AfD-Verbot jetzt prüfen!
Veröffentlicht: 11. Mai 2025 Abgelegt unter: Demokratie, Gesellschaft, Innenpolitik, Neue Rechte, Wahlen Hinterlasse einen KommentarIch habe gerade den Campact-Appell an Bundeskanzler Friedrich Merz unterzeichnet: Jetzt AfD-Verbot prüfen! Ich teile hier den Appell, der in den letzten Tagen von mehr als 350.000 Menschen aus der Zivilgesellschaft unterzeichnet wurde, und lade dazu ein, sich den Unterzeichnern anzuschließen.
Und hier der Text des Aufrufs: Die gesamte AfD gilt als gesichert rechtsextremistisch. Das hat das Bundesamt für Verfassungsschutz am Freitag, den 2. Mai erklärt. Damit ist endlich offiziell, was viele von uns schon lange geahnt haben. Die Einstufung lässt die Partei jetzt gerichtlich prüfen – solange wiederholt der Verfassungsschutz die Aussage nicht. Damit zieht er aber seine Beurteilung nicht zurück, sondern wartet lediglich die Überprüfung durch das Verwaltungsgericht Köln ab – ein ganz normaler Vorgang in einem Rechtsstaat. Wenn das Gericht die Einstufung aufrechterhält, könnte sie zu einer ernsten Gefahr für die AfD werden – denn sie macht ein Parteiverbot durch das Bundesverfassungsgericht deutlich wahrscheinlicher.
Viele Politiker*innen haben bislang gezögert, ein Verbotsverfahren zu unterstützen – aus Sorge, es könnte vor Gericht scheitern. Das mehr als tausendseitige Gutachten des Verfassungsschutzes hat die Lage geändert. Die AfD ist auch auf Bundesebene verfassungsfeindlich, so die klare Einschätzung der Expert*innen. Das ist ein deutliches Signal an die neue Regierung. Sie muss nun einen Antrag für ein AfD-Verbot ausarbeiten und die Erfolgsaussichten prüfen. Alles andere würde den Rechtsextremen signalisieren: Ihr könnt so verfassungsfeindlich agieren, wie ihr wollt, euch passiert nichts. Denn das Gegenteil ist der Fall. Gegen Verfassungsfeinde müssen wir die schärfste Waffe unseres Grundgesetzes nutzen – das Parteiverbot.
Während in der SPD viele dafür sind, überwogen in der Union bislang die Vorbehalte. Umso bemerkenswerter, dass der schleswig-holsteinische CDU-Ministerpräsident Daniel Günther noch am Freitag ein solches Verfahren forderte. Nun kommt es auf Friedrich Merz an. Als Kanzler hat sein Wort enorme Bedeutung – doch auch er hat sich bislang skeptisch gezeigt. Damit der CDU-Chef nicht länger bremst, braucht es jetzt ein starkes Signal aus der Zivilgesellschaft. In den letzten Tagen haben mehr als 340.000 Menschen den Appell von Campact an den frisch gewählten Bundeskanzler unterzeichnet.
Weißer Rauch über Berlin: Habemos Koalitionsvertrag
Veröffentlicht: 12. April 2025 Abgelegt unter: Demokratie, Innenpolitik, Wahlen | Tags: Koalitionsvertrag 2 KommentareEin Aufatmen geht durch die Nation: Der Koalitionsvertrag ist fertig: 144 Seiten „Verantwortung für Deutschland!“ Uff! Das ist schon mal eine gute Nachricht, darin sind sich die Kommentatoren einig. Und nicht nur das: Friedrich Merz und Lars Klingbeil bekennen öffentlich: Wir sind jetzt per Du! Oder, wie die Franzosen sagen würden: Nous sommes perdus. Aber kaum ist der Koalitionsvertrag unter Dach und Fach, geht in der Republik das große Gemecker und Geraune um. Je nach Interessenlage wird gelobt oder getadelt. Kritiker stellen zu viel Zugeständnisse an die AfD fest und bemängeln fehlende Zukunftsvisionen, keine Bekenntnisse zu Klimaschutz, Agrarwende, Schutz unserer Demokratie und Zivilgesellschaft vor rechtsextremen Angriffen.
Lassen wir zwei der Verhandlungsführer zu Wort kommen: Markus Söder (CSU), bayrischer Ministerpräsident, freut sich über das Bekenntnis, „dass wir Autoland sind und Autoland bleiben wollen“. Hä? Hat der Mann eine Fleischkäsvergiftung oder eine Überdosis Bratwurst zu sich genommen? Oder der hier, auch nicht von schlechten Eltern: Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, meint: In der Asylpolitik „ist der gesunde Menschenverstand zurück“.
Was dabei herauskommt, wenn der gesunde Menschenverstand am Steuer eines 500-PS-Porsches 911 in Deutschautoland ausgelebt wird, ahnen wir. Oder, wenn die Bildzeitung, das Zentralorgan des gesunden Menschenverstands, mal wieder Ausländerfeindlichkeit schürt.
Übrigens: Den kompletten Koalitionsvertrag kann man hier lesen …
Germania, mir graut vor dir
Veröffentlicht: 8. April 2025 Abgelegt unter: Demokratie, Gesellschaft, Innenpolitik, Rüstung, Wahlen Ein KommentarAuf diesen Blogbeitrag wird, das ist die gute Nachricht, kein Zoll erhoben. Schließlich sind die Gedanken frei. Fragt man mich, warum mir vor Deutschland graut, dann frag ich keck zurück: Und ihr, was ist mit euch? Graut euch etwa nicht? Weiter steigende Zustimmungsraten für die AfD? Dem Land dräut ein Bundeskanzler Friedrich Merz? Aufnahmestop für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge? Abschaffung des Entwicklungsministeriums? Milliardenausgaben für die Rüstung? Rückkehr zur Atomkraft?
1871 schrieb der Dichter und Revolutionär Georg Herwegh angesichts des Deutsch-französischen Krieges sein „Germania, mir graut vor dir“, darin u.a. diese Strophe:
„Daß du, in argen Wahn versunken
Mit falscher Größe suchst zu prunken
Und daß du, gottesgnadentrunken
Das Menschenrecht vergessen hast“.
Nun warten wir dieser Tage untertänigst auf die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU, CSU und SPD, ahnend, dass kaum wirklich Gutes und Hoffnungsvolles für die Zukunft unseres Landes dabei rauskommt. Es wird ein kleinster gemeinsamer Nenner sein, ein Zweckbündnis, um Schlimmeres zu verhindern, aber kein Aufbruch in eine bessere Zukunft.
Morgen, so heißt es, wird es Ergebnisse geben. Würde mich sehr wundern, wenn wir dann sagen könnten: „Germania, wir sind stolz auf dich“.
Tempolimit kommt! Vertrauliche Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen geleakt!
Veröffentlicht: 26. März 2025 Abgelegt unter: Demokratie, Innenpolitik, Wahlen Ein KommentarNun ist es doch passiert: Obwohl strikte Vertraulichkeit unter den Akteuren vereinbart, sind erste Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD durchgesickert. Hier die Themen, auf die man sich offenbar schon geeinigt hat:
Tempolimit: Es wird ein allgemeines Tempolimit von 100 km/h auf deutschen Autobahnen und von 80 km/h auf Landstraßen geben. Innerstädtisch soll grundsätzlich eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h gelten. Schweizer Bundesbürger sind von dieser Regelung ausgenommen.
Pendlerpauschale: Wird abgeschafft zugunsten einer kostenlosen Benutzung des ÖPNV.
Dienstwagenprivileg: Die steuerliche Begünstigung von Dienstwagen entfällt. Mit den dadurch eingesparten 5,5 Milliarden Euro werden BaföG und Wohngeld erhöht.
Kaufprämie für E-Bikes: Der Bund gewährt für die Anschaffung eines E-Bikes eine Kaufprämie von 1.000 Euro.
Krankenversicherung: Die Zweiklassengesellschaft (GKV und Private KV) wird abgeschafft. Es wird nur noch eine einheitliche Bürgerversicherung geben, in die alle einzahlen.
Rentenversicherung: Beamte zahlen künftig wie Angestellte in die staatliche Rentenversicherung ein.
Frauenquote: Vorstandsposten bei CDU und CSU müssen jeweils zur Hälfte mit Frauen besetzt werden.
Kinder- und Jugendschutz: Markus Söder verpflichtet sich, auf den Verzehr von Weißwürsten, Hamburgern oder Leberkässemmeln vor laufender Kamera zu verzichten.
Man darf gespannt sein, was noch so alles kommt! PS: Für die Richtigkeit dieser Informationen wird keine Gewähr übernommen.
Mehr Rüstung = mehr Sicherheit = Frieden? Eine Gegenrede
Veröffentlicht: 14. März 2025 Abgelegt unter: Bundeswehr, Entwicklungszusammenarbeit, Innenpolitik, Krieg, Pazifismus, Rüstung 3 KommentareWer den Frieden will, muss für Aufrüstung sein. Auf diese einfache Formel lassen sich die gegenwärtigen Debatten verkürzen. Wird es dieses Jahr wieder Ostermärsche der Friedensbewegung geben? Wenn ja, mit welchen Forderungen? Man will ja nicht ganz aus der Zeit gefallen erscheinen und sich zum Gespött der Leute machen. Der Zeitgeist – ach der! – er will vom Pazifismus aus den Zeiten des kalten Krieges a lá „Frieden schaffen ohne Waffen“ sowieso nichts wissen. Wie denn auch, wenn Russland ein Nachbarland überfällt und mit Krieg überzieht! Fast alle sind sich einig, was dagegen getan werden muss (sogar die Grünen!): Mehr Geld für die Rüstung. Dafür werden im Wesentlichen zwei Gründe angeführt: Wenn die Ukraine den Krieg wegen fehlender Unterstützung des Westens verliert, dann wird Russland sich ermutigt fühlen, weitere Länder des Westens anzugreifen – das Baltikum, Polen, ja vielleicht auch Deutschland. Und weil wir mit den USA als bisheriger Garant unserer Sicherheit in Europa nicht mehr rechnen können.
Kriegstauglich werden, whatever it takes?
Die Forderung scheint also auf den ersten Blick folgerichtig: „Frieden schaffen – bzw. wiederherstellen, sichern – mit noch mehr Waffen!“ So tönt es in den aktuellen Parlamentsdebatten, im Blätterwald, bei Talkshows und an den Stammtischen der Republik. Rüstungsbetriebe fahren ihre Produktion hoch, die Aktienkurse schießen durch die Decke. Wer vor einem Jahr Rheinmetallaktien für 100.000 Euro gekauft hat, ist heute Millionär. Auch das Wahlvolk scheint mehrheitlich zu akzeptieren, dass riesige Summen für die Rüstung geplant werden. Die neue Regierung aus Union und SPD will für Rüstungsausgaben die Schuldenbremse ganz aufheben. Im Haushalt 2025 sind für den „Wehretat“ 53 Mrd. Euro geplant – plus 20 Milliarden aus dem Sondervermögen Bundeswehr. Diese Zahlen sind für CDU-Mann Thorsten Frei angesichts der Bedrohung durch Russland „verantwortungslos und zukunftsvergessen“. 80 Milliarden müssten es sein, um „wenigstens“ das Zwei-Prozent-Ziel der NATO einzuhalten. Will man auf 3,5 oder gar vier Prozent des BIP kommen, dann brauchte man also ca. 150 bis 170 Milliarden Euro.
Gespart wird beim Klimaschutz, beim Sozialhaushalt, bei der Friedensarbeit
Die neue Regierung möchte dafür die Schuldenbremse aufheben und die Grünen, so scheint es, würden da mitgehen. Man wolle dafür nicht bei den sozialen Aufgaben sparen, heißt es. Dabei ist das längst Realität. Die Union möchte zum Beispiel beim Bürgergeld sparen. Gleichzeitig mit den steigenden Rüstungsausgaben wurden die Bundesmittel für die Entwicklungszusammenarbeit 2024 und 2025 bereits drastisch gekürzt. Auch für Humanitäre Hilfe stellt die Bundesregierung weniger Geld zur Verfügung. Die USA haben ihre Entwicklungshilfe eben mal ganz eingefroren. Dazu der Vorsitzende des Dachverbands der deutschen NRO Michael Herbst: „Weil wir uns so gerne ereifern über nationalistische Politik anderer Länder und uns aufregen über Statements von Donald Trump und Viktor Orban, aber wir gehen tendenziell in dieselbe Richtung.“ Aus rechten und konservativen Kreisen wird Stimmung gegen Entwicklungshilfe gemacht mit Fake News über die angebliche Verschwendung von Steuergeldern für Fahrradwege in Peru. Eine ernsthaft Diskussion um die Frage, welchen Beitrag Armutsbekämpfung und globale Gerechtigkeit zur Friedenssicherung leistet, und was mit nur einem Bruchteil der Milliarden für die Rüstung stattdessen an Friedensförderung geleistet werden könnte, findet nur in Fachkreisen statt. Die Grünen, die höhere Rüstungsausgaben grundsätzlich befürworten, betonen dabei: „Sicherheit bedeutet mehr als Verteidigung. Es geht um wirtschaftliche Stabilität, soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz. Unsere Verantwortung gilt nicht nur der Gegenwart, sondern auch den kommenden Generationen“.
Ist die Aufrüstung wirklich alternativlos?
Müssen wir also wirklich, um „kriegstauglich“ zu werden, unsere Rüstungsausgaben drastisch erhöhen, um genügend Abschreckungspotenzial gegenüber machtpolitischen und imperialistischen Interessen Russlands zu haben? Auch die EU will in den nächsten Jahren ihre Ausgaben für „Verteidigung“ auf 800 Mrd. Euro erhöhen und damit mehr als verdoppeln. Man geht von der Annahme aus, dass der Westen bei einem russischen Angriff militärisch unterlegen wäre. Aber stimmt das überhaupt?
Das amerikanische Quincy-Institut, das von hochrangigen Militärs und CIA-Leuten gegründet wurde, hat hierzu eine umfangreiche Studie erstellt und kommt zu dem Ergebnis, „dass Russland der NATO, auch ohne die USA, in allen Waffengattungen weit unterlegen ist“ (zit. nach: Ulrich Bausch: Kurzgeschichte der Nato-Osterweiterung).
Die Annahme von der militärischen Unterlegenheit des Westens wird von einer aktuellen Studie von Greenpeace widerlegt (Wann ist genug genug? Ein Vergleich der militärischen Potenziale der Nato und Russlands, November 2024). Autoren der Studie sind die Friedensforscher Herbert Wulf und Christopher Steinmetz. Sie kommen ebenso wie das Quincy-Institut zu dem Ergebnis, dass „die Nato …Russland in fast allen militärischen Schlüsselparametern weit überlegen (ist). Auch ohne USA. Selbst die europäischen Nato-Staaten für sich genommen liegen in Militärbudget, Truppenstärke und Großwaffensystemen vor Russland“; deshalb, so die Autoren, sei „ein grundlegender Perspektivwechsel in der Sicherheitsdebatte Europas notwendig“.
Das Dilemma der Friedensbewegung
Die Friedensbewegung hat es schwer, mit ihren Forderungen nach Abrüstung und Friedensinitiativen durchzudringen. Mit der Forderung „Perspektivwechsel in der Sicherheitsdebatte Europas“ wird man keinen Blumentopf gewinnen können. Der Slogan ist für Ostermarschtransparente viel zu sperrig. Und wer an Ostern auf die Straße geht und für Frieden und Abrüstung demonstriert, muss damit rechnen, dass sich Anhänger von AfD und BSW einreihen. Das will man dann auch wieder nicht.
100 Jahre nach 1933: Droht 2033 die Machtergreifung der AfD?
Veröffentlicht: 3. März 2025 Abgelegt unter: Demokratie, Gesellschaft, Innenpolitik, Neue Rechte, Wahlen | Tags: AfD-Verbot, Wehrhafte Demokratie 4 KommentareWas bisher kaum denkbar schien, wird zur realen Gefahr: Die rechtsextremistische AfD erringt bei der übernächsten Bundestagswahl 2033 die Mehrheit und gelangt an die Macht. Beflügelt vom Wahlerfolg 2025 mit 20,8 Prozent der Stimmen träumt die AfD sogar schon von einer möglichen Machtübernahme 2029. In den ostdeutschen Bundesländern ist die AfD bereits jetzt stärkste Kraft. Der Vergleich der Zweitstimmenmehrheiten in den Wahlkreisen zwischen den Bundestagswahlen 2021 und 2025 macht diese Entwicklung deutlich:

Wenn die Brandmauer bröckelt: Ist die Demokratie in Gefahr?
Die NSDAP hat vom Hitlerputsch 1923 bis zur Machtergreifung 1933 nur zehn Jahre gebraucht, um die Reichstagswahlen zu gewinnen und die junge Weimarer Republik mit dem Ermächtigungsgesetz in eine Diktatur zu verwandeln. Auch wenn solche historischen Vergleiche in vielerlei Hinsicht nicht zutreffend sein mögen: Es gibt Parallelen, die Anlass zur Sorge geben. Für die Gefahr, die von der AfD ausgeht, kann man sowohl das innerparteiliche Gedankengut ihrer führenden Repräsentanten als auch die Unterstützung durch illiberale, demokratiefeindliche und totalitäre Kräfte aus dem Ausland anführen. Die möglichen Parallelen zur Weimarer Republik – wirtschaftliche Krisensituation, zersplitterte Parteienlandschaft und schwierige Regierungsbildung – und damit der Ruf nach totalitären Problemlösungen – sind unübersehbar. Weltweit sind Demokratien auf dem Rückzug. Können wir darauf vertrauen, dass unsere Demokratie stark genug ist, damit „nie wieder“ passiert, was 1933 passierte? Bekanntlich liegt das Dilemma bzw. die Schwäche der Demokratie in ihr selbst: Diejenigen, die sie abschaffen wollen, können auf demokratischen Weg an die Macht gelangen. Was also müssen wir tun, um die Demokratie zu schützen? Hätte ein Verbot der AfD Aussicht auf Erfolg und wäre das der richtige Weg? Auf diese Frage möchte ich am Ende dieses Beitrags zurückkommen.
Wie gefährlich ist die AfD wirklich?
Die AfD gibt sich den Anschein einer bürgerlichen Partei, die für die „Menschen in diesem Land“ Politik macht. Der wahre Charakter als rassistische und völkisch-nationalistische Partei wird gerne verschleiert. Die Autoren Michael Kraske und Dirk Laabs haben seit Jahren im extremistischen Milieu recherchiert und die über die AfD gesammelten Fakten in ihrem Buch „Angriff auf Deutschland. Die schleichende Machtergreifung der AfD“ publiziert (C.H. Beck, München 2024). Hinter der bürgerlichen Fassade bestimmen rechtsradikale Scharfmacher den Kurs der Partei. Der Verfassungsschutz hat sich nach langem Zögern durchgerungen, Teile der Partei als „gesichert rechtsextremistisch“ einzustufen, zögert aber bisher, diese Einstufung auf die Gesamtpartei auszudehnen. Björn Höcke lässt durch seine Schriften und Reden keinen Zweifel daran, dass er Rassist, Antisemit und Sympathisant des Nationalsozialismus ist. Versuche der Partei, ihn durch einen Parteiausschluss loszuwerden, waren nicht erfolgreich. Im Gegenteil: Sein Einfluss ist größer geworden, er gilt heute als der entscheidende Strippenzieher im Hintergrund. Die Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla geben sich gerne einen seriösen Anstrich und überlassen Leuten wie Björn Höcke oder Maximilian Krah die groben Sprüche. Wenn sie dabei ertappt werden, selbst rechtsradikale Äußerungen getätigt zu haben, bestreiten sie den Sachverhalt. Alice Weidel fällt immer wieder dadurch auf, dass sie unbequemen Fragen von Journalisten ausweicht („… darauf antworte ich nicht“, oder „sie framen mich“, „die Frage ist nicht seriös“). So wurde Weidel im Rahmen einer ZDF-Reportage vom 08.02.2023 („Aussage Verweidelt“) mit der folgenden von ihr verfassten Mail von 2013 konfrontiert:

Der Empfänger der Mail hatte eidesstattlich versichert, dass die Mail von Weidel stammt. Weidel selbst verweigerte die Antwort auf die Frage, ob die Mail von ihr stammt oder nicht.
Hitler war Kommunist: Die Diskursstrategien der AfD
Von Weidel stammt auch die Aussage, Hitler sei Kommunist gewesen. Über die Diskursstrategien der AfD sagt der Historiker und Publizist Volker Weiß in einem Interview im Philosophie-Magazin 03/2025: „Wenn Hitler links war, so die Schlussfolgerung, sind die heutigen Linken ebenfalls Nazis. Man sagt also nicht nur, die Nazis waren links, sondern auch dass die echten Rechten keine Nazis sind. Mithin geht es darum, die Rechte zu entlasten und gleichzeitig die Linke zu dämonisieren“.
Wie radikal sind die neuen AfD-Abgeordneten
Werfen wir einen Blick auf die Repräsentanten der AfD, die für diese Partei ins „Hohe Haus“ einziehen. Zunächst fällt auf, dass in keiner Fraktion der Frauenanteil so gering ist wie bei der AfD: Von 152 AfD-Abgeordneten sind gerade mal 18 Frauen, also etwa jede Zehnte. Der Frauenanteil bei den anderen Parteien: Grüne (61 %), Linke (56 %), SPD (42 %), Union (23 %). In der vergangenen Legislaturperiode hatte die AfD 82 Abgeordnete im Bundestag – wegen Störungen und Beleidigungen während der Plenarsitzungen konnte die AfD-Fraktion den Rekord an Ordnungsrufen für sich verbuchen. Angeführt wird die Rangliste der Ordnungsrufe von Beatrix von Storch („von Strolch“), gefolgt von Stephan Brandner und Matthias Helferich. Es ist also kaum zu erwarten, dass sich bei nun doppelt so vielen Abgeordneten im neuen Parlament mehr Respekt und Anstand breitmachen werden. Die Zahl der kassierten Ordnungsrufe ist allerdings kein Beleg für die Gefährlichkeit der AfD, sondern höchstens für ihr flegelhaftes und respektloses Gebaren im Parlament.
Die neue Fraktion hat in ihren Reihen einige alte und neue Abgeordnete, die sich durch besonders radikale demokratiefeindliche, rassistische, frauenfeindliche und faschistische Äußerungen und Aktivitäten hervorgetan haben. Beatrix von Storch, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, wollte einen Waffeneinsatz gegen Flüchtlinge an deutschen Grenzen nicht ausschließen. Für Maximilian Krah (Spitzname „Schampus-Max“) sind echte Männer rechts, „Feministinnen alle hässlich und grässlich“. Als Spitzenkandidat der AfD für die Europawahl 2024 musste ihn die AfD zeitweise aus dem Verkehr ziehen; bei der Bundestagswahl hat er gegen die Willen seiner Parteiführung in Sachsen und im Bund kandidiert. Nun zieht er über ein Direktmandat in den Bundestag ein, trotz schriller öffentlicher Auftritte, Verbindungen nach Russland und China und umstrittener Aussagen über die SS.
Ebenfalls wieder im Bundestag ist Matthias Helferich, gegen den ein Parteiausschlussverfahren läuft, das sein Landesverband NRW letztes Jahr in die Wege geleitet hat, weil er „die Außerlandesbringung von deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund und weiteren Personenkategorien unter Anwendung staatlicher Zwangsmittel als politische Zielsetzung artikuliert“ und dabei die Betroffenen als „Viecher“ bezeichnet hatte. Helferich hat sich selbst das „freundliche Gesicht des NS“ und als „demokratischer Freisler“ bezeichnet und mit seinem Kontakten in die Neonazi-Szene geprahlt.
Auch Alexander „Vogelschiss“ Gauland, ein Anhänger der Verschwörungserzählung vom „großen Bevölkerungsaustausch“, wonach angeblich das deutsche Volk systematisch durch Migranten ersetzt werden soll, gehört weiter der AfD-Fraktion an.
Hannes Gnauck, ehemaliger Soldat der Bundeswehr, wurde vom Militärischen Abschirmdienst wegen fehlender Verfassungstreue als Extremist eingestuft und infolgedessen als Soldat vom Dienst freigestellt. Er ist Bundesvorsitzender der Jungen Alternative für Deutschland, die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft ist und die selbst der AfD zu rechts ist, weshalb die Partei die Jugendorganisation auflösen will.
Dario Seifert, der ebenfalls das Direktmandat in seinem Wahlkreis gewonnen hat, war Mitglied der Jugendorganisation der verfassungsfeindlichen NPD (heute Die Heimat) Auch gegen ihn strengte die AfD ein Parteiausschlussverfahren an, das 2024 in einer zweijährigen Ämter-Sperre endete. Trotzdem zieht er nun in den Bundestag ein.
Lt. einer Recherche von Correctiv von 2024 duldet die AfD auf allen Ebenen Mandatsträgerinnen und -träger, die mit körperlicher, verbaler oder indirekter Gewalt aufgefallen sind – viele trotz Verurteilung. Darunter sind mehrere Landtags- und Bundestagsabgeordnete.
Bevor es zu spät ist: Ein AfD-Verbot muss her
Man darf sich also auf einiges gefasst machen, wenn die AfD nun als größte Oppositionsfraktion im Deutschen Bundestag breitbeinig und selbstbewusst agiert. Mit dem Wählervotum von mehr als 20 Prozent im Rücken können die rechtsextremen Abgeordneten vor Kraft kaum gehen. Es ist nicht zu erwarten, dass die Partei einen gemäßigteren Kurs einschlagen wird, die Radikalisierung wird nach den Erfahrungen der Vergangenenheit und nach diesem Wahlerfolg eher weiter vorangetrieben. Mittlerweile, so die Politikwissenschaftlerin Heinze in der Tagesschau, „teile sich die Partei nicht mehr in moderat und radikal, sondern in radikal und offen rechtsextrem.“ Dabei gibt es schon jetzt genügend Gründe, um ein Parteiverbotsverfahren gegen die AfD einzuleiten und erfolgreich zum Abschluss zu bringen. 2024 haben 113 Abgeordnete des Bundestages eine Initiative für ein Parteiverbotsverfahren gegen die AfD gestartet. Am besten wäre es, wenn die Bundesregierung, der Bundestag und der Bundesrat gemeinsam einen Antrag für ein Parteiverbot stellen würden. Eine Stellungnahme von 17 Verfassungsrechtlern kommt zu dem Schluss, dass die Erfolgsaussichten gut sind.
Ich schließe mich der Forderung von Heribert Prantl an, der seine alte Forderung nach einem AfD-Verbot heute mit folgenden Worten begründete: „Natürlich lässt ein vom höchsten Gericht ausgesprochenes Verbot samt Auflösung der AfD den Rechtsextremismus nicht verschwinden; er existiert weiter, er löst sich mit der Partei nicht auf. Aber er wird dann nicht mehr großzügig vom Steuerzahler finanziert. Staatliche Gelder machen den größten Batzen der Einnahmen für die Partei und Fraktion der AfD aus, schon im Jahr 2022 waren das über zehn Millionen Euro. Die Zahl dürfte gegenwärtig noch viel höher sein, weil die Zahlungen mit der Zahl der Wähler steigen: Geld für den Druck von Plakaten und Veranstaltungen, auf denen das „System“ verhöhnt wird, das jene Verhöhnung finanziert. Hinzu kommen steuerliche Begünstigungen, die Diäten von Abgeordneten und Gehälter von Funktionsträgern, die die AfD mit Posten versorgt, sowie weitere Zuschüsse.“
Warten wir nicht, bis es zu spät ist und wir ein neues 1933 erleben.
Maulkorb für zivilgesellschaftliche Organisationen? Viktor Orbán lässt grüßen
Veröffentlicht: 26. Februar 2025 Abgelegt unter: Demokratie, Gesellschaft, Innenpolitik, Spenden Ein KommentarDass Regierungen unbequeme zivilgesellschaftliche Organisationen zum Schweigen bringen wollen, kennt man von autoritären Regimen. Nun fordert die Union von der Bundesregierung Auskunft über die staatliche Förderung von Nicht-Regierungsorganisationen (NGO), denen sie eine Parteinahme unterstellt und deren Gemeinnützigkeit überprüft werden soll. Gemeint sind – welch ein Zufall – just solche NGOs, die im Wahlkampf gegen die Politik der CDU/CSU protestiert haben, wie etwa die Deutsche Umwelthilfe, die Omas gegen rechts, die Amadeo Antonio Stiftung, Campact oder Greenpeace. Solche Einschüchterungsversuche sind nicht neu. So wurde 2019 dem Verein Attac die Gemeinnützigkeit entzogen, wenig später verlor auch die Organisation Campact ihren gemeinnützigen Status (weshalb ich sie durch Spenden unterstützt habe). Auf diese Weise wird politisch unbequemen Organisationen die Arbeit erschwert, indem man ihnen die finanzielle Grundlage entzieht.
Die CDU/CSU rechtfertigt ihre Anfrage damit, dass ihrer Meinung nach „öffentlich gefördertes Engagement nicht zu parteipolitischen Zwecken eingesetzt werden (darf)“. Das ist schon allein deshalb falsch, weil ja die politischen Stiftungen der Parteien aus öffentlichen Steuergeldern gefördert werden. Und es zeigt ein äußerst fragwürdiges Verständnis von Demokratie, wenn zivilgesellschaftliche Kontrolle staatlichen Handelns mundtot gemacht werden soll. Wie anfangs erwähnt, ist es kein Zufall, dass autoritäre Regime auf diese Weise versuchen, kritische Opposition auszuschalten. Beim Vorgehen gegen kritische NGOs (und vielleicht auch bald gegen kritische Medienberichterstattung?) darf sich die Union jedenfalls der Unterstützung der AfD sicher sein.
Bild: Carlotta Steinkamp
Angebot der Woche: „Betreutes Wählen“
Veröffentlicht: 15. Februar 2025 Abgelegt unter: Allgemein, Demokratie, Feminismus, Gesellschaft, Innenpolitik, Wahlen Hinterlasse einen KommentarGehören Sie, gehörst Du zu den mehr als 30 Prozent, die noch nicht wissen, wen oder was sie wählen sollen? Dabei haben wird doch in den letzten Wochen auf diesem Blog nahezu ununterbrochen, penetrant und manipulativ Wahlempfehlungen abgegeben! Wenn Du also trotz – oder wegen! – Wahl-O-Mat, Lektüre von Wahlprogrammen und Fernsehdebatten noch unentschieden bist, dann bist Du richtig bei unserem Spezialprogramm „Betreutes Wählen“. Wir bieten Hilfestellung beim Wählen, zum Beispiel durch musikalische Darbietungen wie diese (Der Text zu dem Lied ist weiter unten eingefügt):
2025 © Ruth Toma (Here’s for You / Sacco und Vanzetti, Ennio Morricone) DAMENLIKÖRCHOR GEGEN RECHTS Noch ne Krise hohe Preise und die ganze Umweltscheiße Klimawandel Fluchtbewegung Weltuntergangsvorverlegung Migration, noch nichts ist erreicht, denn ne Lösung ist nicht so leicht ist ganz egal, wer grade regiert die Welt ist leider kompliziert Glaub nicht denen, die dir erklär’n, wenn da nicht die Ausländer wär’n, dann hätten wir ein schöneres Land das ist nur Mist vom rechten Rand Klimawandel ist nicht erwünscht, weil er keine Wahlen gewinnt dem Klimawandel ist das egal, denn er steht leider nicht zur Wahl Fakten, die zu unbequem sind, leugnen sie, als ob das was bringt bau’n sich die Wahrheit, so wie sie soll Leute, echt, die lügen euch voll Ob Jüdin, Moslem oder ob queer was sie nicht kennen, woll’n sie nicht hier nur deutsch und straight auf deutschem Grund sie woll’n schwarz-weiß, kein bisschen bunt Frauen soll’n, wie sich das gehört, wieder mal zurück an den Herd wisst ihr, wie man dem leicht entgeht? Indem ihr nicht das Falsche wählt.
PS: Vielleicht sähe die Welt anders aus, wenn nur Frauen wählen dürften …






