit der Erfahrung. Dem kann ich nur auf das Schärfste zustimmen. Mein Appell: Mehr Respekt vor dem Alter, bitte! In öffentlichen Verkehrsmitteln einen Sitzplatz anbieten, laut und deutlich zu älteren Menschen sprechen, kein „ey Alter“ oder plumpes Duzen, und solche Sachen. Und was Joe Biden und Donald Trump und das Rennen um die amerikanische Präsidentschaft betrifft: Da würde ich im Zweifel für den Älteren der Beiden, also Biden, plädieren. Jedenfalls solange er seine Frau nicht mit einem Hut verwechselt.


Wie gefährlich ist Künstliche Intelligenz (II)?

Im ersten Teil meines Blogbeitrags über Künstliche Intelligenz (KI) ging es um die Chancen und Risiken der KI, wie sie unsere Gesellschaft verändert und wie sie von Militärs für das gezielte Töten von politischen Gegnern (targeted killing) genutzt wird. Heute möchte ich zwei weitere Aspekte der KI beleuchten: Wie verändern digitale Zwillinge (KI-Avatare) unsere sozialen Beziehungen, und was hat es mit dem Metaversum auf sich?

Ich bin kein Roboter. Oder vielleicht doch?

Oder, anders gefragt in Anlehnung an einen Buchtitel von Richard David Precht: Wer bin ich – und wenn ja, wie viele? Man kann nicht sicher sein, ob in der digitalen Welt nicht schon längst eine oder mehrere KI-Kopien vom eigenen Ich herumlaufen, digitale Zwillinge oder Avatare, wie die Dinger heißen. Es gibt sogar schon Software-Programme für die Erstellung von Avataren. In der harmlosen Variante kommen diese virtuellen Klone schon länger bei Computerspielen zum Einsatz. Mit originalgetreu geklonten Stimmen oder Gesichtern prominenter Persönlichkeiten lässt sich die öffentliche Meinungsbildung manipulieren. Über die digitalen Zwillinge hat Adrian Lobe in einem kürzlich erschienener Artikel (30.06.2024) in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung unter der Überschrift „So frei wie eine Billardkugel“ beängstigende Szenarien beschrieben und auf die ethische Problematik der „digitalen Verdoppelung“ hingewiesen.

Was sind digitale Zwillinge?

Digitale Zwillinge sind nahezu identische Nachbildungen von physischen Objekten, aber auch von real existierenden Personen, also nicht bloße Playmobilfiguren von prominenten Fußballern. Digital erzeugte Klone verfügen über das gleiche Aussehen, die gleiche Stimme, über identische Bewegungsmuster des Originals. Und noch mehr: Gleiche Präferenzen, gleiche Krankheiten, gleiche Charaktereigenschaften. Wozu das gut sein soll? Man kann zum Beispiel seinen digitalen Zwilling an einem Videomeeting teilnehmen lassen, wenn man selbst keine Zeit oder keine Lust dazu hat. Auch Heiratsschwindler können ihren Job stressfreier ausüben. Aber aufgepasst: Wer seinen digitalen Doppelgänger dazu nutzt, gleichzeitig mit mehreren PartnerInnen ein Techtelmechtel über eine Kuppelbörse anzufangen, könnte Ärger kriegen. Da wären wir wieder im richtigen Leben angekommen. Wer ungern feste Beziehungen eingeht und das Zusammenleben unter einem Dach in der Realität zu riskant findet, der kann seinen digitalen Zwilling mit dem digitalen Partner oder der digitalen Partnerin testweise zusammenleben lassen.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?   

Wenig überraschend ist, dass digitale Zwillinge für kommerzielle Interessen genutzt werden, wenn es zum Beispiel um Konsumpräferenzen geht. Oder, um eine positive Nutzungsmöglichkeit zu nennen, die Früherkennung von Krankheiten: Die Medizinforschung kann an einem digitalen Patienten Krankheiten simulieren und Therapien erproben. „Bevor die reale Person krank wird, können vorbeugende Maßnahmen wie eine präventive Operation ergriffen werden“, schreibt Lobe in seinem Beitrag. Ein Ziel der Untersuchungen an virtuellen Klonen ist, Verhalten und Entscheidungen vorherzusagen. Wenn es sich also um eine möglichst perfekte digitale Kopie des Originals handelt, ließe sich zum Beispiel eine Kauf- oder Wahlentscheidung antizipieren. Wer das konsequent weiterdenkt, muss zu der erschreckenden Erkenntnis kommen, dass individuelles Verhalten real existierender Personen vorhersagbar wird, was sich wiederum kommerzielle Unternehmen oder politische Gruppierungen für ihre Zwecke zunutze machen könnten. Lt. Lobe habe sich Amazon vor einigen Jahren ein vorausschauendes Logistiksystem („anticipatory shipping“) patentieren lassen, „bei dem Waren verschickt würden, noch bevor der Kunde auf den Bestellknopf gedrückt hat“.

Tod, wo ist dein Stachel?

Was passiert nach dem Tod des Individuums mit dem oder den digitalen Doppelgängern? Die haben ja keine mit dem Original verknüpfte Abschaltautomatik und geistern weiter in der Cloud herum und treiben da ihr Wesen oder Unwesen. Dass die trauernden Hinterbliebenen zumindest mit der digitalen Version ihres verstorbenen Familienmitglieds noch interagieren können, ist eine eher ungemütliche Vorstellung.

Das Metaversum: Kein richtiges Leben im falschen

Wem das reale Leben mit Kriegen, Krankheiten, Beziehungsstress, Leistungsdruck auf der Arbeit oder in der Schule zu anstrengend wird, dem bietet das Metaversum einen virtuellen, digitalen Raum als Ausweg. Für alle, die mit diesen Dingen bisher nichts oder wenig anfangen können: Im Metaversum können Menschen ihre eigene Welt gestalten. Sie können dort „leben, lernen, arbeiten und feiern“. Sie können sogar mit digitaler Währung in Form von NFTs (Non-Fungible Token) virtuelles Land oder Kunstwerke kaufen und damit spekulieren. In spielerischer Form tauchte das Metaversum 2003 als Plattform Second Life im Internet auf. Im Metaversum findet eine Verschmelzung von realer und virtueller Welt statt, das nennt sich dann „mixed realities“ oder „augmented realities“.

Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt

Wann das alles genau angefangen hat? Vielleicht schon mit Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“ von 1932? Oder mit Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren von 1944? Vielleicht aber auch erst 1992 in dem Science-Fiction-Roman „Snow Crash“ von Neal Stephenson, der angeblich zum ersten Mal die Begriffe Metaversum und Avatar benutzte? Und dass eine Plattform digitaler Sozialbeziehungen wie Facebook sich jetzt Meta nennt, ist eine konsequente Folge dieser Entwicklung.

Das Tolle ist: Ich kann im Metaverse in eine künstliche Welt entfliehen (Stichwort Eskapismus), kann mich den Mühen und Unwägbarkeiten des realen Lebens entziehen, muss nicht mehr einkaufen, putzen, waschen oder mich mit real existierenden Idioten rumärgern, ich kann einfach im Metaverse meine eigene Welt schaffen und alles was mich nervt, stresst oder sonstwie im realen Leben einfach nur anstrengt, ausblenden: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt! Ja ist das nicht mega bzw. meta?


Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus!

Deutschland hat das Viertelfinalspiel gegen Spanien verloren und ist damit aus der EM ausgeschieden. Zu früh und zu Unrecht, denn eigentlich waren wir besser. 85 Millionen Fußballexperten können nicht irren. Mit ein paar groben, pardon: taktischen Fouls haben unsere Jungs zu Beginn versucht, die spanische Mannschaft zu dezimieren, was nur in einem Fall erfolgreich war. Dann haben wir jede Menge Torchancen versemmelt und jede Menge gelbe Karten eingesammelt. Und zu allem Unglück kam auch noch Pech dazu: Ein klares Handspiel des spanischen Marc Cucurella wurde vom englischen (!) Schiedsrichter Taylor nicht mit einem Elfmeter geahndet. Da klingelt doch was? 1966? Wembley? Damals hat Deutschland das WM-Finale gegen England wegen eines umstrittenen Tores verloren. Der Schweizer Schiedsrichter hatte das Tor zunächst nicht gegeben, dann aber nach Rücksprache mit dem sowjetischen (!) Linienrichter auf Tor gegen Deutschland entschieden, und damit war die Messe gelesen.

Da können FIFA, UEFA oder sonstige Fußballfunktionäre noch so oft behaupten, Politik habe im Fußball nichts zu suchen – Pustekuchen! Wenn allerdings CR7 nach einem verschossenen Elfmeter weint, der britische Spieler Bellingham sich beim Torjubel ans Gemächt greift oder der Türke Demiral den Wolfsgruß zeigt, dann hat das weniger mit Politik zu tun als mit beeinträchtigter Hirntätigkeit infolge häufigen Kopfballspielens in Kombination mit starker Sonneneinstrahlung unter saudi-arabischer Wüstensonne.

So ist es nun einerseits schade, dass es kein Sommermärchen 2024 geben wird und die Aufmerksamkeit des Publikums durch den Fußball nicht weiter von den wirklichen Problemen unserer Zeit abgelenkt wird. Aber es bleibt uns ja noch die Hoffnung, dass der Außenseiter Schweiz am Ende Europameister wird und die ganzen Megastars unverrichteter Dinge wieder nach Saudi Arabien zurückkehren, wo sie ihre Brötchen verdienen. Im Schnitt sind das jeweils 25 Millionen Euro Jahresgehalt (z.B. Aymeric Laporte, Sergej Milinkovic-Savic,  N´Golo Kanté ,Aleksandar Mitrović). Spitzenverdiener Cristiano Ronaldo kommt in Saudi Arabien auf eine Jahresgehalt von 200 Millionen. Vielleicht hat er deshalb geweint, weil ihm die Saudis wegen schlechter Performance bei der EM etwas vom Gehalt abziehen?

Hopp Schwiiz – wir zählen auf Euch!


Mein Hund, der Zeitgeist und ich (3)

Urlaub auf der Insel. Drei Wochen keine Gefahr, dem Zeitgeist und seinem Hund über den Weg zu laufen. Ich hatte am 26.02.2024 und am 29.04.2024 von den anstrengenden Begegnungen mit ihm, dem Zeitgeist, berichtet. Er wird ja wohl nicht zur gleichen Zeit hier Urlaub machen. Aber heißt es nicht in der Bibel, Joh 3,8: „Der Zeitgeist weht, wo er will“? Man muss also auf der Hut sein. Die hiesigen Urlaubsgäste, viele davon bestückt mit Hunden, Kindern und Fahrrädern, sehen nicht so aus, als habe der Zeitgeist keine Spuren bei ihnen hinterlassen. Eher gut situiert, teure Sportklamotten, Auto aus dem oberen Preissegment. Nichts zu spüren vom allseits beklagten deutschen Niedergang.

Im Restaurant stehen die Tische eng. Reservierungen werden nur für ein begrenztes Zeitfenster entgegengenommen. Der Hund darf unter dem Tisch liegen. Unterhaltungen, ohne dass der Nebentisch mithört, sind kaum möglich. Dankbare Themen: Chaos bei der Bahn, die Fußball-EM, die Visagistin von Außenministerin Baerbock. Überhaupt die Regierung, alles Versager.: „Der Scholz müsste endlich mal ein Machtwort sprechen!“

Der das sagt, ein Mann mit offenbar klaren politischen Vorstellungen, lenkt derweil den Blick auf den Hund. Der wiederum wedelt mit dem Schwanz – das tut er bei jedem Idioten, der ihn freundlich anschaut. „Der ist ja süß – ein Australian Shephard?“ Ich habe dem Hund verboten, Leute mit freundlichem Schwanzwedeln zu begrüßen, die sich heimlich nach einer starken politischen Führung sehnen und einen dann um Zustimmung anwanzen. Aber auf mich hört ja keiner. Der Hund teilt meine politischen Ansichten nicht; er ist für meinen Geschmack zu tolerant, um nicht zu sagen, absolut gleichgültig gegenüber linkem wie rechtem Gedankengut. Hauptsache Wurst. 


Wie gefährlich ist Künstliche Intelligenz?

In meiner Blogwerkstatt liegt schon länger ein unfertiger Beitrag zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) auf Halde, steckengeblieben in einem Wust von Fragen: Wo liegen die Chancen und Risiken? Wie verändert KI unsere Gesellschaft? Fördert KI das Aufkommen radikaler Parteien? Welche ethischen Fragen stellen sich bei der militärischen Anwendung, z.B. in Form von autonomen Waffen? Wie verändern digitale Zwillinge (KI-Atavare) unsere sozialen Beziehungen?

Diese und weitere Fragen zu beantworten würde diesen Blogbeitrag sprengen – ich sähe mich dazu auch gar nicht in der Lage. Deshalb möchte ich mich hier, nach einer kurzen persönlichen Einführung, auf drei lesens- bzw. hörenswerte Quellen zu diesem Thema beziehen: Einen online-Vortrag von Dr. Katharina Gerl vom Düsseldorfer Institut für Internet und Demokratie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: KI verändert unsere Gesellschaft. Zu den Folgen des aktuellen technologischen Wandels, die Rede von Meredith Whittaker Mitte Mai bei der Preisverleihung des Helmut-Schmidt-Zukunftspreises in Hamburg. Eine leicht gekürzte Fassung ist erschienen auf ZEIT-online und schließlich einen kürzlich erschienener Artikel (30.06.2024) von Adrian Lobe in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über Digitale Zwillinge: So frei wie eine Billardkugel (davon habe ich leider keinen Link).

Anmerkung: Um die Geduld meiner Leserinnen und Leser nicht zu sehr zu strapazieren, erscheint dieser Beitrag in zwei Teilen. (Übrigens: Eine Passage in diesem Text stammt nicht aus meiner Feder. Ich habe ihn von ChatGPT schreiben lassen. Mal sehen, ob jemand rausfindet, welcher Abschnitt gemeint ist …)

Künstliche Intelligenz versus natürliche Dummheit

Der Hype um die Künstliche Intelligenz (KI) nervt. Jeden Tag neue aufsehenerregende Meldungen von angeblich erstaunlichen Leistungen. Nicht nur ganze Texte nach Stichwörtern kann die KI formulieren, sondern auch täuschend echt wirkende Bilder erzeugen, Stimmen nachmachen, sich selbst als Avatar in einer virtuellen Realität auftreten lassen. Ob selbstfahrende Autos, auch ein Produkt der KI, die Menschheit entscheidend voranbringen? Die KI sei der natürlichen Intelligenz weit überlegen, heißt es. Bei der Lösung komplexer Aufgaben stimmt das wohl. Es ist die größere Rechenleistung, etwa beim Schach, die die KI überlegen macht.

Während die einen vor den angeblichen Gefahren der KI warnen, verweisen andere auf deren Vorzüge und Errungenschaften. Es gibt Anwendungsgebiete, wo die KI von großem Nutzen sein kann, wie zum Beispiel in der Medizintechnik, Weltraumforschung, bei Texterkennungs- und Übersetzungsprogrammen. Eher unheimlich sind dagegen militärische Anwendungen wie etwa bei autonomen Waffen. Manche befürchten, die KI könne bald unser Leben beherrschen. Andererseits: Gegen die natürliche Dummheit kann die KI auch nichts ausrichten. Und die ist, in Kombination mit politischer Verantwortung, wirklich gefährlich. Wozu die KI unfähig ist: Sich ihrer „intelligenten“ Grenzen bewusst zu sein, wie es Sokrates nachgesagt wird: Ich weiß, dass ich nichts weiß.

Chancen und Risiken

KI hat in den letzten Jahren einen enormen Einfluss auf unsere Gesellschaft ausgeübt und wird dies auch in Zukunft weiterhin tun. Die Chancen, die sich durch den Einsatz von KI ergeben sind vielfältig. Zum einen kann KI daz beitragen, Prozesse effizienter zu gestalten und Arbeitsabläufe zu optimieren. Dadurch können Unternehmen Kosten senken und ihre Produktivität steigern. Darüber hinaus ermöglicht KI auch die Entwicklung neuer Technologien und Innovationen, die unser tägliches Leben erleichtern können.

Auf der anderen Seite birgt die Verwendung von KI auch Risiken für unsere Gesellschaft. Ein zentrales Thema ist die Frage nach der ethischen Verantwortung im Umgang mit KI. Es besteht die Gefahr, dass KI-Systeme aufgrund von Voreingenommenheit oder unzureichender Datengrundlage diskriminierende Entscheidungen treffen. Zudem könnten durch den Einsatz von KI Arbeitsplätze verloren gehen und soziale Ungleichheiten verstärkt werden.

Es ist daher entscheidend, dass wir als Gesellschaft einen verantwortungsvollen Umgang mit KI fördern und sicherstellen, dass ethische Standards eingehalten werden. Nur so können wir die Chancen der KI nutzen, ohne die Risiken zu vernachlässigen. Es liegt an uns allen, gemeinsam eine Zukunft zu gestalten, in der KI zum Wohl der Gesellschaft eingesetzt wird.

KI verändert unsere Gesellschaft

Eine gute Einführung in die Thematik bietet der online-Vortrag von Dr. Katharina Gerl vom Düsseldorfer Institut für Internet und Demokratie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: KI verändert unsere Gesellschaft. Zu den Folgen des aktuellen technologischen Wandels, aufgenommen am 28.09.2023 (Dauer 45 Minuten).

Gerl nennt die weit verbreiteten Anwendungsgebiete der KI, die eine immer größere Rolle in unserem Alltag spielen (Smartphone, PC, online-shopping, autonome Autos, automatische Übersetzung, Smart farming, usw.) und sieht die Chancen der KI darin, dass sie Optimierungswerkzeuge bereitstellen, die uns Zeit sparen, in der Medizin die Erkennung von Krankheiten erleichtern oder Verbesserung von Verwaltungsdienstleistungen ermöglichen – um nur einige Bespiele zu nennen.

Gefahr für die Demokratie?

Neben diesen Chancen fragt Gerl nach den Auswirkungen der KI auf unser demokratisches Miteinander und auf die sozialen Implikationen: Wessen Daten werden zu welchen Zwecken gesammelt und wer hat Zugang dazu? Beispiele für den missbräuchlichen Einsatz von KI, etwa die Diskriminierung von Frauen oder ethnischen Minderheiten sind keine abstrakte Gefahr, sondern reale Erfahrungen. Besonders das manipulative Potenzial der KI, etwa in der demokratischen Öffentlichkeitsarbeit und politischen Meinungsbildung durch gefakte Bilder, deepfakes und Falschinformationen stellt eine konkrete Gefahr für die Demokratie dar. Um diesen Gefahren zu begegnen, schlägt Gerl vor: individuelle Kapazitäten im Umgang mit KI stärken, Medienkompetenz entwickeln, demokratische Kontrolle. Gerls Fazit: Weil KI gestaltbar ist, sollte sie öffentlich diskutiert, transparent, nachvollziehbar und nutzerzentriert sein.

Das toxische Geschäftsmodell der Überwachung

Die KI-Forscherin Meredith Whittaker hat Mitte Mai den Helmut-Schmidt-Zukunftspreis erhalten. Bei der Preisverleihung in Hamburg hielt sie eine Rede, die auf ZEIT online in einer leicht gekürzten Fassung veröffentlicht wurde.

Für Whittaker ist die KI ein „toxisches Geschäftsmodell der Überwachung“, das sich weder um den Datenschutz noch um die bürgerlichen Grundfreiheiten schert. Ein Modell, das den großen Tech-Konzernen und der Werbeindustrie dient und sich zu einer gigantischen Überwachungsindustrie entwickelt hat. Katharina Gerl hat in dem erwähnten Vortrag auf die totale Überwachung unter autoritären Regimen wie China verwiesen. Nach Whittaker drohen solche Entwicklungen auch im kapitalistischen Westen: Damit bereiten die großen Unternehmen den Boden für eine Vormachtstellung, wie es sie noch nie gab. Indem sie ihre Produkte und Dienstleistungen als Gipfel des menschlichen Fortschritts und der Weiterentwicklung der Wissenschaft verkaufen, weiten diese Unternehmen und ihre Förderer ihre Reichweite und Kontrolle auf nahezu alle Lebensbereiche und in fast jede Region der Erde aus. Sie stellen die Infrastruktur für Staaten, Unternehmen, Medien und Militär bereit und verkaufen die Derivate des toxischen Geschäftsmodells Überwachung als Produkt wissenschaftlicher Innovation.“

Und weiter: Das ist ungeheuer gefährlich. Das vom Anteilseigner-Kapitalismus befeuerte Streben nach grenzenlosem Wachstum und Ertrag, das sich metastasenartig ausbreitet und der eigentliche Antrieb dieser Riesenkonzerne ist, führt in vielen Punkten weg vom Pfad in eine lebenswerte Zukunft.“

Targeted Killing mit KI-Systemen

Als besonders beunruhigenden Trend sieht Whittaker, dass die KI-Überwachungskonzerne dabei sind, sich zu Rüstungsunternehmen zu wandeln, d.h. dass sie Waffen und Überwachungsinfrastrukturen an Streitkräfte und Staaten liefern. Und mehr noch: Ähnlich wie die KI-basierte zielgerichtete kommerzielle Produktwerbung auf der Auswertung großer Datenmengen basiert, so funktioniert im militärischen Bereich das Konzept des „signature strike“, also die Auswahl eines Tötungsziels auf der Basis von Datenmustern und Verhaltensüberwachung. Das heißt: Bei signature strikes werden Menschen im Prinzip aufgrund von Datenprofilen getötet.“

So arbeitet etwas die israelische Armee im Gaza mit einem KI-System namens Lavender. „Lavender schaltet keine Werbeanzeigen, sondern setzt Menschen automatisch auf eine Tötungsliste, sobald ihre durch Überwachung gesammelten Datenmuster mit den Datenmustern angeblicher Kämpfer übereinstimmen – obwohl wir als Fachleute wissen, dass dieses Verfahren extrem ungenau ist.“

Whittaker fordert daher im Einklang mit dem deutschen Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung die Praxis des `Targeted Killing´ mit unterstützenden KI-Systeme als Kriegsverbrechen einzustufen.  

In der zweiten Folge dieses Beitrags „Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?“ geht es um Digitale Zwillinge oder KI-Avatare, also digitale Nachbildungen real existierender Personen. Und um das Metaversum, eine besondere Spielart Künstlicher Intelligenz.